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Helios-Klinik Schleswig : Bosse räumen Defizite ein

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Geschäftsführer Näthke will die Situation auf der Intensivstation verbessern – und erhält dabei Rückendeckung von seinem Vorgesetzten.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2016 | 07:43 Uhr

Den Kurs gibt Franzel Simon gleich zu Beginn seines Besuchs in der SN-Redaktion vor: „Die Arbeit von Herrn Näthke ist hervorragend“, sagt der neue Geschäftsführer der Helios-Region Nord. Der 49-Jährige weiß, dass der Schleswiger Krankenhaus-Chef John Friedrich Näthke massiv in der Kritik steht. Die Helios-Häuser in Schleswig und Cuxhaven, wo ähnliche Vorwürfe erhoben werden, bezeichnet Simon als seine derzeit größte Herausforderung. Aber die von Ärzten, Pflegern und Patienten geäußerte Kritik könne er „nicht ganz verstehen“, betont Simon. Von seinem Büro in Schwerin aus trägt er die Verantwortung für rund 7500 Mitarbeiter in elf Helios-Krankenhäusern in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und dem nördlichen Niedersachsen.

Die Schleswiger Klinik gehört zu den Häusern, die nach einer Umstrukturierung innerhalb des Konzerns seit Anfang des Monats in Simons Zuständigkeitsbereich gewechselt sind. Nun wolle er herausfinden, was die Gründe dafür sind, dass das Krankenhaus in der Öffentlichkeit so schlecht dasteht, sagt er. Eines sei für ihn dabei klar: An der medizinischen Qualität könne es nicht liegen. „Alle unsere Indikatoren zeigen, dass wir gute Arbeit machen“, betonte er. Dabei bezog er sich insbesondere auf die „Mortalitätsrate“, also den Anteil der Patienten, die im Krankenhaus sterben. Hier schneide Schleswig überdurchschnittlich gut ab. Mit derzeit 107,5 Arztstellen sei das Krankenhaus zudem im Konzernvergleich relativ gut ausgestattet.

In einem zentralen Kritikpunkt will Helios jetzt dennoch nachsteuern. Es geht um die Intensivstation. Ärzte hatten gegenüber den SN beklagt, Patienten würden gefährdet, weil im Nachtdienst statt zwei Ärzten nur noch einer auf der Intensivstation ist. Mit dem Umzug ins neue Krankenhaus-Gebäude soll sich diese Situation nun ändern. „Wir nehmen es ernst, wenn Ärzte uns sagen, dass sie sich unwohl fühlen“, sagt Näthke. Deshalb werde ab Juli nachts ein zusätzlicher Arzt – in der Regel aus der Inneren Medizin – anwesend sein. Im gesamten Krankenhaus würden dann nachts und an den Wochenenden acht statt bisher sieben Ärzte Dienst schieben.

Kaum hatte Näthke das angekündigt, betonte Simon, dass die Personalausstattung „schon bisher völlig ausreichend“ gewesen sei. Ohnehin sei ihm keine Statistik bekannt, die einen Zusammenhang zwischen der Personalausstattung und der medizinischen Qualität belege.

„Niemand bestreitet, dass wir Arbeitsverdichtung haben“, sagt Näthke. „Aber das betrifft alle Krankenhäuser, ob es nun in Kiel, Flensburg oder Schleswig ist.“ Dies gelte für die Ärzte ebenso wie für die Pflegekräfte. „Wir haben im Bereich der Pflege eine Besetzung, die nicht üppig ist“, so Näthke. Aktuell seien sechs Pflegestellen unbesetzt. Aktuell habe das Krankenhaus 183 Vollzeitkräfte im Pflegesektor angestellt. Näthke wiederholt zugleich, was er auch in der Vergangenheit betont hat: „Die Tätigkeit hat sich gewandelt. Die Mitarbeiter können nicht mehr in dem Maße Zeit für die Patienten aufbringen, wie das früher möglich war.“

Besser werden, das macht sein Chef aus Schwerin deutlich, müsse das Schleswiger Krankenhaus in erster Linie im Bereich der Kommunikation – und zwar sowohl nach innen als auch nach außen. Das räumt Näthke offen ein. So habe man bereits begonnen, den Dialog mit den niedergelassenen Ärzten in der Region zu intensivieren. Ein wichtiger Schlüssel, auch um den Ruf des Hauses aufzupolieren, denn dieser hat in den vergangenen Wochen spürbar gelitten. „Was uns Sorgen macht, ist die Verunsicherung der Patienten“, sagt Näthke. „Die haben eine enorme Angst, weil sie denken, wir hätten keine Ärzte mehr.“ Konkrete Zahlen dazu, ob weniger Patienten als bisher den Weg in die Schleswiger Helios-Klinik finden, nennt er nicht. Auch auf die Suche nach Personal habe sich die Diskussion um das Krankenhaus negativ ausgewirkt.

Die Stimmung unter den Mitarbeitern, sagt Näthke, sei „nicht so, dass ich sagen würde: Um Gottes Willen“. Das Verhältnis zum Betriebsrat bezeichnet er als „angespannt“. Er sei aber zuversichtlich, dass es gelingen werde, Vertrauen wieder aufzubauen. Klinikleitung und Betriebsrat waren sich im Streit um Dienstpläne zuletzt mehrfach vor dem Arbeitsgericht begegnet.

In acht Wochen, am 16. Juli, wird das komplette Krankenhaus im laufenden Betrieb von der Lutherstraße umziehen in den Neubau an der St. Jürgener Straße. „Das ist eine Herausforderung, aber auch eine große Chance für uns“, meint Simon.

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