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Aus dem Amtsgericht : Bewährungsstrafe für notorischen Tankbetrüger mit 7er-BMW

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein 23-jähriger Krankenpfleger kauft sich eine gebrauchte Nobelkarosse – und hat kein Geld für das Benzin. Ein Fall für das Schleswiger Amtsgericht.

Er hatte seinen 7er-BMW mindestens sechs Mal vollgetankt, ohne zu bezahlen: Das Amtsgericht hat jetzt einen 23-jährigen Krankenpfleger zu einer Bewährungsstrafe von viereinhalb Monaten verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Anklage auf zwei Fälle beschränkt, die sich beide in diesem Frühjahr ereigneten: Ende Februar tankte der junge Mann für 72,97 Euro Super-Benzin an der Team-Tankstelle in St. Jürgen. Ende März war es die Tankstelle an der B 77 in Jagel. Dort füllte er seinen Tank mit fast 75 Litern – und hätte eigentlich 115,12 Euro zahlen müssen. In beiden Fällen sagte er zur Kassiererin, er habe leider sein Geld vergessen und werde es sofort holen. In St. Jürgen hinterlegte er als Pfand seinen Führerschein, in Jagel seinen Fahrzeugschein. Beide Dokumente holte er nie ab. Eine der Tankstellen-Mitarbeiterinnen sagte als Zeugin: „Er war ja vernünftig gekleidet. Da denkt man nicht, dass er nicht wiederkommt.“

Der Angeklagte war geständig. Zu den Vorwürfen sagte er: „Das ist definitiv richtig. Ich habe diese Taten begangen.“ Als Erklärung gab er eine psychische Krankheit an: „Die Wahrheit zu sprechen, fällt mir nicht immer leicht.“ Inzwischen, beteuerte er, habe er dieses Problem „richtig gut im Griff“. Daran jedoch schienen Zweifel angebracht. Das zeigte sich, als er sich im Laufe der Verhandlung immer wieder in Widersprüche verwickelte. Er beschrieb sein Leiden als posttraumatische Belastungsstörung und als Nebenform des Münchhausen-Syndroms. Ursache soll gewesen sein, dass seine Eltern sich trennten, als er fünf Jahre alt war und er danach ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater gehabt habe. Bei einer vorherigen Vernehmung hatte er indes von einer „Missbrauchs-Geschichte“ während seiner Ausbildung erzählt. Die Psychologin, bei der er in Behandlung sei, verwandelte sich im Laufe seiner Aussage in eine Heilpraktikerin.

Abenteuerlich klangen auch manche seiner Begründungen, warum er seine Tankrechnungen nicht habe zahlen können. In St. Jürgen hatte er angeblich kein Geld, weil sein Arbeitgeber – ein renommiertes Schleswiger Unternehmen – mit den Gehaltszahlungen in Rückstand gewesen sei. Das Geld für die Tankfüllung in Jagel soll ihm seine Mutter wenige Stunden nach der Tat geliehen haben. Der Umschlag mit den Euro-Scheinen liege aber – ein halbes Jahr später – noch immer bei ihm zu Hause. „Ich hatte nicht die Courage, noch einmal zu der Tankstelle zu fahren“, sagte er.

Auf das Urteil reagierte der 23-Jährige erleichtert. „Ich bin froh, dass ich nicht ins Gefängnis muss.“ Richter Morten Alpes gab ihm als Auflage, eine ambulante Psychotherapie zu absolvieren. Sein Auto wolle er nun verkaufen und von dem Erlös seine Schulden begleichen, sagte der Verurteilte. „Es war für mich ein Statussymbol, aber ich habe begriffen, dass es für mich ein paar Nummern zu groß ist.“

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erstellt am 06.Nov.2014 | 07:45 Uhr

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