Gewerbegebiet Schleswig : Biogasanlage sorgt für üble Gerüche in St. Jürgen

Schnupperprobe von Betriebsleiter Arne Lindemann: Noch fällt sie nicht ganz zufriedenstellend aus.
Schnupperprobe von Betriebsleiter Arne Lindemann: Noch fällt sie nicht ganz zufriedenstellend aus.

Anwohner beschweren sich über penetrante Gerüche aus der Biogasanlage. Betreiber wollen bis Ende September Abhilfe schaffen.

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11. September 2019, 19:33 Uhr

Schleswig | Wie ein Strauß Rosen duftet es nicht gerade, was einem da in den letzten Monaten aus Richtung der Biogasanlage in St. Jürgen in die Nase steigt. Ein Gestank, als würde das Treibhausgas direkt aus dem Kuhmagen entweichen. Zumindest an heißen Tagen und bei entsprechender Windrichtung riecht es „irgendwie richtig kotzig“, meint ein Anwohner.

Bis zu uns hin wabert dieser Gestank, und das immer wieder. Für mich eine Art Körperverletzung, wenn die Gerüche nicht verschwinden, werde ich Anzeige erstatten. Reinhard Vieth, Anwohner Carstensstraße
 

So nehmen die Beschwerden über den häufig wiederkehrenden Gestank rund um den ganzen Stadtteil St. Jürgen seit Wochen zu. Selbst am Berender Redder ist der Unmut von Anwohnern wegen der unangenehmen Düfte gestiegen. Im St. Jürgener Wohngebiet und auch unter den Gewerbetreibenden dort mochte man während der Sommerhitze kaum ein Fenster öffnen. Reinhard Vieth beispielsweise, der an der Carstensstraße wohnt, meint: „Bis zu uns hin wabert dieser Gestank, und das immer wieder. Für mich eine Art Körperverletzung, wenn die Gerüche nicht verschwinden, werde ich Anzeige erstatten.“

Schnupperprobe von Betriebsleiter Arne Lindemann: Noch fällt sie nicht ganz zufriedenstellend aus.
Frauke Bühmann
Schnupperprobe von Betriebsleiter Arne Lindemann: Noch fällt sie nicht ganz zufriedenstellend aus.
 

Wolfgang Harm, Vorsitzender des Gewerbevereins, weiß ebenfalls von vielen Beschwerden aus seinem Umfeld und hat das Gespräch mit den Betreibern der Biogasanlage im Gewerbegebiet gesucht. „Denn auch wer stinkt, bleibt in unserer Gewerbefamilie, aber natürlich drängen wir darauf, dass das Problem beseitigt wird“, erklärt er.

Warum stinkt es bei Ihnen seit Monaten?

Auf Nachfrage gestern bei den Betreibern in der Biogasanlage, an der die Schleswiger Stadtwerke zu 50 Prozent beteiligt sind, räumt Geschäftsführer Ulrich Nettelnbreker ein: „Ja, uns haben viele Beschwerden erreicht, wir sind aber in diesen Wochen dabei, durch technische Änderungen die Geruchsemissionen abzustellen.“ Dazu gehöre, dass Biofiltermaterial ausgetauscht werde. „Natürlich sind auch wir daran interessiert, mit unseren Nachbarn gut auszukommen.“

Auf die Frage, warum es denn fast ein Jahr gedauert habe, bis man die Ursache der Geruchsbelästigungen gefunden habe, meint Nettelnbreker: „Es war nicht eindeutig, woher der Gestank kommt.“ Man werde jedoch vorsorglich nicht nur Biofilter auswechseln, sondern auch die Holzdeckel auf den Behältern, in denen sich die Gärmasse befindet, ersetzen durch automatische fest schließende Klappen. „Wenn nämlich der Holzdeckel geöffnet werden muss, strömt Geruch heraus“, ergänzt Betriebsleiter Arne Lindemann.

Der Pufferbehälter soll komplett gasdicht gemacht werden.

Zudem soll der Pufferbehälter mit der Anmaisch-Masse „komplett gasdicht“ gemacht werden. Dabei werde das Biogas ohne Umwege zu den zur Anlage gehörenden fünf Blockheizkraftwerken weiter befördert, so dass von dieser Seite keinerlei Gasgerüche mehr entweichen könnten, betont er.

Tatsächlich ist eine Biogasanlage nicht nur geruchsmäßig mit den Vorgängen im Rindermagen vergleichbar – das von Bakterien produzierte Methan ist eines der stärksten Treibhausgase.

Die Betreibergesellschaft geht davon aus, dass durch die Erneuerungen ab Ende September keine Geruchsbelästigungen mehr auftauchen. Und wenn doch – „dann kann man mich unter meiner Handynummer 0173/2690088 anrufen“, sagt Betriebsleiter Lindemann.

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