Plastikskandal : Besuch von der Staatsanwaltschaft

Als Anschauungsmaterial hatte Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs während der Sitzung des Werkausschusses „normalen Müll“ ausgebreitet, der am Ufer der Schlei aufgesammelt wurde.
Als Anschauungsmaterial hatte Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs während der Sitzung des Werkausschusses „normalen Müll“ ausgebreitet, der am Ufer der Schlei aufgesammelt wurde.

Ermittler sichern Dokumente bei den Stadtwerken. Geschäftsführer Schoofs rechnet mit Kosten von bis zu 1,5 Millionen Euro.

von
20. April 2018, 07:00 Uhr

Am Dienstag noch hatte sich Stephan Dose beklagt. „Wo bleibt eigentlich die Staatsanwaltschaft? Es wundert mich sehr, dass die sich noch nicht haben blicken lassen“, meinte der Vorsitzende des Bauausschusses während der Sitzung des Gremiums, in der der Plastikskandal noch einmal im Fokus stand. Nur einen Tag später, während einer Sondersitzung des Werkausschusses, konnte Stadtwerkechef Wolfgang Schoofs dann Vollzug melden. „Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Landeskriminalamt waren heute hier“, erklärte er. Unter anderem hätten die Ermittler „die gesamte Vetragshistorie zwischen uns und der Firma Refood kopiert“.

Dass Schoofs weiterhin davon überzeugt ist, dass die Stadtwerke gute Karten haben im Rechtsstreit mit der Lieferfirma, machte er in beiden Ausschüssen noch einmal deutlich. Für ihn sei in dem Vertrag eindeutig festgelegt, dass Refood die Verpackungsreste aus den Speiseresten hätte herausfiltern müssen, bevor diese an das Schleswiger Klärwerk geliefert wurden, um dort daraus Energie zu gewinnen. Zudem erklärte er, dass die Auswertung von 1725 Lieferscheinen ergeben habe, dass die angelieferten Gärreste erst ab November 2016 Kunststoff enthielten (0,01 Prozent). Allein im Januar 2018 sei dieser Wert mit 0,08 Prozent deutlich höher angegeben worden. „Das belegt für uns eindeutig, dass es sich hier nur um ein temporäres Ereignis handelte und wir nicht über Jahre tonnenweise Plastik in die Schlei eingeleitet haben, wie es ja oft geheißen hat.“

Dennoch, so Schoofs, werde man weiterhin in und an der Schlei aufräumen. 7700 Arbeitsstunden hätten seine Mitarbeiter sowie freiwillige Helfer bereits darin investiert. Knapp 360 Tonnen Müll sind dabei eingesammelt worden. 99 Prozent davon seien allerdings abgestorbenes Schilf und Algen, in denen sich die kleinen Plastikteile verfangen haben. „Außerdem haben wir Unmengen an anderem Müll eingesammelt, der definitiv nicht aus unserer Kläranlage stammt“, sagte Schoofs. Demonstrativ hatte er mehrere Säcke mit dem Unrat während der Werkausschuss-Sitzung auf dem Fußboden verteilen lassen. „Damit will ich nicht ablenken, sondern zeigen, dass die Schlei auch noch andere Probleme als unsere Plastikschnipsel hat“, so Schoofs.

Mit Kosten von bis zu 1,5 Millionen Euro rechnet der Stadtwerke-Geschäftsführer für Arbeitseinsätze und Anschaffungen, die mit dem Plastikskandal in Verbindung stehen. Hinzu kommen auch Verluste. Allein 400 000 Euro an eingeplanten Erlösen fehlen den Stadtwerken seit Anfang des Jahres, weil die Vergärung der Speisereste eingestellt wurde und ein Blockheizkraftwerk deshalb so gut wie stillsteht. „Wir können also deutlich weniger Ökostrom vermarkten“, so Schoofs.

Fest stehe jedoch schon jetzt: Die Haftpflichtversicherung über den sogenannten Kommunalen Schadensausgleich wird nicht für die Kosten aufkommen. Also werde man zunächst geplante Investitionen wie etwa die Sanierung von Rohrnetzen zurückstellen müssen. Auch die Eigenkapitalausschüttung an die Stadt werde wegfallen. Ob später auch die Abwassergebühren erhöht werden müssen – und somit die Verbraucher zur Kasse gebeten werden –. „das kann ich noch nicht sagen“, meinte Schoofs. Dies müsse am Ende die Ratsversammlung entscheiden.

Ein Großteil der Schleswiger Politik sowie Bürgermeister Arthur Christiansen stellten sich indes erneut demonstrativ hinter Schoofs, der selbst noch einmal jeglichen Rücktrittsforderungen eine Abfuhr erteilte. „Ich werde mich nicht aus dem Staub machen.“ Umso mehr wird es ihm gefallen haben, dass sowohl Vertreter der CDU als auch der SPD und des SSW die Stadtwerke für ihr Engagement und die „transparente Informationspolitik“ lobten. Allein Steffen Hempel von den Grünen stellte mehrfach kritische Frage in Richtung Werksleitung. Unter anderem bezweifelte er, dass die Lieferscheine die tatsächliche Menge des in den Lebensmittelresten enthaltenen Plastiks ausweisen (Schoofs spricht von insgesamt 488 Kilogramm). Zudem monierte er, dass die Stadtwerke bei der Eingangskontrolle der Ware Fehler gemacht hätten.

Dies wiederum brachte Sönke Büschenfeld von der SPD, gleichzeitig Vorsitzender des Stadtwerke-Aufsichtsrates, auf den Plan. Er wundere sich, „dass nach dem ausführlichen Vortrag von Herrn Schoofs überhaupt noch Fragen offen geblieben sind“. Offenbar, so Büschenfeld, wolle Hempel den Stadtwerken „etwas unterstellen“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen