Schleswig : Besucher-Boom im Stadtmuseum

Museumsleiter Holger Rüdel (links) und seine Mitarbeiterin Dörte Beier zeigten gestern dem Sylter Inselfotografen Hans Jessel (Mitte) das Museum, in dem er demnächst erstmals auf dem Festland seine Bilder präsentiert.
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Museumsleiter Holger Rüdel (links) und seine Mitarbeiterin Dörte Beier zeigten gestern dem Sylter Inselfotografen Hans Jessel (Mitte) das Museum, in dem er demnächst erstmals auf dem Festland seine Bilder präsentiert.

17 200 Menschen wollten im vergangenen Jahr die Ausstellungen im Günderothschen Hof, dem Schleswiger Stadtmuseum sehen. Ein Fotograf aus Amerika war der Erfolgsgarant.

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22. Januar 2015, 07:19 Uhr

„Die Besucherzahlen sind 2014 gegenüber dem Vorjahr um 81 Prozent gestiegen“, freut sich der Leiter des Stadtmuseums, Holger Rüdel. Auch wenn er diesen Zuwachs etwas relativieren muss: Schließlich startete man angesichts von knapp 9500 Besuchern im Jahr 2013 auf einem äußerst niedrigen Niveau. Dennoch – mit einem Plus von rund 7700 auf knapp 17  200 Besucher scheint vorerst eine Trendwende geschafft – auch wenn das Spitzenergebnis von 2009 nicht wieder erreicht wurde, als die Haribo-Gummibärchen-Ausstellung die Mengen anlockte. Doch erstmals seit vier Jahren kommen wieder mehr Menschen in das Haus an der Friedrichstraße.

Die Gründe für diese „sehr erfreulichen Zahlen“ sieht Holger Rüdel einerseits in den insgesamt gestiegenen Besucher- und Übernachtungszahlen in Schleswig. „Von diesem Kuchen haben wir etwas abbekommen“, erklärt er. Ein anderer Grund sei die Ausstellung des amerikanischen Unterwasserfotografen David Doubilet gewesen, die sich zu einem wahren Magneten entwickelt habe. Zwischen Mai und November hätten mehr als 9000 Besucher die Ausstellung besucht. Beim Durchlesen des Gästebuches wurde deutlich: Viele von ihnen sind gezielt aus dem Süden und Westen Deutschlands angereist, um die Bilder zu sehen. „Das war eine der besten Fotoausstellungen, die wir je hatten“, freut sich Rüdel über den Erfolg. Dieser sei übrigens auch finanziell messbar: Die Einnahmen in Höhe von 58  339 Euro seien gegenüber dem Vorjahr um 87 Prozent gestiegen: „Die Zahlen stimmen“, betont Holger Rüdel. Dabei waren die Voraussetzungen nicht alle günstig: „Das gute Wetter im Sommer oder Veranstaltungen wie die Fußball-WM halten Menschen oft davon ab, in Museen zu gehen“, weiß Rüdel. Die Folgen hielten sich im Schleswiger Stadtmuseum allerdings in Grenzen.

Der positive Trend hält auch in der eher schwachen Winterzeit an. So habe die Ausstellung „Die fabelhafte Welt des Hans-Ruprecht Leiß“ seit ihrem Beginn im Dezember „einen phänomenal guten Auftakt“ hingelegt. Über 1500 Besucher hätten die Bilder des Flensburger Künstlers bereits gesehen. „Gerade am letzten Wochenende waren 150 Besucher da“, kommt er richtig ins Schwärmen. „Das ist ein guter Start ins neue Jahr“.

Auch für die kommenden elf Monate hat sich das Team vom Stadtmuseum viel vorgenommen. Da Naturfotografie eines der beliebtesten Themen sei, findet vom 27. Februar bis 25. Mai zum dritten Mal eine Ausstellung mit den Siegerfotos des Wettbewerbs Europäischer Naturfotograf des Jahres statt. Die diesjährige Sommerausstellung „Sylt trifft Schlei“ lockt vom 5. Juni bis 13. September mit Naturaufnahmen von den einzigartigen Küstenlandschaften der Nordseeinsel. Fotokünstler Hans Jessel, den die Wissenschaftliche Leiterin des Stadtmuseums, Dörte Beier, gestern durch die Ausstellungsräume führte, stellt erstmals auf dem Festland aus. Dabei sind die Bilder nicht kitschig, sondern setzen sich kritisch mit den menschlichen Einflüssen auseinander. Ergänzend dazu wird der Fotoclub Schleswig „urbane Landschaften“ der Schleiregion ausstellen.

Überraschend bunte und schöne Einblicke in die unbekannten Seiten des afrikanischen Kontinents wird der französische Fotograf Pascal Maitre vom 25. September bis 22. November gewähren. Die Ausstellung kommt direkt aus Paris nach Schleswig und wird erstmals in Deutschland gezeigt. Schleswig-Fans kommen am Jahresende auf ihre Kosten: Am 11. Dezember startet die Ausstellung „150 Jahre – ein fotografischer Rückblick“. Dafür habe man das Bildarchiv gesichtet. „Ich schätze mal, dort befinden sich 15000 fotografische Einheiten“, so Holger Rüdel. Gut 130 dieser „Bildschätze“ von 1850 bis 2000 werden ausgestellt. Darüber hinaus „möchten wir historische Aufnahmetechniken erklären“, ergänzt er.

Endlich beschlossen ist dagegen die Umsetzung der lange geplanten Zusammenarbeit mit Schleswigs Schulen. Die Domschüler erhalten vom 7. bis 22. März ein Schaufenster für ihre Kunstwerke von Malerei über Grafik bis zu Fotografien und Plastiken. Und in Kooperation mit Dannewerkschule und Arbeiterwohlfahrt werden Jugendliche aus Schleswigs Süden ihren Stadtteil fotografisch erkunden. Damit leiste das Museum einen Teil zur „Stadtteilkultur“, ist Holger Rüdel überzeugt.

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