Anschlag im Friedrichsberg : Bewährungsstrafe für den Haupttäter

Am Morgen nach dem Brandanschlag steht ein Polizeiauto vor dem Wohnhaus an der Ecke Bahnhofstraße/Hornbrunnen.
Am Morgen nach dem Brandanschlag steht ein Polizeiauto vor dem Wohnhaus an der Ecke Bahnhofstraße/Hornbrunnen.

Das Schleswiger Amtsgericht hat im Prozess um den Anschlag auf syrische Familie das Urteil gefällt.

shz.de von
14. Januar 2018, 17:50 Uhr

Das Urteil, das Jugendrichterin Gudrun Mucke gestern am Ende des zweitägigen Brandanschlag-Prozesses verhängte, fiel auf den ersten Blick milde aus. Es enthielt jedoch nachhaltige „Denkzettel“ für die beiden Angeklagten, die am 3. März 2016 am Fenster einer syrischen Familie in der Bahnhofstraße gezündelt hatten.

Der zum damaligen Tatzeitpunkt 18 Jahre alte Lukas W. wurde mit einer richterlichen Verwarnung plus Wochenendtrip in die Jugendarrestanstalt Neumünster plus Sozialarbeitsstunden plus Geldbuße bedacht. Für ihn galt das Jugendstrafrecht. Seine Sozialprognose – er befindet sich in einer Ausbildung – sei positiv, hieß es. Zudem wurde er eher als Mitläufer eingestuft.

Anders bei seinem fünf Jahre älteren Komplizen Dennis L. aus Schleswig, der ein Jahr und zwei Monate auf Bewährung erhielt. Zusätzlich muss er neben einer 300-Euro-Geldstrafe insgesamt 150 Stunden Sozialarbeit ableisten und auch die Kosten des Verfahrens tragen. Er ist vorbestraft, und die Tat im Friedrichsberg hatte er in seiner Bewährungszeit begangen.

Beide Täter müssen außerdem Beiträge an die Opferhilfe „zebra e.V.“ in Kiel entrichten, die Betroffene von rechter und rassistischer Gewalt betreut. Sie kümmert sich seit dem Anschlag um die betroffene Flüchtlingsfamilie. Auch um deren kleine Tochter, die damals beim Weglaufen aus Panik vor der Flamme am Fenster eine Kopfplatzwunde erlitt. Dennoch hatte Familienvater Ahmad A. am ersten Verhandlungstag am Dienstag, wie berichtet, den beiden Tätern die Hand zur Versöhnung gereicht, nachdem diese sich bei ihm unter den Augen der Richterin entschuldigt hatten.

Warum nun dieses relativ mild erscheinende Urteil nach einer spektakulären Tat? In seinem Plädoyer erläuterte Staatsanwalt Lars Truknus: „In diesem Verfahren steht nicht der Straftatbestand der Brandstiftung zur rechtlichen Bewertung an, sondern der einer Nötigung, die ein Strafmaß von bis zu drei Jahren erlaubt.“ Hinzu kämen als Anklagepunkte Sachbeschädigung und fahrlässige Körperverletzung.

„Wäre tatsächlich ein Brandanschlag verübt worden, hätte das mit bis zu 15 Jahren Gefängnis geahndet werden können“, erklärte er. Jedoch habe ein Gutachten, das die Staatsanwaltschaft Flensburg vor der Anklageerhebung eingeholt hatte, eindeutig aufgezeigt, dass die von den Tätern eingesetzten Mittel rein technisch keinen Wohnungsbrand hätten auslösen können – „so wie man mit einem Streichholz auch keine Steinmauer anzünden kann“, hieß es weiter.

Der Gutachter, ein Chemiker vom Landeskriminalamt in Kiel, führte gestern vor Gericht selbst in zahlreichen Details aus, warum die Vorgehensweise der Angeklagten – nämlich ein Fenster mit Spiritus zu bespritzen und dann das Feuerzeug daran zu halten – zwar ein kurzzeitiges Aufflammen am PVC-Rahmen verursachte, aber nicht die Gefahr einer Brandausweitung zur Folge gehabt habe.

Hatten die Täter, als sie sich damals nach einer Alkohol-Orgie zur syrischen Familie in der Bahnhofstraße aufmachten, demnach nicht das Ziel verfolgt, ihr Schaden zuzufügen? Eingehend wurden sie während der Verhandlung von Staatsanwalt und Richterin auf diesen Punkt hin abgeklopft, nach ihren wahren Absichten befragt. „Wir wollten sie doch nur erschrecken“, meinte Dennis L.

Auch die Aussage eines Kripobeamten, der sie verhört hatte, spielte eine Rolle. „Wir glauben Ihnen nicht, Sie hätten nicht gewusst, dass es sich in der Wohnung um eine Flüchtlingsfamilie handelte“, betonte die Richterin. Zumal Dennis L. seine rechte politische Gesinnung eingeräumt hatte. „Jetzt habe ich damit nichts mehr am Hut“, sagte er. Als strafmildernd wirkte sich bei beiden aus, dass sie frühzeitig ein Geständnis ablegten – wenn auch mit leichter polizeilicher Nachhilfe.

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