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Nach 22 Jahren : Böses Spiel mit alter Hertie-Kundenkarte

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Rentner Kurt Nelius wurde plötzlich Geld von einer ihm unbekannten Bank abgebucht.

Schon wieder ein Brief von der Targo-Bank, da riss Kurt Nelius (74) der Geduldsfaden. Sofort schrieb er an das Duisburger Geldinstitut zurück: „Nun reicht es mir! Wie oft und wie lange wollen Sie mich eigentlich noch belästigen?“ Nicht einen Cent werde er zahlen, erklärt er verärgert in diesem Brief am 11. Mai. Denn: „Ich bin Ihnen nichts schuldig.“

Eine klare Botschaft. Doch bei der Targo-Bank kam sie offensichtlich nicht so klar an, wie Nelius gedacht hatte. Ein langer Schriftverkehr mit viel Hin und Her und sogar Mahnungen sollte folgen in den nächsten Wochen. Und warum das Ganze? Weil Kurt Nelius 1995, also vor 22 Jahren, beim Kaufhaus Hertie in Kiel ein Antragsformular für eine „Goldene Kunden-Karte“, wie das damals hieß, unterschrieben hatte. Nur: „Hertie gibt es doch schon lange nicht mehr“, sagt er, „und an eine Kundenkarte kann ich mich nicht erinnern, weil Hertie bald pleite ging.“

Vor diesem Hintergrund habe er daher das allererste Schreiben von der Targo-Bank überhaupt nicht ernst genommen. Jenes Schreiben, das Anfang März kam und eine Geldforderung über 19,90 Euro enthielt. Wegen anfallender Gebühren, hieß es. Die Begründung der Bank dazu lautete: „Ab März 2017 führen wir ein jährliches Bereitstellungsentgelt von 19,90 Euro für Ihre Targobank-Mastercard ein.“

Welche Mastercard? Welche Targobank? Welches Entgelt? Kurt Nelius verstand nicht. Tatsächlich ist die ganze Geschichte denkbar kurios. Bei Nelius taucht eine Rechnung aus dem Nichts auf, die ihm dann sogar bald per Lastschrift von der Targo-Bank von seinem Konto abgezogen wird. Da hört für ihn der Spaß auf. Er eilt zu seiner Schleswiger Hausbank, um den Lastschrifteinzug wieder rückgängig zu machen.

Nach diesem Akt der Befreiung folgt wenig später quasi die Retourkutsche: Er erhält eine Mahnung von der Targo-Bank. Wörtlich schreibt sie dazu: „Unsere Lastschrift von 19,90 Euro wurde mangels Deckung nicht eingelöst. Wie in unseren Vertragsbedingungen mit Ihnen vereinbart, werden wir erneut eine Lastschrift vornehmen. Bis dahin dürfen Sie Ihre Targobank-Kreditkarte nicht verwenden.“ Erst wenn 19,90 Euro eingezogen seien, könne man seine Kreditkarte wieder entsperren, erläutert der Bank-Unterzeichner aus der Abteilung „Beschwerde- und Kundenbeziehungsmangement“ und wünscht „noch einen schönen Tag“.

Kurt Nelius schüttelt den Kopf, während er den SN davon berichtet. „Im Ton blieben die in all ihren Briefen immer höflich, trotzdem ist das alles natürlich nur frech. Eben der Versuch einer reinen Abzocke.“ Denn weder wolle er eine Kreditkarte noch sonst irgendwas von der ihm völlig unbekannten Bank. Auch als diese ihm noch eine Kopie von seinem Antragsformular für eine Hertie-Kundenkarte aus dem Jahre 1995 zustellt, das er damals unterschrieben und in dem er seine einstige Bankverbindung von der „Sparkasse Schleswig-Flensburg“ angegeben hatte, ändert das aus seiner Sicht nichts an dem Skandal, dass eine fremde Bank nach 22 Jahren Geld einfordert.

Nelius schaltet schließlich die Verbraucherberatung in Flensburg ein. Erst als er das der Targo-Bank in einer Art Wut-Brief mitteilt, erhält er am Tag darauf eine Reaktion: „Schade, dass Sie Ihre Kreditkarte nicht mehr nutzen möchten. Wie gewünscht, haben wir Ihr Kreditkartenkonto geschlossen“, heißt es nun plötzlich.

Auf SN-Nachfrage bei der Targo-Bank, wie sie ihr Vorgehen rechtfertige, teilt uns deren Pressesprecherin mit: „Wir haben 2014 das Privatkundengeschäft der KarstadtQuelle Bank/Valovis Bank übernommen. Als deren Rechtsnachfolger gingen auch alle Kreditkartenverträge inklusive der zugehörigen Einzugsermächtigungen und Lastschriftmandate an uns über.“ Und weiter: „Alle Kunden, die zu diesem Zeitpunkt eine Kreditkarte von der Valovis-Bank besaßen, haben wir darüber schriftlich informiert, dass in Kürze die Geschäftsbedingungen der Targo-Bank gelten und ihnen die Möglichkeit zum Widerspruch eingeräumt.“ So war das also: Jahrzehntelang schlummern alte Hertie-Kundendatensätze auf Computerfestplatten, diese Daten werden dann irgendwann verkauft und reaktiviert.

Doch einer hat bei diesem bösen Spiel den Geschäftemachern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Und das war der Rentner Kurt Nelius aus Schleswig.

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erstellt am 19.Mai.2017 | 14:55 Uhr

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