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Sieben Brände in Mehrfamilienhäusern : Brandserie in Schleswig: Frust als Motiv?

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Bis zum späten Mittwochabend meldete die Polizei sieben Feuer in der Stadt. Ein mutmaßlicher Täter wurde gefasst. Die Staatsanwaltschaft geht in einem Fall von versuchtem Mord aus.

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erstellt am 13.Aug.2014 | 15:06 Uhr

Schleswig | Sieben Brände hielten die Schleswiger Feuerwehr am Mittwoch in Atem – zunächst in einem Haus in der Plessenstraße, im Stadtweg, in der Michaelisstraße, in der Bellmannstraße, in der Faulstraße am Polierteich und in der Langen Straße. Anschließend bestand Hoffnung, dass die Serie zu einem Ende gekommen ist. Doch dann kam es gegen 22 Uhr erneut zu einem Feuer. Diesmal in der Straße Am Brautsee. Am späten Abend war von Seiten der Polizei von einem achten Brand in der Husumer Straße die Rede – hierbei handelt es sich jedoch um einen Fehlalarm.

Der mutmaßliche Brandstifter konnte noch am Mittwochabend gefasst werden. Im Rahmen einer groß angelegten Fahndung in Schleswig wurde nach Zeugenhinweisen gegen 22 Uhr ein 36-jähriger polizeibekannter Tatverdächtiger festgenommen. In der anschließenden Vernehmung legte der Mann ein umfangreiches Geständnis ab. Noch am Donnerstag soll er einem Haftrichter vorgeführt werden.

Als mögliches Motiv habe sich bei der Befragung des Mannes „Stress im persönlichen Bereich“ ergeben, der zu Frust und Resignation geführt habe, sagte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt. „Die Brandorte hatten damit aber überhaupt nichts zu tun.“ Der Verdächtige habe die Orte willkürlich ausgesucht. Er habe sich in letzter Zeit in Schleswig aufgehalten, zuvor aber im südlichen Teil Schleswig-Holsteins gelebt.

Im ihrem Haftbefehls-Antrag geht die Staatsanwaltschaft von besonders schwerer Brandstiftung und in einem Fall von versuchtem Mord aus. Der Tatverdächtige habe gesehen, dass sich in einem der Häuser Menschen befanden, und dennoch den Brand gelegt, sagte Stahlmann-Liebelt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm daher Gemeingefährlichkeit vor.

Der erste Alarm kam am frühen Mittwochnachmittag aus einem Mehrfamilienhaus in der Plessenstraße – nicht weit weg vom ZOB. Dort war das Feuer offenbar im Keller ausgebrochen. Mehrere Bewohner konnten das Gebäude nur noch über die Drehleiter der Feuerwehr verlassen. Drei von ihnen mussten mit leichten Rauchvergiftungen ins Krankenhaus. Nach ersten Informationen zog daraufhin dunkler Rauch durch das gesamte Treppenhaus. Von der Straße aus sah man Qualm aus der Eingangstür und aus mehreren Fenstern bis hin zum Dachgeschoss aufsteigen. Der Brandgeruch war bis hin zum zentralen Capitolplatz wahrzunehmen. Mehr als 200 Passanten beobachteten die Rettungsarbeiten. Dabei hielten sie sich fast alle auf der gegenüber liegenden Straßenseite auf, so dass sie Feuerwehr und Sanitäter nicht behinderten.

Die Löscharbeiten waren noch nicht beendet, da wurden die Rettungskräfte zum nächsten Einsatz gerufen. Die Feuerwehrfahrzeuge rasten quer durch die Fußgängerzone ans westliche Ende des Stadtwegs. Dort stiegen dicke schwarze Rauchwolken aus dem Gebäude einer Spielhalle.

Dann folgte der dritte Einsatz in der Michaelisstraße. Auch dort stieg dunkler Rauch aus den Fenstern eines Mehrfamilienhauses. Der Bewohner einer Dachgeschosswohnung war durch den Rauchmelder im Treppenhaus auf das Feuer aufmerksam geworden. Er konnte sich wie drei weitere Bewohner, darunter eine junge Mutter mit ihrem Säugling, in Sicherheit bringen. Um den Brand zeitgleich mit den weiteren Feuern in der Stadt bekämpfen zu können, hatte Einsatzleiter Jörg Lange die Feuerwehr Busdorf nachgeordert. Unter Atemschutz drangen die Helfer in dem vollkommen verqualmten Altbau vor und konnten als Brandherd schließlich einen Kellerraum identifizieren. Ein Feuerwehrmann klagte über Schmerzen in der Brust und musste ebenso wie die junge Mutter im Rettungswagen behandelt werden.

Der vierte Brand brach gegen 17 Uhr im Keller eines Mehrfamilienhauses in der Bellmannstraße aus, der fünfte eine knappe Stunde später in der Faulstraße in der Nähe vom Polierteich. Auch hier lag der Brandherd offenbar im Keller des Hauses. In der Langen Straße kam es gegen 18.15 Uhr zum nächsten Feuer. Der siebte Brand folgte in den späten Abendstunden.

Mehrere Menschen waren bei den Bränden leicht verletzt worden. Inzwischen haben nach Angaben eines Polizeisprechers alle Verletzten das Krankenhaus wieder verlassen können.

Schleswigs Bürgermeister Arthur Christiansen lobte nach der Brandserie die „sehr, sehr gute Zusammenarbeit“ mit Feuerwehren und Polizei. Die Arbeit sei auch psychisch sehr anstrengend für die Rettungskräfte. Die Bevölkerung war Christiansen zufolge nach Bekanntwerden der Brandstiftungen „natürlich sehr beunruhigt, wenn so ein Verrückter durch die Gegend läuft“.

Zeugen und Hinweisgeber, die etwas zur Brandursache sagen können, melden sich bei der Kriminalpolizei in Schleswig unter 04621/84-402.

mit dpa

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