zur Navigation springen

Schleswig-Flensburg : Blitzen im Auftrag des Kreises

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Seit zwei Monaten stehen Radar-Fallen rund um Schleswig häufiger an Orten, an denen Autofahrer nicht damit rechnen.

von
erstellt am 06.Dez.2016 | 17:51 Uhr

Hartmut Callsen sitzt auf dem Beifahrersitz seines Dienstwagens und schaut auf einen Monitor. Kurz bevor draußen ein Auto vorbeifährt, ertönt ein leiser Signalton. Der Laser, der gut versteckt auf der anderen Straßenseite aufgebaut ist, hatte das Fahrzeug frühzeitig erfasst und angekündigt. Ist der Fahrer zu schnell unterwegs, weiß Callsen das sofort. Auf dem Monitor erscheinen neben dem Foto des Fahrzeugs und der gemessenen Geschwindigkeit bereits alle weiteren Daten, die notwendig sind, um einen Temposünder zu überführen. Hartmut Callsen ist einer von zwei Mitarbeitern, die der Kreis eingestellt hat, nachdem die Politik im Sommer beschlossen hatte, aktiv in die Verkehrsüberwachung einzusteigen. Inzwischen sind zwei Monate vergangen. Und obwohl das Equipment noch nicht vollständig ist, fällt eine erste Bilanz der zuständigen Bußgeldstelle positiv aus.

Deren Leiter Malte Asmussen hebt den präventiven Ansatz hervor und freut sich darüber, dass in den sozialen Netzwerken bereits eine Verunsicherung zu spüren ist. „Die Leute merken, dass es nicht mehr nur die altbekannten Stellen der Polizei sind, an denen geblitzt wird“, sagt er. Das Gefühl „die könnten überall stehen“ ist genau das, was der Kreis erreichen wolle – mehr Obacht, mehr Disziplin, mehr Sicherheit. Und natürlich auch Geld in der Kreiskasse. Aber das, so versichert Asmussen, stehe keinesfalls im Vordergrund.

Eine statistische Auswertung der Einsätze zählt bereits mehrere Tausend Beanstandungen auf. Bei den meisten handelt es sich um leichte Geschwindigkeitsverstöße, aber auch eine ganze Reihe von Fahrern gingen Callsen und seinem Kollegen bereits ins Netz, die ihre Raserei den Führerschein kosten kann. 150  000 Euro sollte die Blitzer-Einheit in diesem Jahr eigentlich einspielen, so hatten die Experten im Kreishaus zunächst kalkuliert, doch weil sich das Projekt verzögerte, wird diese Summe wohl nicht erreicht. Im kommenden Jahr peilt die Busgeldstelle 300  000 Euro Einnahmen ein, vorausgesetzt die Mitarbeiter fallen ebenso wenig aus wie das einzige Gerät, das bisher angeschafft wurde.

Bei dem digitalen Laser-Gerät (Leivtech XV3)handelt es sich um ein deutlich kleineres als jenes, das die Polizei im Kreis verwendet. „Ein gutes Einsteigermodell“, sagt Asmussen. Es sei nicht nur an fast allen Straßen unkompliziert einsetzbar, sondern auch schnell auf- und wieder abgebaut. Insofern sieht Asmussen darin eine sinnvolle Ergänzung zu den Polizei-Blitzern. Das zumal er sich mit der Schleswiger Dienststelle eng abstimmt, damit der Videowagen und der mobile Blitzer der Polizei sowie das Gerät des Kreises zeitlich und räumlich abgestimmt die größtmögliche Abdeckung des Verkehrsgeschehens im Kreis erzielen können. Dabei setzt Asmussen durchaus eigene Prioritäten. „An Schulen und Kindergärten macht die Abschreckung am meisten Sinn“, sagt er, auch wenn es dort aus finanzieller Sicht nicht unbedingt um die Premium-Messstellen handelt.

Auch auf konkrete Beschwerden reagiert der Kreis mit seiner mobilen Einheit. So war es beispielsweise im Raum Steinberg zu Beschwerden gekommen, als die B199 bei Gut Oestergaard wegen eines Brückenneubaus über die Lippingau gesperrt war und zahlreiche Autofahrer auf Umleitungsstrecken rasten, obwohl nur 40 km/h erlaubt waren. Der Blitzereinsatz wiederum ärgerte Autofahrer, die sich bei Amtsvorsteher Thomas Johannsen über „Abzocke“ beklagten. Was sie nicht wussten: Die betroffene Kreisstraße ist nicht nur marode, es ist mitten in der Brunftzeit auch zu vielen Wildunfällen gekommen. Deshalb wurde der Blitzer dort in Absprache mit dem Jagdrevier-Leiter aufgestellt. Malte Asmussen:„Das erschließt sich manchem Autofahrer natürlich nicht. Aber wir machen das nur, wenn wir wirklich einen triftigen Grund dafür sehen.“ 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen