Kreis Schleswig-Flensburg : Bis zum Hals in der Gülle

Landwirte warten auf das richtige Wetter, um ihren Dünger auszufahren.
1 von 2
Landwirte warten auf das richtige Wetter, um ihren Dünger auszufahren.

Gülle-Notstand: Das nasse Wetter in diesem Winter stellt die Bauern im Kreis Schleswig-Flensburg vor Probleme.

shz.de von
05. Februar 2018, 14:48 Uhr

Landwirte reden üblicherweise nicht besonders viel – außer über das Wetter. In diesem Jahr hat das Klima zu einem besonders anrüchigen Notstand geführt: Die Güllebehälter sind voll, da die Felder seit Oktober letzten Jahres nicht oder kaum befahrbar sind. Die Gülle ließ sich nicht mehr ausbringen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es in die Auffangbehälter hineinregnet. Auch Betreiber von Biogasanlagen werden ihre Gärreste nicht los. Im Dezember hatte Landwirtschaftminister Robert Habeck auf die akute Notsituation reagiert und den Bauern erlaubt, per Notfallgenehmigung provisorische Güllelager zu errichten – zum Beispiel durch so genannte Lagunen – improvisierte Teiche, die umzäunt und auslaufsicher abgelegt werden müssen.

Seit dem 1. Februar ist die Sperrfrist für die Gülleausbringung offiziell aufgehoben, somit kann auf Grünland und Ackerland theoretisch wieder gedüngt werden. Doch die Wetterverhältnisse habe sich seitdem kaum verändert. Die Lage sei immer noch angespannt, erklärt Klaus-Peter Dau, der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes. „Auf einigen Feldern kann man ja kaum zu Fuß laufen“. Es gebe aber durchaus auch Flächen, die befahrbar seien, zudem kann im Rahmen der Sondergenehmigung schon seit dem 16. Januar gefahren werden, wodurch wieder Lagerkapazitäten frei geworden seien. Landwirte können eine sogenannte Sperrfristverschiebung für ihre Betriebe beantragen. Mit dem Antrag kann der Landwirt die offizielle Sperrfrist entweder vorziehen oder nach hinten verlagern. Für den Landwirt bedeutet dies im Falle des Vorziehens der Sperrfrist zum Beispiel, dass der Zeitraum, in dem er keine Gülle ausbringen darf, bereits bis zu vier Wochen früher beginnt als im Normalfall. Dafür darf er im Gegenzug vier Wochen bevor die offizielle Sperrfrist zu Ende geht, schon Gülle ausbringen.

dpa_5f988400c1cb77bc
 

Von Habecks Notfallverordnung haben im Kreis Schleswig-Flensburg allerdings kaum Landwirte Gebrauch gemacht. Man helfe sich da gegenseitig aus, erklärt Dau. Diejenigen, die noch Kapazitäten haben, lagern die Gülle anderer ein. Helfen können auch Bauern, die ihre Landwirtschaft inzwischen aufgegeben haben und ihre Güllebehälter nicht mehr nutzen. Deshalb sieht Dau die Lage auch einigermaßen entspannt: „Wir müssen jetzt abwarten, irgendwann wird es ja mal aufhören zu regnen.“

Obwohl die Sperrfrist inzwischen beendet ist, gibt es immer noch bestimmte Auflagen, wann gedüngt werden darf. Zum einen darf der Boden nicht wassergesättigt sein, da er dann nicht aufnahmefähig ist. Erkennbar ist dies daran, dass auf freier, ebener Fläche – nicht in den Fahrspuren – Wasserlachen entstehen. Außerdem darf der Boden nicht tiefgefrorenen oder schneebedeckt sein, teilt die Landwirtschaftskammer auf ihrer offiziellen Homepage mit. Für die Landwirte gehe es dabei auch um Aspekte des Bodenschutzes, da sie Bodenverdichtung durch zu hohen Druck vermeiden wollen, erklärt Bernd Thomsen, Geschäftsführer des Bauernverbandes.

Ideal seien kühlere Temperaturen, erklärt Thomsen. „Wenn der Boden gefroren ist und im Laufe des Tages auftaut, dann können die Landwirte ihren Dünger ausfahren, ohne den Boden zu beschädigen, das ist vielen Laien vielleicht nicht bewusst“, erklärt der Geschäftsführer.

Die Landwirte beobachten den Wetterbericht genau, um den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Darüber hinaus erlaubt es die neue Düngeverordnung vom Mai 2017, dass Festmist auch bei tiefgefrorenem Boden ausgefahren werden darf. „Der kann ja nicht wegfließen, bleibt liegen, bis der Boden taut und die Landwirte vermeiden Bodenverdichtung“, erklärt Thomsen. „Wenn man dem Wetterbericht glauben kann, dann könnten die Landwirte nächste Woche loslegen. Das werde auch Zeit, denn die vollen Güllebehälter sei die eine Sache, aber nun setze die Vegetation ein – und deshalb müsse gedüngt werden, erklärt Dau.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen