Gothic-Fotokunst aus Fahrdorf : „Blut brauche ich für meine Bilder nicht“

Was denkt und fühlt sie wohl? Miriam Gosch – „eine interessante Person“ – hatte Mathias Bannick schon oft vor der Linse.
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Was denkt und fühlt sie wohl? Miriam Gosch – „eine interessante Person“ – hatte Mathias Bannick schon oft vor der Linse.

Der Gothic-Fotograf Mathias Bannick aus Fahrdorf bei Schleswig wurde mehrfach für seine ungewöhnlichen Bilder ausgezeichnet. Ein Szene-Mensch mit dem Auge für das Bizarre.

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01. März 2014, 07:45 Uhr

Fahrdorf | Manch einem mögen sie zu düster, ein wenig unheimlich sein, zu extravagant. Andere sind genau deshalb Liebhaber seiner Werke. Bilder, die anders sind als solche, die man sonst von Fotoclub-Mitgliedern kennt. Mathias Bannick bewegt sich in einer Szene, die vielen unbekannt, aber weder grausam noch masochistisch ist. Und genau das zeigen seine Werke. Der Hobby-Fotograf hat sich auf Porträtaufnahmen spezialisiert, bewegt sich am liebsten in der Gothic-Szene.

Der 44-Jährige hat ein Auge für das Außergewöhnliche. Auch „Lemmy“ hat er schon vor der Linse gehabt, den üppig tätowierten Schleswiger Andreas Wiese, ein guter Bekannter von ihm. Dieses Bild schaffte es gerade in den Katalog der 19. Deutschen Fotoschau, in dem die 100 besten Bilder des Jahres 2012 abgedruckt sind. Auch Miriam Gosch (24) aus Itzehoe fotografiert er gern. Ob auf der schwarzen Ledercouch, mit Lackanzug und mächtigen Stiefeln, liegend in ein weißes Laken gehüllt oder hinter einem Maschendraht-Zaun: Der Blick der kahlköpfigen Frau ist nahezu unbeschreiblich, was sie fühlt schwer zu ergründen.

Mathias Bannick lebt nicht etwa in Berlin und streift dort durchs Milieu. Er lebt seit vielen Jahren in Fahrdorf, hat vor acht Jahren das Fotografieren für sich entdeckt. Seit sieben Jahren ist er im Fotoclub Schleswig. „Dort wurde jemand gesucht, der die Porträtgruppe betreut. Ich mache das bis heute gern, und seitdem sind auch 90 Prozent meiner Arbeiten Porträtaufnahmen.“ Zwar gebe es von ihm auch andere Porträts, „aber Gothic ist eben meine Leidenschaft“. Auch in Schleswig gibt es eine kleine Gothic-Welt, und diese kennt der gebürtige Schleswiger sehr gut. Nein, er schminkt sich nicht das Gesicht bleich, trägt nicht Lack und Leder, was sowieso nicht alle Gothic-Fans tun. Er kleidet sich ganz normal, vielleicht ein wenig rockig. „Das ist meine Gesinnung und ich mag die Musik sehr, aber voll gelebt habe ich das nicht lange.“ Die Szene sei auch längst nicht mehr so verrucht. „Schreckensberichte und Klischees lösen sich mehr und mehr auf“, sagt er, und erklärt: „Blut brauche ich für meine Bilder nicht, und auch nackt müssen die Modelle nicht sein.“ Er schließt es zwar nicht vollkommen aus, „aber nur um ekelhaft zu sein und zu schockieren, würde ich das nie machen“. Er betrachtet die Gothic-Welt als Kulturszene, „als eine Kunst, weil es nicht um etwas Politisches geht“. Was ihn an Porträts reizt ist es, ihre Wirkung auf andere mitzubestimmen. „Ich kann die Bilder im Kopf planen und kreativ lenken, muss mich fragen: Wie mache ich von Menschen Porträts, die auch fremde Leute interessant finden. Wenn ich das schaffe, geben sie viel her.“

Man muss sich jedoch nicht wundern, wenn man Bannick auch mal durch die Natur streifen sieht, denn er hat auch ein Faible für Landschaftsaufnahmen. Als er 2006 mit dem Fotografieren anfing, beschäftigte er sich fast ausschließlich damit. Und zwischen Flora und Fauna lässt er sich heute noch für seine Gothic-Porträts inspirieren. Landschaftsfotos seien aber etwas ganz anderes: „Bei Porträts muss man mit dem Modell kommunizieren, das ist richtig Arbeit. Für Landschaftsfotos schnappe ich mir einfach meinen Rucksack und marschiere los.“

Obwohl er schon einige Fotowettbewerbe gewonnen oder einen der vorderen Plätze belegt hat, bleibt Bannick bescheiden. Im Katalog der Deutschen Fotoschau ist bereits zum dritten Mal in Folge eines seiner Bilder vertreten, bei der Norddeutschen Fotomeisterschaft 2010 wurde er in der Gesamtwertung Zweiter und beim NDR-Fotowettbewerb kam er schon unter die 15 Besten, mit Landschaftsfotos. Solche Preise seien schon ein kleiner Ritterschlag, sagt er, aber es ist nicht das, was für ihn zählt. Er fotografiert aus Leidenschaft, gibt für sein Hobby, für das er sich eine Profi-Ausrüstung angeschafft hat, einiges an Geld aus. Welches verdienen will er damit aber nicht, Auftragsarbeiten seien gar nicht sein Ding. Er hat eine Bäckerlehre gemacht und arbeitete fast 17 Jahre als Bäcker, jetzt ist er bei Böklunder im Schichtdienst, „das Fotografieren ist ein guter Ausgleich zur Fabrikarbeit“.

Oben in seinem Haus in Fahrdorf, in dem er allein lebt, hat Bannick ein kleines Fotostudio eingerichtet, aber er sucht oft Locations in ganz Schleswig-Holstein auf. Er macht übrigens kein Geheimnis daraus, dass Fotos und Computer für ihn zusammengehören: „Ich bin eingestiegen, als die Digitalfotografie aufkam. Für mich ist der PC ein wichtiger Bestandteil. Analogfotografie hat mich nie interessiert.“ Was er auch nicht verschweigt: „In einer Großstadt will ich nicht leben. Ich bin ein Landei, liebe die Landschaft hier. Hier hab ich meine Ruhe.“

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