Schleswiger Stadtmuseum : Besucherzahlen brechen ein

Die Unterwasser-Bilder von David Doubilet sollen viele Menschen ins Stadtmuseum locken. Kirsten Carstensen (49) kam gestern extra aus Eutin, um die Fotos zu bewundern.
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Die Unterwasser-Bilder von David Doubilet sollen viele Menschen ins Stadtmuseum locken. Kirsten Carstensen (49) kam gestern extra aus Eutin, um die Fotos zu bewundern.

Das Stadtmuseum hatte im vergangenen Jahr rund ein Viertel weniger Gäste als 2012. Der Kulturausschuss beschäftigt sich jetzt mit dieser Negativ-Bilanz.

shz.de von
01. Juni 2014, 13:58 Uhr

Dem Stadtmuseum gehen die Besucher aus. Immerhin fast 3100 Gäste weniger als im Vorjahr verzeichnet die Jahresstatistik für 2013. Insgesamt wurden nur noch 9499 Besucher gezählt. Dabei stellt der Ticketverkauf den größten Einnahmeposten dar. Jedoch: Zum Leben braucht das Museum ohnehin einen Zuschuss über 536 000 Euro jährlich von der Stadt. „Unbefriedigend“ nennt auch Museumsleiter Holger Rüdel die Situation, wollte aber zu den Hintergründen gestern auf SN-Nachfrage nicht Stellung nehmen. „Kein Kommentar“, sagte er und verwies auf die Kultur-Ausschusssitzung am kommenden Donnerstag, in der das Stadtmuseum und der gravierende Besucherrückgang zum Diskussionspunkt werden wird.

Bereits vor einigen Wochen hatte die Stadt eine Gegenoffensive im Museumsmarketing eingeleitet. Dabei soll ein neues Konzept für die Gestaltung der Dauerausstellung entworfen werden, damit das Herzstück des Museums – die Stadtgeschichte – mehr in den Mittelpunkt gerückt und zeitgemäß präsentiert wird. Dafür wurde ein Planungsbüro (Firma „Complizen“ aus Halle und Berlin) beauftragt, das diese neue Konzeption für die Schauräume entwickelt. Die Kosten in Höhe von 50 000 Euro wollen sich die Stadt und die AktivRegion Schlei-Ostsee teilen. Bis zum 10. September soll der Entwurf vorliegen. Dann wird sich der Kulturausschuss mit den Plänen auseinandersetzen. Und auch die Ostseefjord Schlei GmbH ist eingebunden mit stetem Blick auf kommende Touristen. Voraussichtlich 2015 will man damit beginnen, die neuen Ideen und Konzepte im Stadtmuseum umsetzen.

Dass Handlungsbedarf besteht, darüber gibt es keine zwei Meinungen in Verwaltung und Politik. Doch das Ausmaß des Gäste-Rückgangs kam für Museumsleiter Rüdel selbst offenbar auch etwas überraschend. Schließlich war, haushaltstechnisch ausgedrückt, lediglich ein „Deckungsgrad von sieben Prozent“ erreicht worden. Im Umkehrschluss heißt das: Die Stadt bezuschusst ihr Stadtmuseum zu 93 Prozent. Allerdings entspricht dieser Kostendeckungsgrad dem bundesdeutschen Durchschnitt bei Einrichtungen wie dem Stadtmuseum, heißt es in der Verwaltungsvorlage für den Kulturausschuss. Erklärungen für die geringe Neigung vieler Einheimischer und Touristen, das Stadtmuseum im altehrwürdigen Günderothschen Hof aufzusuchen, finden sich ebenfalls in der Vorlage. Darin sieht Rüdel für das schlechte Abschneiden im Jahr 2013 auch das Wetter in der Mitschuld. „Der bis in den April dauernde strenge Winter führte zu einem Besuchereinbruch im ersten Quartal“, vermerkt er. Als kontraproduktiv für Museumsbesuche habe sich danach auch das anhaltende Hochsommerwetter mit Hitze und geringen Niederschlägen erwiesen. Und die Hoffnung, dass sich die aus München übernommene Schau „Nude Visions – 150 Jahre Körperbilder in der Fotografie“ zu einem besonderen, auch medialen Anziehungspunkt gestalten würde, wurde enttäuscht. Vielleicht deshalb, weil in der Öffentlichkeit „ein gewisser Ermüdungseffekt“ in puncto Aktfotografie eingetreten ist, mutmaßt er.

Doch Hoffnung schöpft Rüdel für die Bilanz 2014. Turnusgemäß finden in diesem Jahr wieder Veranstaltungen statt, die erfahrungsgemäß viel Publikum anziehen. Da feiert das Stadtmuseum sein Weinfest (am 11. Juli), und auch die seit Mitte Mai laufende Bilderausstellung mit dem Unterwasserfotografen David Doubilet hat ein großes Echo gefunden, sogar in den ZDF-Heute-Nachrichten wurde darüber berichtet.

Bilderausstellungen sollen im Rahmen eines Jubiläums stattfinden: 175 Jahre Fotografie. Diesem Anlass will Rüdel gleich mehrere „hochkarätige Ausstellungen“ widmen. So folgt der Unterwasser-Bilderausstellung im Herbst eine Präsentation von Schwarz-Weiß-Fotografien von Christian von Alvensleben. Themen wie die Urformen des Lebens sowie die Vergänglichkeit des Menschlichen spielen dabei eine Rolle.

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