Schleswig : Bis 2020 soll der Domturm saniert sein

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Seit Jahren fallen Steine aus dem Mauerwerk. Die Nordkirche, das Land und die Stadt Schleswig verhandeln ums Geld für die Fassade.

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23. Januar 2015, 07:36 Uhr

Der Zeitplan steht, nur die Finanzierung noch nicht. Die bröckelnde Fassade des Domturms soll innerhalb der nächsten sechs Jahre saniert werden. Diesen Termin nennt die Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH), die bereits ein Planungsbüro aus Brandenburg mit den Voruntersuchungen beauftragt hat. Seit Jahren lösen sich immer wieder Ziegelstein-Brocken aus dem Turm. 2009 fiel das Phänomen erstmals auf. Seit 2012 steht deshalb eine Stahlkonstrukion vor dem Hauptportal, das wie ein Baugerüst aussieht – mit Bauarbeiten aber nichts zu tun hat. Es soll lediglich die Kirchgänger davor schützen, dass ihnen Steine auf den Kopf fallen. Offenbar dringt Feuchtigkeit ins Mauerwerk. Wenn diese, wie in diesen Tagen, gefriert, bröckelt die Fassade besonders kräftig.

Wie teuer die Sanierung wird, sollen die laufenden Voruntersuchungen ergeben. Die Rede ist von mehreren Millionen Euro. Klar ist, dass die evangelische Nordkirche als Eigentümerin des Bauwerks die Kosten nicht allein tragen möchte. Das Land Schleswig-Holstein ist ohnehin mit im Boot. Denn bis 1957 gehörte der Dom dem Land. Damals war der Turm schon in einem schlechten Zustand; man diskutierte sogar darüber, ihn abzureißen. Die Steine, die jetzt herunterfallen, stammen von der Sanierung in den 1950er Jahren. Als das Land den Dom damals an die Landeskirche übertrug, ließ diese sich vertraglich zusichern, dass das Land weiterhin unentgeltlich die Bauaufsicht für den Dom übernimmt. Das gilt bis heute. Deshalb ist es auch die landeseigene GMSH, die die Sanierungsarbeiten ausschreibt.

Wie weit sich indes das Land auch an den Sanierungskosten beteiligt, ist Gegenstand laufender Gespräche. Ministerpräsident Torsten Albig sprach das Thema an, als er in der vergangenen Woche auf dem Neujahrsempfang der Stadt Schleswig und der Bürgervereine im Rathaus zu Gast war. „Wir bemühen uns, die Rollenverteilung zwischen Kirche und Land im Kirchenstaatsvertrag rechtskonform zu klären“, sagte er. Sein Bekenntnis zum Dom war allerdings mit keinerlei konkreten Zusagen verbunden. Albig sagte lediglich: „Die Kirche muss in jedem Fall in die Lage versetzt werden, Gelder für die anstehenden Sanierungsarbeiten einzuwerben.“

Etwas weiter fortgeschritten sind die Gespräche mit der Stadt Schleswig, die zwar formal nichts mit dem Dom zu tun hat, jedoch daran interessiert ist, das Wahrzeichen zu erhalten. Im Finanzplan für die kommenden Jahre sind von 2016 bis 2019 insgesamt 450  000 Euro vorgesehen. Die Kirche hat vor allem deshalb ein Interesse daran, dass die Stadt sich an den Kosten beteiligt, weil dies die Türen öffnen würde für ein Förderprogramm des Bundes für „nationale Projekte des Städtebaus“. In den Förderbedingungen ist jedoch festgelegt, dass sich auch die betroffene Kommune beteiligen muss, in diesem Fall also die Stadt Schleswig. Bischof Gothart Magaard äußerte sich gestern nur vorsichtig zu den Erfolgsaussichten, sagte aber auch: „Dass der Ministerpräsident den Domturm beim Neujahrsempfang angesprochen hat, hat mit gefreut.“

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