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Schleswig-Flensburg : Biotonne wird zur Pflicht

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Weil zuviel Biomüll im Restmüll landet, forderte die ASF einen Anschlusszwang für Biotonnen – und bekam grünes Licht. Jetzt werden 25000 neue braune Tonnen angeschafft und 2015 verteilt.

Bioabfall ist kein Müll, sondern Rohstoff, aus dem Strom, Wärme und Kompost entstehen. Damit eine vernünftige energetische Nutzung und anschließende Kompostierung möglich ist, muss der Bioabfall allerdings gesammelt werden. Das geschieht zwar auch im Kreis Schleswig-Flensburg, doch nach Ansicht der Abfallwirtschaftsgesellschaft Schleswig-Flensburg (ASF) ist die Akzeptanz der Getrenntsammlung ausbaufähig. Mit 41 Kilo Bioabfall pro Kopf (2012) liegt der Kreis weit unter dem Landesdurchschnitt. Zu viel Rohstoff landet im Restmüll. Dem will der Kreis jetzt einen Riegel vorschieben: 2015 wird die braune Biotonne zur Pflicht.

„Wir wollen das Instrument Biotonne noch schärfer nutzen“, erklärte ASF-Geschäftsführer Aksel Busse am Dienstag im Werkausschuss des Kreistags. Er begründete dies nicht nur mit einer Verschärfung der Verwertungsregeln im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG), das eine getrennte Sammlung von Bioabfällen ab dem 1. Januar 2015 vorschreibt. Eigene Stichproben hätten ergeben, dass sich in den Restmülltonnen im Kreisgebiet 30 bis 50 Prozent „biogene Abfälle“ befänden.

Das gelte ausdrücklich auch für Haushalte, die bisher als Eigenkompostierer auf eine Biotonne verzichten. Viele von ihnen kämen ihrer Selbstverpflichtung nur unzureichend oder gar nicht nach, so der ASF-Geschäftsführer. „Deshalb wollen wir schon aus ökologischen Gründen den Anschlussgrad erhöhen.“

Die Einführung der Biotonne mit der flächendeckenden Erfassung der organischen Abfälle erfolgte bereits im Jahr 1996. Seitdem haben der Anschlussgrad an die Biotonne und die eingesammelte Menge Bioabfall kontinuierlich zugenommen. Die Anschlussquote lag zunächst bei nur rund 20 Prozent, konnte aber durch Marketingprojekte und verschiedene Angebote zur Akzeptanzsteigerung (Biofilterdeckel gegen Maden und Gerüche, Tonnenreinigung) auf rund 38 Prozent erhöht werden.

Verwertet werden die Bioabfälle aus dem Kreis durch die AWR BioEnergie GmbH in Borgstedtfelde (Rendsburg-Eckernförde). 6451 Tonnen Rohstoff wurden im Jahr 2007 dorthin geliefert, im Jahr 2013 waren es rund 7900 Tonnen. Für 2018 gibt die ASF das Ziel aus, mehr als 11 000 Tonnen Bioabfall im Kreisgebiet zu sammeln und zu verwerten. Mittel zum Zweck ist die verbindliche flächendeckende Einführung der braunen Tonne, für die die Politiker jetzt grünes Licht gaben.

Für die ASF eine Mammutaufgabe, die ab 1. Januar umgesetzt werden soll. Weil die Zahl der bislang nicht mit einer Biotonne versorgten Kunden im Kreis bei 40 000 liegt, will die ASF die Auslieferung in vier Tranchen über das ganze Jahr 2015 strecken. Zuvor sollen alle Kunden entsprechend angeschrieben und zur Bestellung der Biotonne aufgefordert werden. Zwar soll die Eigenkompostierung weiterhin als Alternative möglich sein, die Auflagen dafür will die ASF aber deutlich verschärfen.

Tatsächlich rechnet Busse damit, dass zunächst rund 25 000 neue Biotonnen beschafft werden müssen. Befürchtungen, dass es zu Lieferengpässen kommen könnte, weil auch andere Kreise angesichts der sich ändernden Rechtslage auf einen Biotonnen-Zwang umstellen, hegt Busse nicht. „Wir werden die Tonnen jetzt bestellen. Und wir hoffen, dass wir ausreichend beliefert werden, wenn wir frühzeitig an die Hersteller herantreten.“ Das Investitionsvolumen soll bei rund 25 Euro je Tonne bis zu 625 000 Euro betragen. Dennoch hob Busse im Ausschuss hervor, dass die Entsorgungskosten für die Kunden durch die flächendeckende Einführung der Biotonne nicht steigen sollen. Er stellte vielmehr sinkende Preise in Aussicht.

Das werde möglich, weil sich das Volumen des Restabfalls verringern werde, sobald der Biomüll konsequenter getrennt gesammelt wird. Denn zurzeit sorgen die höheren Entsorgungspreise für die Verbrennung der Restabfälle im Müllheizkraftwerk in Kiel dafür, dass dem Kreis und damit letztlich der Gesamtheit der Gebührenzahler höhere Kosten entstehen als notwendig. Busse: „Unser Ziel ist es, Bio- und Restmülltonne im Verbund günstiger anzubieten, als es derzeit der Fall ist.“

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erstellt am 11.Sep.2014 | 14:00 Uhr

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