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Hannes Frank in Taarstedt : Brauerei-Besitzer mit 21 Jahren

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der 21-Jährige Hannes Frank übernimmt die Taarstedter „Weltbrauerei“ – und freut sich auf die rein handwerkliche Arbeit.

Bier? Das gab es eher selten zu Hause bei Hannes Frank (21). Dass er nun trotzdem als Angeliter Bauernjunge seine Ausbildung zum Bierbrauer und Mälzer erfolgreich abgeschlossen hat, ist seiner ehemaligen Chemielehrerin an der Klaus-Harms-Schule in Kappeln zu verdanken. Für die nämlich hatte er als Schüler ein Referat über das Bierbrauen zu erarbeiten – eben darüber, was es auf sich hat mit den chemischen Prozessen, mit den vielen Enzymen, der Keimung, der Fermentation, der alkoholischen Gärung. „Da hat es mich gepackt“, erzählt Frank, „und ich sagte hinterher zu meinem Vater: Du, ich will Bierbrauer werden!“

Der Vater nickte, und nun ist er das tatsächlich auch geworden: ein „Bierbrauer aus Leidenschaft“, wie er über sich sagt, und seit neuestem sogar stolzer Inhaber der kleinen Brauerei in Taarstedt. Diese firmiert seit 2012 unter der nicht wenig anspruchsvollen Marke „Weltbrauerei“ und produziert original Angeliter Bier. Gegründet hatte die Brauerei Arne Eggert mit zwei Freunden – und zwar aus Liebe und Interesse am Bier, das sie in ihrer Freizeit herstellen wollten. Denn gelernte Bierhersteller, so wie Hannes Frank, sind sie nicht, hatten es aber dank der Qualität des Bieres doch geschafft, den Verkauf im Laufe der Jahre tüchtig anzukurbeln, so dass sie 2016 immerhin 20  000 Liter absetzen konnten. Zwischen Flensburg, Husum und Kiel ist die Taarstedter Brauerei die einzige auf dem Lande. „Gerade weil es bei uns boomte, konnten wir das nebenberuflich aber nicht mehr schaffen“, erklärt Dachdeckermeister Arne Eggert, und so habe man die Brauerei nun in fachkundige Hände abgegeben. Hannes Frank hat die Namensrechte für das Angeliter Bier, die Rezepturen sowie das Inventar gekauft und die Räumlichkeiten der Brauerei im alten Stall an der Hauptstraße 3 gepachtet.

Hannes Frank (21) mit seinem Angeliter Bier.

Hannes Frank (21) mit seinem Angeliter Bier.

Foto: fb
 

Am Sonnabend, 5. August, lädt er jedermann ab 15 Uhr ein zum „Übernahme-Fest“ und empfiehlt sich offiziell als Brauer mit einem für diesen Anlass gemachten Bockbier. „Das habe ich für dieses Fest selbst kreiert, insgesamt 250 Liter“, sagt er. Davon werden 50 Liter als Freibier ausgeschenkt. Und als festes Nahrungsangebot gibt es dazu frische Fischbrötchen und Burgunderschinken-Semmeln.

Das Gebräu ist schon angesetzt und gärt vor sich hin in den Fässern im Lagerkeller. Regelmäßig kontrolliert er die Reifung.

Als Hannes Frank vor gut drei Jahren beschloss, eine solide Ausbildung als Brauer und Mälzer zu machen, bewarb er sich in ganz Deutschland und erhielt eine Zusage aus der Bier-Hochburg – von der Diebels-Brauerei am Niederrhein. Die produziert unter anderen Beck’s Bier. „In meiner Berufsschulklasse in Dortmund war ich dann der einzige Angeliter“, sagt er und lacht. Sogar der einzige Vertreter aus Norddeutschland.

Wenn er während seiner Lehre nach Hause kam, habe er oftmals Altbier mit im Gepäck gehabt. „Inzwischen trinkt nämlich mein Vater das auch ganz gern“, schmunzelt er und erzählt, dass er von ihm sehr unterstützt werde in seinem beruflichen Werdegang. „Mein Vater macht in der Kappelner Gegend schon ordentlich Werbung für mich und mein Bier“, sagt er.

Während er in der großen Brauerei am Niederrhein in der Regel vom PC aus digital die Entstehungsprozesse der Biere steuerte, freut er sich nun auf die reine handwerkliche Arbeit. „In der Brauer-Klasse haben wir noch das richtige Bierbrauen gelernt“, berichtet er, in allen großen Brauereien werde es mittlerweile industriell hergestellt.

Wie beim Selbstkochen oder Backen hat jedes von Hand gefertigtes Bier seine persönliche Note. Dabei bedarf es vieler kleiner Schritte, um gutes Bier zu produzieren. „Aber gerade dieses individuelle Geschmackserlebnis finden viele Biertrinker spannend“, meint er und sieht deshalb auch eine gute Zukunft für sein Handwerk.

Ein neues Bier-Rezept für die nächsten Monate hat Hannes Frank schon im Hinterkopf. „Es wird schön süffig“, sagt er. Mehr will er jedoch nicht verraten: „Es soll eine Überraschung werden“.

Kein Geheimnis ist, dass Hannes Frank bald in die Wohnung neben der Brauerei einziehen wird. Wem also, meint er, auch nach Feierabend ein fast unstillbares Verlangen nach Bier überkommen sollte – „einfach bei mir an der Tür klingeln“.

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erstellt am 19.Jul.2017 | 17:30 Uhr

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