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Langstedt : Betriebskontrolle: 30 Pferde abtransportiert

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein älteres Ehepaar aus Langstedt (Kreis Schleswig-Flensburg) soll mit ihrer Pferdezucht völlig überfordert gewesen sein. Am Donnerstag griffen Kreisveterinäramt und Polizei ein.

Am Donnerstagmorgen brach für Erika B. (79) eine Welt zusammen: Seit 30 Jahren züchtet sie mit ihrem Mann in Langstedt Pferde, und nun standen plötzlich Mitarbeiter von Ordnungsamt, Kreisveterinär-Behörde und Polizei vor der Tür, um ihr die Tiere wegzunehmen. „Ich habe mich immer liebevoll um meine Pferde gekümmert. Denen geht es gut bei uns“, sagte sie mit zitternder Stimme, während auf ihrem Hof der Abtransport organisiert wurde. Dass Amtstierärztin Doris Götzmann das ganz anders sieht, dafür fehle ihr jedes Verständnis. Ändern konnte sie dennoch nichts: Seit dem Mittag wurden die Pferde verladen, um sie andernorts unterzubringen. Viele Pferde kommen nun vorübergehend bei der Pferdeklappe in Norderbrarup unter.

Für die Behörden war dies der vorerst letzte Akt einer sich immer weiter zuspitzenden Geschichte. Denn es war nicht das erste Mal, dass im Mai nach mehreren Anzeigen aus der Bevölkerung eine Betriebskontrolle auf dem kleinen Hof stattfand. Nach Aussage von Kreisveterinär Volker Jaritz habe es entsprechende Kontrollen in der jüngeren Vergangenheit immer wieder gegeben. „Ganz offensichtlich ist das ältere Ehepaar mit dem Halten der Herde maßlos überfordert“, sagt er. Einerseits seien die Pferde zum Teil nicht entwurmt und die Hufe nicht geschnitten, andererseits ließen die Unterstellmöglichkeiten auf dem Hof arg zu wünschen übrig. „Total vermatscht“, so Jaritz. In der Herde gebe es mehrere Fälle von Inzucht. „Das Tierschutzgesetz verpflichtet uns, den Tieren Schmerzen, Leiden und Schäden zu ersparen“, sagt er.

In diesem Fall habe es eindeutige und gravierende Verstöße gegen das Gesetz gegeben. Das Halterehepaar sei mehrfach aufgefordert worden, die Bedingungen zu verbessern, habe aber nie reagiert. Nach Angaben Lars Fischers, stellvertretender Leitender Verwaltungsbeamter im Amt Eggebek, habe man dem Ehepaar auch angeboten, bei der Vermarktung der Pferde zu helfen, um die Situation zu entschärfen – ohne Erfolg. Es folgten Zwangsgeldandrohungen und die letzte Frist im November. Doch auch diese Frist ließen B. und ihr Ehemann verstreichen.

Im Ergebnis führte dies am Donnerstag zu einem Tierentzug in einer Größenordnung, wie es sie im Kreisgebiet bisher selten oder gar nicht gab. Im vergangenen Jahr war das Kreisveterinäramt an drei Tier-Wegnahmen beteiligt, einmal ging es um einige Schweine, die nicht artgerecht gehalten wurden, zwei Mal ging es um insgesamt sechs Pferde. Am Donnerstag waren es über 30 Pferde, zudem wilde. Was dazu führte, dass sich die Aktion in die Länge zog. Zunächst sollten die Stuten eingefangen und die Tiere dann einzeln verfrachtet werden. Dafür mussten die Pferde zum Teil medikamentös ruhiggestellt werden. Erst anschließend konnten sich die zahlreichen Helfer um die beiden Walache und einen Hengst kümmern. Die Aktion dauerte bis in den Abend und wird am Montag fortgesetzt.

Weil die Behörden befürchteten, dass der Abtransport der Tiere möglicherweise nicht ohne Widerstand über die Bühne gehen würde, wurde die Polizei hinzugezogen. Ein Sprecher bezeichnete das Verhalten der Pferdehalter später aber als kooperativ. Langstedts Bürgermeister und Amtsvorsteher Jacob Bundtzen kennt die Pferdehalter seit langem und spricht von einer tragischen Entwicklung. Frau B. sei eine „unglaublich liebe Frau und unheimlich tierlieb“, aber offenbar sei ihr die Arbeit mit den vielen Tieren über den Kopf gewachsen.

Die Halterin selbst bestätigt zwar, behördliche Auflagen verletzt zu haben, weil sie aufgrund einer Erkrankung ihres Mannes überfordert gewesen sei. Dennoch habe sie die Tiere ordentlich versorgt. Außerdem hätten die Tiere in der Herde viel Kontakt und Auslauf. Sie kritisiert das Vorgehen der Behörden: „Denen geht es offenbar mehr um das Einhalten von Terminen als um das Wohl der Tiere. Das kann doch nicht wahr sein.“

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erstellt am 21.Nov.2014 | 07:31 Uhr

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