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Betriebe klagen: Bewerber oft "ausbildungsunreif"

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erstellt am 16.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Schleswig | Gesucht: Auszubildende. Ob im Handwerk, Handel oder im Dienstleistungsbereich - auch in der Schleswiger Region macht sich der Lehrlingsmangel in den Betrieben immer stärker bemerkbar. Es fehlen schlicht fähige und qualifizierte Jugendliche, die eine Ausbildung machen wollen. Das bestätigen auf SN-Nachfrage IHK-Geschäftsstellenleiter Stefan Wesemann und Randolf Haese als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schleswig.

Zwar ist die Situation in Stadt und Kreisgebiet noch nicht so brenzlig wie in Ballungszentren, wo ausbildungswillige Jugendliche Lockprämien oder die Aussicht auf einen Dienstwagen erhalten. Dennoch spüren auch die Schleswiger Betriebe bereits deutlich: Es wird eng auf dem Ausbildungsmarkt.

So hat die IHK Flensburg Anfang Mai 61 Lehrverträge weniger verzeichnet als noch im Vorjahreszeitraum. Nach Wesemanns Angaben sind aktuell 895 Verträge abgeschlossen worden, bis zum September rechnet er mit insgesamt bis zu 2 500 neuen Verträgen. Die IHK vertritt Betriebe aus Handel, Gastronomie, Banken und Versicherungen.

Dass weniger Jugendliche überhaupt an Ausbildungsplätzen interessiert seien, habe mit dem beginnenden demografischen Wandel zu tun, sagt Wesemann. Doch auf der anderen Seite absolvierten auch mehr Jugendliche als vor einigen Jahren ein Studium. Die veränderte Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat dazu geführt, dass die bei der IHK angesiedelten Aquisiteure "umsatteln" müssen: Während sie noch vor wenigen Jahren nach Ausbildungsplätzen in den Betrieben Ausschau hielten, sind es nun die Lehrlinge selbst, die gesucht werden. Und zwar Lehrlinge mit einer ausreichenden Qualifikation, die sie befähigt, eine Ausbildung solide durchzustehen. Häufig aber scheitere es nach den Erfahrungen der Firmenchefs an Grundkenntnissen in Deutsch und Rechnen - oder aber auch an Tugenden wie Fleiß und Pünktlichkeit. Ein Blick in die Zukunft: Nach einer Studie des Kreises Schleswig-Flensburg wird es im Jahre 2030 etwa 25,6 Prozent weniger junge Leute geben als noch 2010, erklärt Wesemann.

Deutlich weniger Lehrverträge als im Vorjahr auch im Handwerk: "Schon jetzt sind es 40 Verträge weniger als im Mai 2012", betont Randolf Haese von der Kreishandwerkerschaft Schleswig, die insgesamt 330 Ausbildungsbetriebe betreut. Dafür gebe es Gründe. "Die liegen nicht nur in demografischen Veränderungen. Unsere Betriebe beklagen auch eine fortschreitende Ausbildungs-Unreife der Schulabgänger." Daher dürften auf keinen Fall staatliche Programme zur Berufsvorbereitung eingespart werden. "Bevor man an Zuwanderung aus Drittländern denkt, sollte man eher die Schulabgänger in unserer Region durch Förderprogramme in die Lage versetzen, eine gute handwerkliche Ausbildung zu schaffen." Befragt nach seiner Einschätzung, wie es im Herbst weitergeht, meint Haese: "Zahlreiche Lehrverträge werden noch abgeschlossen - aber es wird sicher nicht jedem Betrieb gelingen, einen geeigneten Bewerber zu finden."

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