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Steinfeld : Biogas-Fernwärme fürs Dorf rückt näher

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Investor verspricht den Einwohnern um 20 Prozent günstigere Heizkosten, wenn sie auf Fernwärme aus seiner Biogasanlage setzen. Der Bürgermeister ist von dem Vorhaben überzeugt. Foto: 

Nachdem die Gemeindevertretung von Steinfeld dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Energiegewinnung Trerberg“ im zweiten Anlauf zugestimmt hat (wir berichteten), will Landwirt Ralf Schmidt möglichst bald seine Absicht verwirklichen, das Dorf mit Fernwärme zu versorgen. Die baulichen Voraussetzungen dazu sind nach seiner Aussage vorhanden. In der Ortsmitte stehen bereits seit mehr als zwei Jahren vier biogasgespeiste Blockheizkraftwerke, deren Abwärme in ein Heizungsnetz eingespeist werden kann. Bei Ausfall der Anlage steht ein mit fossilen Brennstoffen gespeister Brenner bereit, der eine Wärmevollversorgung garantiert.

Um die für eine Rentabilität notwendige Zahl von Wärmekunden zu bekommen, führte Schmidt eine Infoveranstaltung durch, zu der er Grundstückseigentümer der geplanten ersten Ausbaustufe einlud. Das waren im vor allem Anlieger der Poststraße, des Goldackers sowie des Markttreffs und Umgebung. Er stellte die Rahmenbedingungen vor. Der Anschluss ist kostenlos, wenn er während der Verlegung der Versorgungsrohre erfolgt, und schließt auch einen Wärmetauscher mit ein. Bei späterem Anschluss werden Kosten für die zusätzlichen Erd- und Anschlussarbeiten fällig. Die Versorgungsvergütung setzt sich aus einem Grund- und Verbrauchspreis zusammen. Der Grundpreis wird von Schmidt für zehn Jahre garantiert, der Verbrauchspreis besteht aus einem Fixanteil sowie aus Faktoren, die an den Lohn-Preis-Index und den Heizölpreis gekoppelt sind.

In Vergleichsrechnungen für unterschiedliche Verbrauchswerte wies er Einsparungen von etwa 20 Prozent aus. „Da wir davon ausgehen, dass der Heizölpreis noch erheblich steigen wird, wird sich das Einsparpotenzial in den nächsten Jahren noch kräftig erhöhen“, erklärte Schmidt. Er widersprach auch Gerüchten, dass der Betrieb von Fremdheizungen oder Öfen bei Anschluss an die Fernwärme untersagt würde. Das sei nur nicht wirtschaftlich.

Die Euphorie für das Angebot hielt sich bei der Versammlung in Grenzen. Denn Schmidt hatte aufgrund planungsrechtlicher Verfahren nach der ersten Ankündigung das Thema zwei Jahre lang ruhen lassen. Einige Grundbesitzer hatten in dieser Zeit neue Heizungen eingebaut. Außerdem sind durch aktuell günstige Heizölpreise viele Tanks derzeit voll. Auch fehlte vielen der Glaube, dass das Konzept noch zu dieser Heizperiode umgesetzt werden kann. „Es ist ein sehr enges Zeitfenster und der Termin einfach utopisch“, erklärte der Wolfgang Hinz, stellvertretender Bürgermeister, der die Versammlung als Privatmann besucht hatte. Um jedem Interessenten genaue Zahlen an die Hand zu geben, kooperiert Schmidt mit zwei Sanitärbetrieben aus der Umgebung. Diese überprüfen auf Wunsch kostenlos den exakten Wärmebedarf eines Hauses, weisen auf notwendige Änderungen hin und legen alle Kosten offen. Dieses Angebot wird laut Bürgermeister Heinrich Buch von vielen genutzt. Er selbst hat diese Überprüfung für sein eigenes Haus vornehmen lassen und ist vom Preisvorteil so überzeugt, dass er sich anschließen will, sobald die Rohre bis zu seinem Haus gelegt werden. Auch für die gemeindeeigenen Gebäude Schule und Markttreff will er eine Überprüfung beantragen. „Jetzt haben es die Steinfelder selbst in der Hand“, sagte Investor Schmidt. Die erste Vertragsunterzeichnung hat er für Oktober eingeplant.

Doch was ist, wenn er die notwendige Anschlussdichte nicht erreicht? „Ich möchte mit dieser Anlage die Wärmeversorgung Steinfelds für mehrere Jahrzehnte sichern“, sagte er. Die Anlage sei darauf ausgerichtet und könne nicht von heute auf morgen für einen anderen Zweck genutzt werden. „Ich habe die Wärme und möchte sie schon in diesem Jahr abgeben.“ Falls dies nicht gelänge, werde er den Plan um ein Jahr verschieben und in dieser Zeit Werbung für das Projekt machen.


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