zur Navigation springen

Theater auf Gottorf : Bismarck als junger Wilder

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Kreuzstall von Schloss Gottorf zeichnet das Kieler Factory-Theater ein ungewöhnliches Bild des Eisernen Kanzlers

Auch in diesem Jahr beginnt das Kieler Factory-Theater seine Sommertournee durch Schleswig-Holstein wieder im Kreuzstall von Schloss Gottorf. Und wieder haben die freien Theatermacher aus der Landeshauptstadt einen historischen Stoff gewählt. Nachdem sie im vergangenen Jahr den Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 in Szene setzten, geht es nun um Otto von Bismarck, der in diesem Jahr 200 Jahre alt geworden wäre.

„Inside Bismarck“ heißt das Stück, das an diesem Donnerstag Premiere hat.
Der alte Reichskanzler, dargestellt von Christian Nisslmüller, wird abgesetzt und beschließt, seine Memoiren zu schreiben. Seine Ehefrau Johanna (Florentine Weihe) konfrontiert ihn mit seinem jüngeren Ich (in Gestalt von Guido Bayer) aus der Zeit vor ihrer Hochzeit, das allerdings überhaupt nicht mehr seinem späteren Ideal entspricht: Der 23-jährige Bismarck hatte mit enormen Schulden zu kämpfen – und hegte eine Abneigung gegen jede Art von Bürokratie. In Johanna von Puttkamer fand er eine Seelenverwandte. Der berühmte Briefwechsel der beiden vor ihrer Hochzeit im Jahr 1847 gewährt einen Einblick in Bismarcks Gedankenwelt und bringt überraschende Facetten des Eisernen Kanzlers zum Vorschein.

Autorin und Regisseurin Gaby Schnelle hat die szenische Installation gemeinsam mit Dramaturg André Becker vom Schleswig-Holsteinischen Landestheater erarbeitet. „Die Briefe waren wirklich ein Geschenk“, sagt Gaby Schnelle. „In seinen Memoiren erzählt Bismarck nichts über seine Frau oder sein Privatleben, sondern konzentriert sich auf seine politische Karriere. Wir wollten dahinter schauen.“ Bismarck schickte Johanna englische Gedichte, unter anderem von Lord Byron, sprach über seine Gefühle, Ideen und Wünsche, diskutierte mit ihr über den Glauben. „Im Grunde redet er wie ein Hippie“, so Schnelle.

Das Stück soll vor allem zeigen, wie modern die Beziehung der beiden auch noch aus heutiger Sich ist. „Johanna ist hier wirklich die geheime Hauptfigur, sie dient als Schlüssel zur Innenseite Bismarcks“, erklärt die Regisseurin. „Auch funktioniert sie im Stück als Bindeglied zwischen dem jungen und dem alten Bismarck, da sie mit beiden kommuniziert.“

Die Darsteller tragen zudem moderne Kleidung, um zusätzliche Nähe herzustellen. Das Bühnenbild ist minimalistisch gehalten und fällt vor allem durch eine Projektionsleinwand auf, die Zitate aus den Briefen zeigt. Gaby schnelle betont immer wieder, dass sie mit dem kalten, abweisenden Gesellschaftsbild Bismarcks brechen will: „Er ist ein wirklich komplexer Charakter und eigentlich viel lustiger und freundlicher als allgemein bekannt. Das Stück ist wirklich sehr menschlich, alle Emotionen sind nachvollziehbar.“


> Premiere im Kreuzstall von Schloss Gottorf am Donnerstag, 6. August, um 19.30 Uhr. Weitere Vorstellung am Freitag ebenfalls um 19.30 Uhr. Vorverkauf an der Kasse Schloss Gottorf (Tel. 813-222 oder kasse@schloss-gottorf.de)


zur Startseite

von
erstellt am 03.Aug.2015 | 16:18 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen