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Amselstrasse in Schleswig : Briefe heute nur für die linke Straßenseite

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Bewohner der Schleswiger Amselstraße fühlen sich von der Post vernachlässigt – und haben eine überraschende Beobachtung gemacht.

von
erstellt am 22.Okt.2017 | 07:22 Uhr

Anrufe von Bürgern, die tagelang vergeblich auf wichtige Briefe warten, erreichen die SN-Redaktion immer wieder. Mal war es der Kattenhunder Weg, mal der Holm – die Briefträger schaffen es nicht, innerhalb ihrer Arbeitszeit alle Sendungen zuzustellen und müssen ihren Touren abbrechen. Was jetzt aber Bernhard Bluhm aus der Amselstraße beobachtet, das sieht nach einem gewissen System aus: Bei ihm kommt die Post nur noch an jedem zweiten Tag. Zwar sieht er die Postbotin – dieselbe, die ihn viele Jahre lang zuverlässig beliefert hatte – noch immer täglich vor seinem Haus vorbeigehen, aber gestern wieder einmal nur auf der anderen Straßenseite. Nachdem er mit Nachbarn über seine Beobachtungen gesprochen hat, ist er sich sicher: In der Amselstraße wird täglich nur noch jeweils eine Straßenseite von der Post beliefert. Am Donnerstag die geraden Hausnummern, am Freitag die ungeraden, am Sonnabend wieder die geraden.

Bernhard Bluhm hat sich beschwert. Nicht bei der Post („Da habe ich in Schleswig gar keinen Ansprechpartner gefunden.), sondern bei der Bundesnetzagentur. Diese Bonner Behörde ist zwar öffentlich in erster Linie dafür bekannt, dass sie die Telekommunikationsunternehmen beaufsichtigt, sie ist aber auch für die Post zuständig – und dafür, dass die Post sich an die „Postuniversaldienstleistungsverordnung“ hält, die vorschreibt, dass Briefsendungen an sechs Tagen in der Woche zugestellt werden.

Von der Regel gibt es Ausnahmen. Schon lange kommen die Postboten montags nicht mehr zu jedem Haus. Vor wenigen Wochen berichteten mehrere Medien von einem „Pilotprojekt“, in dem die Post in ausgewählten Zustellbezirken in ganz Deutschland testet, wie die Kunden reagieren, wenn die Post nur noch drei Mal in der Woche kommt. Gehört die Amselstraße etwa zu einem dieser Test-Bezirke? Die Post sagt: nein. Dass Bernhard Bluhm seine Briefe immer wieder mit einem Tag Verzögerung erhalten habe, sei vielmehr auf eine Kombination unglücklicher Umstände zurückzuführen. So seien im Wechsel mehrere Vertretungskräfte eingesetzt gewesen. Neben deren nicht so ausgeprägter Routine habe zudem „der Eingang unerwartet hoher Sendungsmengen“ dafür gesorgt, dass die Zustellung an mehreren Tagen vorzeitig abgebrochen werden musste.

Zufrieden ist Bluhm mit dieser Anwort nicht. Er fragt sich: „Wenn die jetzt schon zu viele Briefe haben, um alles verteilen zu können, was soll dann erst in der Weihnachtszeit passieren?“ Dass er sich an die Bundesnetzagentur wandte, hat jedenfalls bis jetzt nicht geholfen. Die Behörde gab seine Beschwerde direkt weiter an die Post AG. Von dort bekam er (am Donnerstag, als in der Amselstraße die geraden Hausnummern an der Reihe waren) einen Brief, in dem der Kundenservice sein Bedauern ausdrückte und ihm als Wiedergutmachung zehn Briefmarken zu jeweils 70 Cent mit in den Umschlag legte. Für dieses Geschenk hat Bernhard Bluhm nur ein müdes Lächeln übrig. „So viele Briefe schreibe ich in zehn Jahren nicht, dass ich die Marken brauchen würde“, sagt er. Er kommuniziert schon seit Jahren lieber per E-Mail als auf Papier. „Aber Rechnungen und andere wichtige Schreiben bekomme ich nun mal immer noch mit der Post“, sagt Bluhm. „Wenn das alles irgendwann auch auf elektronischen Verkehr umgestellt ist, dann kann ich auch auf den täglichen Besuch von der Post verzichten – aber das wird sicherlich noch einige Zeit dauern“.

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