Schleswig-Flensburg : Biermann-Beitrag im neuen Angeln-Jahrbuch

Ab kommendem Jahr ist Mathias Jürgensen allein verantwortlich für das Jahrbuch.
Ab kommendem Jahr ist Mathias Jürgensen allein verantwortlich für das Jahrbuch.

Bekannter Lyriker und Liedermacher ist mit einem Text im neuen Band der Reihe vertreten.

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13. Dezember 2014, 07:11 Uhr

Das neue Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln liegt in einer Auflage von 3000 vor. Als prominenter Autor ist im 78. Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann mit einem Beitrag vertreten. Biermann, seit einigen Jahren in Neukirchen an der Ostsee beheimatet, nimmt in seinem Beitrag Bezug auf eine Reproduktion eines zeitgenössischen Aquarells, das ihm der pensionierten Pastor Reinhard Miether aus Grundhof schickte, und das zwei Männer mit der Armbinde des Roten Kreuzes vor der Kirche von Düppel bei Sonderburg zeigt. Während der Zeit um 1864 war Miethers Ur-Ur-Großvater Georg Christensen dort als Seelsorger tätig. Um die Opfer des Krieges auf den Düppeler Schanzen kümmerte sich Biermanns Ur-Ur-Großvater. War dieser vielleicht der auf dem Bild verewigte Hilfssanitäter – ein jüdischer Schuhmacher? Biermann schreibt dazu: „Der eine versuchte eben, die zerschossenen Seelen zu retten, der andere die zerfetzten Körper.“ Pastor Miether und Biermann vermuten, dass die beiden Altvorderen damals einander begegnet sind, sich sogar gut gekannt haben. Biermanns beigefügtes Gedicht endet mit den Zeilen: „Für uns war’s ’ne Exkursion in die eigene Familiengeschichte.“

22 weitere Beiträge bieten auf 280 Seiten interessanten heimathistorischen Lesestoff. Jochen Clausen blickt auf die 20-jährige Erfolgsgeschichte des Landschaftsmuseums Angeln in Unewatt zurück und betont, dass der mögliche Erwerb des Christensen-Hofs eine große Chance zur kulturellen Bereicherung biete – weit weg von „Konsum und Kommerz“. Bertold Hamer marschiert gedanklich durch die prachtvolle Waldstraße in Glücksburg. So war zeitweise das Haus Nummer 6 der Stammsitz von „Tante Maaß“, bekannt aus dem Flensburger Tageblatt.

In einem weiteren Artikel erinnert der ehemaligen Bundestagsabgeordnete Wolfgang Börnsen an seine wichtigsten Stationen, die alle mit dem großen B beginnen: Bönstrup, Bonn, Berlin. Berichtet wird außerdem über die Entstehung des Amtes Kappeln-Land (Peter Heinrich Lassen), die 200-jährige Geschichte des Kleingärtnervereins Kappeln (Ursula Raddatz) und vom einstigen Streit um die Wadenfischerei in der Schlei (Horst Franzen). Das Jahrbuch wird in diesen Tagen von den Vertrauensleuten der Angelner Kirchspiele an die Mitglieder übergeben.

Neuer Schriftleiter des Heimatvereins der Landschaft Angeln ist Mathias Jürgensen. Im Juni trat der 44-Jährige, der zuvor als Stellvertreter agierte, in die Fußstapfen von Alfred Lorenzen aus Husum, der ein Jahrzehnt lang als Schriftleiter tätig war. Jürgensen, im Hauptberuf Architekt und seit elf Jahren Händler für historische Baustoffe, hat das 78. Jahrbuch des seit 1929 bestehenden Heimatvereins gemeinsam mit seinem Vorgänger herausgegeben. Ab nächstes Jahr ist er dafür allein zuständig.

Von Kindesbeinen an, so der neue Schriftleiter, ist ihm der Heimatverein ein Begriff. Im Kallebyer Elternhaus lag das Jahrbuch stets griffbereit auf dem Wohnzimmertisch. Für ihn war es als Kind „hochspannend“, dass es auch in Angeln Hexen gab. Als 1993 seine Großtante starb, hinterließ sie ihm eine komplette Sammlung Jahrbücher, die er seither Jahr für Jahr aufs Neue vervollständigt.

Mathias Jürgensen, seit über 20 Jahren Mitglied im Heimatverein, hofft, dass es auch weiterhin viele Menschen gibt, die ihm interessante Beiträge zukommen lassen. Seine Aufgabe ist es, diese zusammenzustellen und als Buch herauszugeben. Ihm sei es wichtig, sagt er, dass nachfolgende Generationen erfahren, was „uns heute bewegt“. Dazu gehören für den Mann aus Kalleby der Strukturwandel in Angelns, die Energiewende, Perspektiven für die neue Nutzung leerstehender Gebäude. Dazu gehöre aber auch, der Frage nachzuspüren, warum sich Neubürger hier niederlassen. Für das nächste Jahrbuch plant der neue Schriftführer ein neues Erscheinungsbild – das jetzige gibt es immerhin seit 1971.

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