Wahlpflichtfach : Biologiestunde mit 25000 Bienen

Verstehen sich gut mit Bienen: (von links) Mats Ehrich, Daris Pahlenkemper und Max Senkbeil (alle 14)  sind schon jetzt wahre Imker-Experten und führen das Hobby vielleicht auch privat in Zukunft fort.
Verstehen sich gut mit Bienen: (von links) Mats Ehrich, Daris Pahlenkemper und Max Senkbeil (alle 14) sind schon jetzt wahre Imker-Experten und führen das Hobby vielleicht auch privat in Zukunft fort.

An der Lornsenschule gibt es acht Wahlpflichtfächer. So können die Schüler zum Beispiel Spanisch lernen oder wie man kreativ schreibt. 16 von ihnen wollten etwas anderes machen und kümmern sich jetzt um zwei Bienenvölker.

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04. Juli 2014, 07:45 Uhr

Drohnen gibt es in Schleswig und Umgebung schon lange. Zwar nicht am Bundeswehr-Fliegerhorst in Jagel, dafür aber – unter anderem – in der Nähe der Lornsenschule. Denn hinter den Klassen-Containern befinden sich rund 25 000 Bienen, die dort im Rahmen eines neu eingeführten Imkerei-Wahlpflichtsfachs für die achten Klassen herumschwirren. Darunter auch zahlreiche männliche Exemplare, sprich Drohnen. 16 Schüler hatten sich zum Beginn des Schuljahres dafür angemeldet. Mittlerweile sind sie wahre Experten im Umgang mit den gelb-schwarzen Insekten und haben eine enge Verbindung zu den Tieren aufgebaut.

„Als unsere Wabenkästen eines Nachts umgestoßen wurden, fühlten sich die Schüler richtig schlecht“, sagt Kursleiter Malte Rathje. Der Englisch- und Geschichtslehrer ist selbst Hobby-Imker und kümmert sich in seiner Freizeit um bis zu 40 000 Bienen. „Da ich Biologie nicht unterrichte, bin ich zwar ein wenig fachfremd, aber dafür habe ich mir fachkräftige Unterstützung besorgt“, erzählt er mit Verweis auf Melanie Jahn.

Die Biologie-Lehrerin übernimmt den theoretischen Teil des Unterrichts und ist froh, dass sie den Schülern die Natur auf diese Weise näher bringen kann als jedes Schulbuch. „Durch die Bienen lernen wir zum Beispiel, welche Pflanzen und Bäume sich in ihrer Nähe befinden“, erklärt sie. Außerdem lernten die Schüler dabei, dass die Dinge sich in der Natur nicht immer so verhalten, wie es im Buch erklärt wird. „Wenn man die Waben zum Beispiel an einen anderen Ort stellt, finden die Flugbienen nicht mehr zurück nach Hause“, erklärt Rathje. Das werde im Unterricht so nicht erklärt und daher für die Schüler sehr interessant.

„Ich habe diesen Kurs gewählt, um mehr über Bienen zu erfahren“, sagt Mats Ehrich (14). Er habe zwar schon im Voraus gewusst, dass die Insekten wichtig für die Natur sind, aber in der Realität sei das Ganze umso mehr beeindruckend. „Wir erfahren natürlich auch viel zur Anatomie der Biene“, fügt Darius Pahlenkemper hinzu. So können die Schüler zum Beispiel die Königin des Bienenvolkes klar von den Flug- und Arbeiterbienen sowie den Drohnen unterscheiden.

Manchmal suchen sie innerhalb der Waben auch ganz gezielt nach ihnen. Dann müssen sie allerdings einen der sechs Imkeranzüge anziehen, die in der Lornsenschule zur Verfügung stehen. „Der Rest muss dann ungefähr zehn Meter Abstand halten“, warnt Jannis Gieselmann (14). Denn natürlich würden die anderen Bienen ihre Königin beschützen. Gestochen wurde aber noch kein Kursteilnehmer. „Aggressiv sind sie nicht wirklich, meist klettern alle nur über die Königin, um sie abzuschotten“, erklärt Zoe Panten, die das einzige Mädchen im Kurs ist. „Viele meiner Freundinnen haben ,kreatives Schreiben’ gewählt, aber das lag mir nicht so richtig. Bienen fand ich dagegen schon immer spannend.“ Vielleicht hat sie nun sogar einen Trend gestartet, denn für das kommende Jahr hätten sich schon sechs Mädchen angemeldet, berichtet Melanie Jahn.

Der Kurs soll sich in der Zukunft fest im Programm der Wahlpflichtkurse etablieren. „Vielleicht haben wir eines Tages auch eine eigene Schulimkerei“, hofft Malte Rathje. Dann könnten die Schüler ihre Bienenvölker von einer Generation zur nächsten weitergeben. „Dadurch lernen sie, Verantwortung zu übernehmen“, sagt er. Und dazu bekommt jeder Schüler auch ein wenig Honig für den Eigenbedarf. In diesem Jahr kamen schon zehn Liter zusammen.

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