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Nach Feuer in Fahrdorf : Brandruine erhitzt die Gemüter

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Vor zehn Monaten brannte ein Mehrfamilienhaus in Fahrdorf bei Schleswig. Die Ruine steht noch immer unberührt im Wohngebiet. Anwohner sind genervt - erste Nachbarn ziehen aus.

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2013 | 12:09 Uhr

Fahrdorf | Zerstörte Fenster, offene Türen und zertrümmerter Hausrat prägen das Straßenbild im Fahrdorfer "Alt Bremland". Hinzu kommt ein unangenehmer Brandgeruch: Rund zehn Monate, nachdem im September vergangenen Jahres ein Großbrand das Mehrfamilienhaus komplett zerstörte und drei Mietparteien auf Schlag obdachlos wurden, ragt die Brandruine des zweistöckigen Hauses noch immer abbruchreif hinter dem Bauzaun empor - zum Ärger der gesamten Nachbarschaft.
Mittlerweile wurde das rund 470 Quadratmeter große Grundstück im Auftrag der Eigentümer-Gemeinschaft von einem Sachverständigen bewertet und steht nun mit Unterstützung eines Maklers zum Verkauf. Die Eigentümer aus Schleswig, die namentlich nicht genannt werden möchten, versicherten auf Nachfrage der Schleswiger Nachrichten, dass man derzeit in "vertraulichen Verhandlungen" stehe. Man sei zuversichtlich, in Kürze die Abwicklung des Verkaufs mit Abriss des Gebäudes und anschließender Neubebauung voranbringen zu können. Nach dem komplizierten Prozedere der Versicherungsangelegenheiten habe der lange Winter den Eigentümern jedoch bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber, so betonen sie: "In den nächsten drei bis vier Wochen wird dort etwas passieren."

Nachbarn genervt


In der Nachbarschaft der Ruine bestehen hingegen Zweifel daran. Denn dort wächst der Unmut von Woche zu Woche immer stärker an - die unansehnliche Brandruine erhitzt die Gemüter. "Wir hoffen, dass hier endlich etwas passiert. Bei Regen riecht es besonders stark. Und dass man da nicht drauf gucken mag, ist ja wohl klar. Wir sind die Leidtragenden", sagt Henrik Friedrichsen, der neben der Ruine wohnt. Auch die Nachbarin von Gegenüber, Brigitte Schlüssel-Asmuss, beklagt den erbärmlichen Zustand des Hauses: "Wir Anwohner sind genervt."
Mehr noch ist Günter Fleskes, Eigentümer des nördlich gelegenen Nachbargebäudes, betroffen: Die Wohnräume seines Landhauses wurden während der aufwändigen Löscharbeiten im September, an denen rund 100 Brandschützer beteiligt waren, einer großen Menge Löschwasser und Rauch ausgesetzt. Unter anderem wurde das Dach seines vermieteten Gebäudes, das direkt an das Brandhaus grenzt, dabei zu Teilen zerstört. Zwar sind die Instandsetzungs- und Renovierungsarbeiten in den Wohnräumen mittlerweile fertig worden, die größten Schäden also soweit behoben. Allerdings durchquert ein installiertes Absperrgitter seit zehn Monaten einen Teil seines Grundstücks und verwehrt Fleskes und seinen Mietern den Zutritt zu Teilen des Gartens sowie zu einem Nebeneingang. Zudem können die Mieter den sommerlichen Terrassenplatz nicht nutzen, da er hinter dem Bauzaun liegt - mit unmittelbarem Blick auf das zerborstene Dach der Brandruine - Brandgeruch inklusive.
Dieser Zustand hatte nun auch noch die Kündigung einer Mietpartei zur Folge. "Im Moment läuft hier alles zu meinen Lasten. Ich habe einen wirtschaftlichen Schaden, niemand sonst. Unter diesen Gesichtspunkten bekomme ich keine neuen Mieter", sagt Fleskes. Den ganzen Winter habe er still gehalten und gehofft, dass die Angelegenheit im Laufe des Frühjahrs geregelt wird. "Warum kommt das nicht in Gang?", fragt er sich. Er selbst habe den Eigentümern ein Angebot zum Erwerb des Grundstückes unterbreitet, den Wunsch geäußert, an dieser Stelle einen Apfelgarten entstehen zu lassen. "Den Wunsch habe ich nach wie vor. Das Angebot besteht, wie von Anfang an", sagt Fleskes. Der gebürtige Fahrdorfer hofft nun weiter auf ein Entgegenkommen der Brandruinen-Besitzer - und auf eine Antwort auf sein Angebot.
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