Schäden in vielen Häusern der Region : Blackout nach Gewitter: Nichts geht mehr in Mohrkirch

Ein schwarzer Bildschirm: Der Blitz am Mittwoch hat im Haus von Peter Hamisch einige Schäden angerichtet.
Ein schwarzer Bildschirm: Der Blitz am Mittwoch hat im Haus von Peter Hamisch einige Schäden angerichtet.

Bei unserem Mitarbeiter Peter Hamisch hat der Blitz eingeschlagen – seitdem sind Telefon, Internet und Fernseher tot.

shz.de von
03. Juni 2018, 19:38 Uhr

Mittwoch, kurz nach dem Mittagessen – das Sofa lädt zur Siesta. Aus der Ferne ist ein leises Grollen zu hören, das immer näher kommt. Aber noch scheint es nichts Bedrohliches zu sein. Die Fenster sind geschlossen, was kann da schon passieren? Leichter Regen begleitet jetzt das näher gekommene Gewitter. Kein Grund zur Panik.

Dann plötzlich ein gewaltiger Donnerschlag. Die Fenster vibrieren. Das muss nahe gewesen sein, ganz nahe. Vorbei ist es mit der Ruhe, hat der Blitz ins Haus eingeschlagen, brennt es sogar? Tausend Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Doch dann erstmal Entwarnung: Glück gehabt, kein Brandgeruch, keine Flammen. Meine Schwester berichtet aufgeregt, dass sie von ihrem Schlafzimmer aus den Einschlag auf der wenige Meter entfernten Terrasse gesehen hat.

Ungeahntes Ausmaß der Blitzschäden

Die Suche nach Schäden beginnt, und ich werde sofort fündig. Der Strom ist weg. Jetzt zahlt es sich aus, dass ich in der Vergangenheit Handwerkerarbeiten am Haus an den Fachmann vor Ort gegeben habe. Der Elektriker ist nach kurzer Zeit im Haus und sorgt für normale elektrische Energie. Immerhin. Doch dann offenbart sich, dass die Energie eines Blitzes erheblich ist. Im Büro hat es eine Steckdose regelrecht rausgehauen, sie besteht nur noch aus geschwärzten Einzelteilen. PC ade. Der Kommunikationstechniker ist nicht zu erreichen. Nicht nur in Mohrkirch hat der Blitz Schäden angerichtet.

Doch die Überraschungen sind noch nicht zu Ende. Am Abend vor der Glotze: Der Bildschirm bleibt schwarz. Kein Fernsehen – was soll ich nun mit dem Abend anfangen? Ich lese die Seiten in der Zeitung, die ich sonst gerne überblättere. „Was nun?“, fragt meine Frau und zeigt auf den schwarzen Bildschirm, als sie von der Arbeit kommt. Sie zieht sich in den Pavillon zurück und genießt in der lauen Abendluft ihr Baguette. Bei mir ändert auch die Zeitung nichts an meinem abendlichen Verhalten. Mir fallen über der Lektüre die Augen zu. Das Leben ist doch nicht ganz aus den Fugen geraten.

Einige Tage später: Inzwischen steht fest, dass auch das Festnetztelefon tot ist. Gut, dass es Handys gibt. Nur leider gibt es auch im hochtechnisierten Deutschland Lücken. Zum Beispiel bei mir zu Hause in Mohrkirch. Das Handy funktioniert nur, wenn ich das Haus verlasse und einige Schritte gehe.

„So viele Aufträge in wenigen Stunden habe ich noch nie bekommen“, verrät der Techniker am nächsten Morgen, verspricht aber schnellstens, sein Fahrzeug Richtung Mohrkirch zu lenken. Rund um Sörup habe das Gewitter erhebliche Schäden angerichtet, berichtet der Kommunikationstechniker und macht sich auf die Spurensuche. Internet, Fernsehen, Telefon – alles, was an Geräten angeschlossen war, ist hinüber. „Weil alles miteinander vernetzt ist“, verrät der Experte dem ahnungslosen Laien.

Nun wird es spannend, die Telekom ist am Zuge. Dank Ferndiagnose steht bald fest, dass die Leitung zum Haus auch im Eimer ist. Jedenfalls verspricht die Telekom, die zerstörten Geräte umgehend zu ersetzen. Nur die Reparatur der Leitung soll nicht vor Mitte der nächsten Woche vonstatten gehen. So lange gibt es kein Internet, kein Radio, kein Telefon. Wie soll das gehen?

Noch ein Gespräch mit der Telekom. Mit dem Handy, vom Hofplatz aus. Die Bitte um einen vorgezogenen Reparaturtermin kann ich aber leider nicht vorbringen. „Alle Mitarbeiter sind im Gespräch, Wartezeit etwa 90 Minuten“, erklärt die elektronische Stimme. Das war’s dann. Gestern Mittag ist das erste Ersatzgerät eingetroffen. Ein Licht am Ende des Tunnels?

Da steht die Nachbarin vor der Tür, völlig verzweifelt. Die Steuerung ihrer Heizungsanlage ist durch den Blitzeinschlag defekt. Plötzlich wird mir klar, dass auch auf mich noch einiges zukommen könnte.

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