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Schleswiger Nachrichten

11. Dezember 2017 | 11:09 Uhr

Schleswig : Binnenhafen auf der Kippe

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Bauausschuss-Vorsitzende Klaus Bosholm sieht für das Binnenhafen-Projekt auf der Schleswiger Freiheit keine Zukunft mehr.

von
erstellt am 20.Jan.2016 | 12:29 Uhr

Seit mehr als zwölf Jahren leitet Klaus Bosholm (SPD) den Bauausschuss der Stadt. Eine Aufgabe, die er mit viel Engagement und genauer Kenntnis über lokale Verhältnisse ausführt. Doch mit Blick auf anstehende Bauprojekte für dieses Jahr bereitet ihm neben erfreulichen Entwicklungen eine Sache „große Sorgen“: das Binnenhafen-Projekt auf der Freiheit. Gegenüber den SN erklärte er gestern unumwunden: „Ich halte dieses Projekt für nicht mehr realisierbar.“ Damit gehört Bosholm, ein streitbarer Geist seiner Partei, zu den ersten in der Stadt, die offen aussprechen, dass dieses Vorhaben auf der Freiheit keine Zukunft hat.

Das hat mehrere Gründe: Ein Binnenhafen wäre allein schon wegen des hohen Lärmpegels, der durch beständiges Klappern der Takelage an den Segelmasten entstünde, nicht vereinbar mit einer nahen Wohnbebauung – „und schon gar nicht vereinbar mit einer Seniorenresidenz, die dort geplant ist“.

Neben der Lärmbelästigung komme hinzu, dass die dänische A.P. Møller-Schule Einwände vorgebracht hat, die bis heute nicht zu entkräften gewesen seien. So fürchte sie etwa um die Stabilität des Schulgebäudes, da ihrer Meinung nach durch einen Hafenausbau der Untergrund des Areals nachteilig verändert werden könnte.

Jedoch die Binnenhafen-Betreiber selbst, die Freiheit-Eigentümer vom Team Vivendi, fechten seit Jahren darum, ihren Binnenhafen östlich der A.P. Möller-Schule realisieren zu können. Dazu Bosholm: „Ich verstehe zum Beispiel nicht, warum Team Vivendi lange Zeit darauf beharrte, seine beiden Projekte Seniorenresidenz und Binnenhafen miteinander zu koppeln.“

Jedoch: Seit Winteranfang hat es nach SN-Recherchen auch von der Team-Vivendi-Seite selbst keine Verlautbarungen mehr über das Binnenhafen-Projekt gegeben. Zu möglichen Hintergründen erklärte gestern auf Nachfrage Rathaus-Sprecherin Antje Wendt: Es seien vom Kieler Innenministerium bereits im Dezember Absagen gekommen auf die von der Stadt eingereichten Änderungen der Flächennutzungs-Pläne, die das Areal für den geplanten Binnenhafen und die Seniorenwohnanlage betreffen. Einzig der F-Plan für das Baugebiet, auf dem das Zen-Kloster entstehen soll und der schon zuvor vom restlichen Gelände abgetrennt worden war, sei genehmigt worden.

Zu der Ablehnung der F-Pläne heißt es aus dem Ministerium, dass im Team-Vivendi-Konzept die verschiedenen Nutzungen von Seglerhafen, Wohnbebauung und Seniorenheim nicht miteinander harmonisierten. Auch aus besagten Lärmschutzgründen nicht.

Ob damit nun endgültig ein Schlussstrich unter das Binnenhafen-Projekt auf der Freiheit gezogen wird, könnte ein Thema auf der Sitzung im kommenden Bauausschuss am 2. Februar sein.

Zu den Bauvorhaben dieses Jahr im übrigen Stadtgebiet erklärte Bauausschuss-Vorsitzender Bosholm: „Mit Vorfreude können wir auf einige Projekte blicken, mit denen begonnen wird oder die schon eingeleitet werden.“ Wie die neue Feuerwache, die im Friedrichsberg gebaut wird. 1,7 Millionen Euro stehen dafür bereit. Schon für 2017 sei die Fertigstellung angepeilt.

In Vorbereitung befindet sich ebenfalls die zweite Feuerwache am Kattenhunder Weg. Als bedeutend und erfreulich bezeichnet er ein großes Bauprojekt von privater Seite: Den Bau von 140 Mietwohnungen der Familie Sindram auf den Königswiesen. Die planerischen Voraussetzung für das Projekt wurden im vergangenen Herbst geschaffen. „Wenn erst alles fertig gestellt ist und mindestens 280 Bewohner dort eingezogen sind, wird es die Innenstadt positiv verändern“, meint Bosholm.

Auch die neuen Pläne zur Seniorenresidenz am Schlossgraben (auf dem Gelände des früheren Hotels Stadt Hamburg) finden nach seinen Worten eine breite Akzeptanz in den städtischen Gremien, so dass dem Baubeginn nichts mehr im Wege stehe. Was die geplanten Erweiterungen der Fachmärkte bei Real angeht, so betrachtet Bosholm dies mit gemischten Gefühlen: Einerseits werde Kundschaft aus Nachbarstädten nach Schleswig gelockt, andererseits müsse man stets die Situation der Innenstadt im Blick behalten. „Dieser Zwiespalt wird uns auch beschäftigen bei den Beratungen über die Entwicklung der Ladenstraße und des Parkhauses.“

Und dann gibt es, fast im Abseits des städtischen Geschehens, ein kleines Sanierungsprojekt, das ebenfalls in diesem Jahr von der Stadt angepackt werden soll: Der denkmalgeschützte hölzerne Glockenturm an der Reifferbahn. Der steht dort treu seit 1621.

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