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Land immer teurer : Biogas-Boom treibt Ackerpreise in die Höhe

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Mais-Boom sorgt im Kreis Schleswig-Flensburg seit Jahren für steigende Landpreise. Dieser rasante Aufwärtstrend setzte sich auch 2012 ungebremst fort. Verantwortlich ist in erster Linie der Flächenhunger der Biogasbranche.

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erstellt am 18.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Preise für Land steigen fast in ganz Schleswig-Holstein seit Jahren, in Teilen des Kreises Schleswig-Flensburg jedoch explodieren sie förmlich. Dafür ist weder die Qualität der Böden, noch ein ungezügelter Bauboom verantwortlich. Vielmehr schlägt sich in den rasant steigenden Preisen die andauernd hohe Nachfrage nach Flächen für den Substrat-Anbau für Biogasanlagen nieder.

Dokumentiert findet sich die Preisentwicklung im Grundstücksmarktbericht des Kreises, der seit 2008 detailliert die jährliche Entwicklung auf dem Grundstücks- und Immobilienmarkt im Kreisgebiet analysiert. Der Auswertung zu Grunde liegen sämtliche Kaufverträge eines Jahres. Sie alle müssen laut Baugesetzbuch in der Baubehörde des Kreises vorgelegt werden.

Die durchschnittlichen Ackerlandpreise steigen demnach seit 2004 kontinuierlich an, am stärksten im Bereich der südlichen Geest. Lag der Preis für einen Hektar im Jahr 2004 noch bei durchschnittlich 7000 Euro, so stieg er im vergangenen Jahr auf 23 400 Euro. Im gleichen Zeitraum stiegen die Preise in Nordangeln von 12 000 auf 24 700 Euro. Für größere zusammenhängende Flächen von mehr als zwei Hektar wurden in diesem Jahr allerdings schon deutlich höhere Beträge verlangt. So wurden in Nordangeln beispielsweise für 18 derartige Flächen im Schnitt 35000 Euro pro Hektar nicht nur verlangt, sondern auch bezahlt. 17 Flächen auf der südlichen Geest gingen für durchschnittlich 25 000 Euro an neue Besitzer.

Jasper Thiesen, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Schleswig-Flensburg, sieht einen direkten Zusammenhang von Pachtzinsen und Kaufpreisen, beide treiben sich im Kreisgebiet gegenseitig in die Höhe, sagt er. Die wesentliche Rolle spiele der Flächenhunger der Biogasanlagen, deren Zahl so hoch ist wie in keinem anderen Kreis in Schleswig-Holstein. Entsprechend hoch ist der Bedarf insbesondere an Mais.

Zum Teil liege die Pacht für einen Hektar Ackerfläche bei bis zu 1000 Euro, nicht, weil der Boden so gut ist, sondern weil die Betreiber von Biogasanlagen bereit seien, geradezu jeden Preis zu bezahlen. „Zu erwirtschaften sind solche Pachten jedenfalls nicht“, ist der Fachmann sicher.

Weit weniger Probleme gibt es im Kreisgebiet für Menschen, die Wohnraum erwerben wollen. Die Baulandpreise haben sich in den vergangenen Jahren zwar erhöht, aber auf moderatem Niveau. Im Schnitt lag der Preis in den vergangenen zwei Jahren konstant bei 64 Euro pro Quadratmeter. 2004 lag der Durchschnittspreis bei 53,40 Euro.

Wer nicht neu bauen, sondern lieber eine gebrauchte Immobilie erwerben möchte, ist ebenfalls auf einem stabilen Markt unterwegs. Um zwei Prozent sind die Preise von 2011 auf 2012 im Schnitt gestiegen. Durchschnittlich wechselten Einfamilienhäuser im Kreisgebiet für 138 000 Euro den Besitzer (2008: 120 000 Euro). Dabei ergeben sich deutliche Unterschiede. „Wir haben auf dem Immobilienmarkt ein Nord-Süd- und ein Ost-West-Gefälle“, so Thiesen. Die höchsten Preise werden nach seinen Worten im Flensburger Speckgürtel erzielt, Hotspots seien zudem die Küstenregionen von Schlei und Ostsee. Vergleichsweise wenig Geld bekommen Verkäufer für ihre Immobilie im Raum Stapelholm – wenn sie einen Käufer finden.


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