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Schleswiger Nachrichten

20. November 2017 | 13:02 Uhr

Wikingermuseum : Bootsbau wie vor 1000 Jahren

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Handwerker arbeiten ohne moderne Hilfsmittel: In Haithabu entsteht bis zum Herbst vor den Augen der Museumsbesucher ein neues Wikingerschiff.

von
erstellt am 05.Apr.2014 | 18:00 Uhr

Ein Weichei, so viel steht fest, ist Kai Zausch ganz gewiss nicht. Denn ansonsten hätte der Mecklenburger nach nun vier Nächten in einem der zugigen Wikingerhäuser von Haithabu – bei drei Grad Außentemperatur und eisigem Ostwind – längst die Flucht ergriffen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Zausch will bleiben, bis Oktober und egal bei welchem Wetter. Bis dahin will der 45-Jährige etwas machen, was es seit Jahrhunderten am Ufer des Haddebyer Noors nicht mehr gegeben hat: Er will ein Schiff bauen. Ein Wikingerschiff, auf Wikingerart: ganz ohne Zollstock, Stichsäge und Wasserwaage. „So wie es die Bootsbauer im Mittelalter gemacht haben. Ich will richtig nachspüren, was es damals bedeutet hat, hier ein Schiff zu bauen – vom Anfang bis zum Ende.“

Dieses Bootsbau-Projekt gehört zu den Highlights des neuen Haithabu-Jahresprogrammes, das Museumsleiterin Ute Drews gestern in den Wikingerhäusern, die seit dem 1. April wieder für das Publikum geöffnet sind, präsentiert hat. „Es ist immer ein tolles Gefühl, wenn hier wieder Leben einzieht“, sagte Drews. Denn nirgendwo sonst könne man so gut – im Maßstab 1:1 – erleben, wie sich das Leben der Wikinger vor 1000 Jahren angefühlt haben mag. Dass die Besucher nun auch direkt zusehen könnten, wie ein Schiff gebaut wird, mache das Museumserlebnis noch spektakulärer.

Tatsächlich wartet auf Kai Zausch in den nächsten Monaten eine Menge Arbeit. Denn der Plan, den am Ende mehr als neun Meter langen und zwei Meter breiten Handelsschiff-Nachbau im Oktober zu Wasser zu lassen, sei zeitlich eine echte Herausforderung. Nur alle zwei Wochen wird der professionelle Boots- und Flugzeugbauer deshalb übers Wochenende zu seiner Familie nach Mecklenburg-Vorpommern reisen. Ansonsten wird geschuftet. Hilfe bekommt Zausch, der vor zwei Jahren eine der treibenden Kräfte beim Rahsegler-Treffen „Kurs Haithabu“ war, dabei nur von einem Zimmermann und einem Wandergesellen, die jeweils drei Monate vor Ort sein werden. „Das wird eine spannende Zeit, auf die ich mich sehr freue“, ist er sich sicher.

Das gilt auch für Museumsleiterin Drews, die sich zudem über eine breite Front von Unterstützern für das Projekt freut. Denn nur dank der gemeinsamen finanziellen Unterstützung der Aktivregion Schlei-Ostsee, der Nospa, dem Amt sowie des Wirtschaftskreises Haddeby und des Rotary-Clubs Schleswig-Gottorf kamen am Ende die benötigten 80 000 Euro zusammen. „Unsere Besucher erwarten nicht nur billige Unterhaltung, sondern immer auch ein anspruchsvolles Museumserlebnis. Das ist uns hiermit gelungen“, sagte Drews und fügte selbstbewusst an: „Ich gehe fest davon aus, dass das Programm auch unabhängig vom Bootsbau so spannend und abwechslungsreich ist, dass viele Besucher in diesem Jahr mehrfach nach Haithabu kommen werden.“

 

 

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