zur Navigation springen

Schleswiger Stadthafen : Besuch bei der alten Dame

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der norwegische Fotograf Peter Lukas überwintert an Bord seiner „MS Sjøtor“ im Stadthafen – und arbeitet dabei an einem Bildband über Schleswig.

von
erstellt am 08.Nov.2014 | 15:30 Uhr

Es ist immer eine Frage des Blickwinkels. Deswegen klingt es auch nur im ersten Moment etwas komisch, wenn Peter Lukas sagt: „Wir wollten den Winter im Süden verbringen. Deswegen sind wir nach Schleswig gekommen.“ Denn er und seine Frau Maria sind vor einigen Wochen mit ihrem Motorschiff „MS Sjøtor“ in Norwegen aufgebrochen, um an der deutschen Küste ein geeignetes Quartier für die kalte Jahreszeit zu finden. Gelandet sind sie schließlich im Schleswiger Stadthafen.

„Ich kannte die Schlei schon, weil ich mal vor 20 Jahren in Kappeln ein Segelboot gekauft habe. Das hat mir damals gut gefallen“, erzählt Peter Lukas. Und damals hatte er sich auch vorgenommen, eines Tages zurückzukommen. Ein Wunsch, der jetzt endlich in Erfüllung gegangen ist. Allerdings nicht nur aus privaten, sondern auch aus beruflichen Gründen. Denn Lukas möchte Schleswig ein fotografisches Denkmal setzen. Dazu will er bis zum kommenden Frühjahr an einem Bildband über die Stadt arbeiten, bei dem er alten Fotos von vor 100 Jahren neue gegenüberstellt. „Dazu arrangiere ich für meine Bilder möglichst alles so, wie es die Fotografen damals auch gemacht haben. Ich suche denselben Standort, achte auf dasselbe Wetter, Licht und dieselbe Tageszeit. Auch Blende und Brennweite müssen stimmen“, sagt der 44-Jährige, der auf diese Art schon vier Bücher von norwegischen Städten, darunter auch seine Heimatstadt Grimstad, veröffentlicht hat. „Ich versuche, mit meiner Arbeit die Seele der alten Bilder und Zeiten wieder aufsteigen zu lassen. Es ist eine tolle und sehr intime Art, sich einer Stadt zu nähern.“

Dass das auch in Schleswig gut funktionieren kann, davon ist Lukas nach mehreren Schnupper-Spaziergängen und ersten Stöbereien im Stadtarchiv fest überzeugt. „Schleswig ist wunderschön. Hier gibt es viel mehr Schätze zu entdecken als in anderen Städten dieser Größe“, sagt er. Besonders der „Charme des Vergangenen, ohne dabei schäbig zu wirken“, gefalle ihm. „Deswegen würde ich Schleswig – ohne übertreiben zu wollen – als schöne, alte Dame bezeichnen“, schwärmt Lukas und fügt mit Blick auf die Wikinger in Haithabu an: „Norweger haben hier ja auch irgendwie ihre Wurzeln. Da passt es doch gut, dass wir jetzt da sind.“

Tatsächlich jedoch ist Lukas gebürtiger Österreicher. Mit 18 Jahren packte er seine Sachen, wanderte in den Norden aus und hat inzwischen längst einen norwegischen Pass. Viele Jahre arbeitete der ausgebildete Maschinenbauer, der auch das Kapitänspatent hat, als Berufstaucher, hat Wracks gehoben, unter Wasser Schiffsschrauben ausgetauscht und Steganlagen repariert. Damit ist nun – bis auf wenige Ausnahmen – Schluss. Statt zur Taucherausrüstung greift er jetzt immer öfter zur Kameratasche.

Sein Schiff aber, mit dem er jahrelang zu seinen Aufträgen gefahren ist, hat er behalten – und nach und nach zur schwimmenden Wohnung ausgebaut. 70 Quadratmeter stehen Lukas und seiner Frau nun an Bord der 1990 in Tallinn gebauten „Sjøtor“ zur Verfügung. Und auch wenn die eigentlich ein klassisches Arbeitsschiff sowjetischer Prägung ist, möchte Lukas auch künftig an ihr festhalten. „Sie hat echten Charakter. Und ihr 90 PS starker russischer Sechs-Zylinder-Motor ist eine wahre Ewigkeitsmaschine. Ich glaube, der hält für immer“, sagt er.

Ob das auch für seine neu entdeckte Liebe zu Schleswig gilt, wird man sehen. Zunächst aber ist Peter Lukas nicht nur von der Stadt begeistert, sondern auch von deren Bewohnern. „Die Leute sind alle freundlich und neugierig. Viele fragen uns, wo wir herkommen, und sind an dem Schiff interessiert. Das ist ein ganz angenehmes Willkommensein.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen