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Schleswig : Bis zu 400 Flüchtlinge in diesem Jahr

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Stadt beschließt ein Konzept zur Willkommenskultur. Bürgermeister bietet den Umlandgemeinden zudem Hilfe bei der Suche nach Wohnungen an.

von
erstellt am 13.Okt.2015 | 17:00 Uhr

„Wir schaffen das.“ Diesen bekannten Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel verwendete Bürgermeister Arthur Christiansen nicht. Aber sinngemäß sagte er genau dies, als er jetzt vor dem Sozialausschuss das Konzept zur „Willkommenskultur für Flüchtlinge in Schleswig“ vorstellte. Die Arbeit daran hatte im Rathaus schon vor anderthalb Jahren begonnen, als die Zahl der eintreffenden Flüchtlinge noch vergleichsweise überschaubar war. „Auch dank unserer guten Vorbereitung hatten wir bisher kaum nennenswerte Probleme“, sagte Christiansen. Frühzeitig habe man begriffen, dass die Betreuung der Flüchtlinge nicht allein Aufgabe des Ordnungsamtes sein könne. Der Bürgermeister hob insbesondere die Arbeit der Arbeiterwohlfahrt, aber auch anderer Institutionen wie DRK und Kirchengemeinden hervor.

Teil des Konzeptes zur Willkommenskultur ist es nun, die zahlreichen ehrenamtlichen Flüchtlingslotsen zu betreuen und fortzubilden, was an der Volkshochschule bereits geschieht. Dabei gehe es auch darum, überschäumende Hilfsbereitschaft zu kanalisieren. Christiansen: „Es ist wichtig, das Helfersyndrom zu bändigen. Die Lotsen sollen den Flüchtlingen nicht ihr ganzes Leben organisieren.“ Große Hoffnungen setzt der Bürgermeister auf die so genannten „Altsyrer“. So bezeichnet er diejenigen Flüchtlinge, die bereits vor einem Jahr nach Schleswig gekommen sind. Sie sollen verstärkt in die ehrenamtliche Arbeit eingebunden werden, den Neuankömmlingen den Alltag in Deutschland erklären und – soweit sie dazu bereits in der Lage sind – auch dolmetschen.

Wie auf Bundesebene, so gibt es auch in Schleswig nur Schätzungen, wie viele Flüchtlinge bis Jahresende eintreffen werden. Noch im September ging man in der Stadtverwaltung von 250 Personen aus. Inzwischen steht die Zahl 400 im Raum. Seit Jahresanfang sind bereits 155 nach Schleswig gekommen.

Bisher steht die Stadt nicht vor dem Problem, Neuankömmlinge überstürzt irgendwo unterbringen zu müssen. Denn die Menschen werden der Stadt erst zugewiesen, nachdem sie bereits einige Wochen in einer der Erstaufnahmeeinrichtungen im Land verbracht haben.

„Aber ich mache mir keine Illusionen“, sagte Christiansen, „der Wohnraum wird auch hier enger.“ Noch gebe es jedoch ausreichend leer stehende Wohnungen. Schließlich ist es noch nicht lange her, dass öffentlich darüber diskutiert wurde, überzählige Wohnblocks insbesondere in St. Jürgen und rund um die Erikstraße abzureißen. Davon spricht inzwischen niemand mehr.

Christiansen kündigte zudem an, bei der Unterbringung auch den Nachbargemeinden Unterstützung anzubieten. Schließlich werden auch den Dörfern in den Ämtern Haddeby, Arensharde und Südangeln Flüchtlinge zugewiesen. „Die haben aber kaum Mietwohnungen, sondern überwiegend Einfamilienhäuser, die in den seltensten Fällen leer stehen“, so der Bürgermeister. Gut möglich also, dass zu den bis zu 400 Asylbewerbern, die Schleswig ohnehin aufzunehmen hat, weitere hinzukommen, für die sich in Orten wie Fahrdorf oder Neuberend keine Unterkünfte finden.

Was die finanzielle Belastung der Stadt betrifft, gibt der Bürgermeister Entwarnung. „Anders als oft behauptet wird, kommt das zusätzliche Geld, das der Bund an die Länder zahlt, bei uns an.“ Offen ist noch, ob die Stadt diese Mittel auch verwenden darf, um zusätzliches Personal einzustellen, das für die Betreuung der Flüchtlinge notwendig ist. „Das Geld macht mir am wenigsten Sorgen“, betonte Christiansen. „Schwierig wird es, qualifizierte Bewerber für diese Aufgabe zu finden.“

Für den Sozialausschuss sprach SPD-Fraktionschef Stephan Dose der Stadtverwaltung Lob und Dank aus. „Es läuft alles vorbildlich, das höre ich überall“, sagte er. Susanne Roß (CDU) machte auf ein Problem aufmerksam, auf dessen Lösung die Stadt direkt keinen Einfluss hat: Die Flüchtlingskinder aus dem gesamten Umland werden zentral an der St. Jürgen-Schule und der Dannewerkschule unterrichtet, wo sie zunächst Deutsch lernen. „Es wäre besser, sie dezentral unterzubringen“, meinte Roß, die selbst Lehrerin an der Grundschule in Schaalby ist. „Wie soll sich ein Kind in dem Dorf, in dem es lebt, integrieren, wenn es nicht mit den anderen Kindern in die Schule geht?“

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