zur Navigation springen

Danewerk und Haithabu : Bessere Chancen im Alleingang?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Kulturministerin Anke Spoorendonk stellt die neue Bewerbung von Danewerk und Haithabu zum Weltkulturerbe vor.

von
erstellt am 14.Dez.2016 | 13:15 Uhr

Der neue Antrag ist weniger ambitioniert, bietet aber immerhin eine kleine Chance, das ersehnte Ziel doch noch zu erreichen: Kulturministerin Anke Spoorendonk stellte gestern dem Kabinett den neuen Antrag vor, mit dem das archäologische Denkmal-Ensemble Haithabu und Danewerk zum Unesco-Welterbestätte werden soll.

Im vergangenen Jahr war ein gemeinsamer Antrag mit Stätten in Dänemark, Island, Norwegen und Lettland gescheitert. Er wurde „zur grundsätzlichen Überarbeitung“ an die Antragstaaten zurückverwiesen. Das schien zunächst das Ende des ehrgeizigen Plans zu sein, denn aus Sicht der Partner war eine Überarbeitung nicht möglich. Man entschloss sich, das gemeinsame Vorhaben nicht weiterzuführen. „Wir haben uns dann aber entschlossen, Haithabu und Danewerk als Einzelantrag zu nominieren. Nach den Regularien gibt es für uns die Möglichkeit, über die deutsche Probeliste 2017 einen zusätzlichen Einzelantrag in Form einer Nominierung als Kulturlandschaft einzureichen“, erläuterte Spoorendonk. „Dazu musste der neue Antrag auf dieses besondere Ensemble konzentriert werden – und nicht wie im ersten Anlauf als archäologische Stätte, sondern als Kulturlandschaft.“ Eine Eintragung in die Unesco-Liste wäre nach Einschätzung der Ministerin ein großer Erfolg für die Region und für Schleswig-Holstein insgesamt.

Die Neu-Nominierung trägt den Titel „Die archäologische Grenzlandschaft von Haithabu und dem Danewerk“. Die Bewerbung konzentriert sich auf die besondere Bedeutung durch die Grenzlage an der Schleswiger Landenge, die in der Wikingerzeit auch zum Handelsknoten zwischen Nord- und Ostsee wurde. Es wird dargestellt, dass das Verteidigungssystem Danewerk und das Handelszentrum Haithabu die Austragung von Konflikten und die Konzentration von Macht in Südskandinavien zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert verkörpern. Die Grenzlandschaft zeige auch den Austausch und den Handel zwischen dänischen, fränkischen, sächsischen und slawischen Gebieten und Eliten. Danewerk und Haithabu hätten eine wissenschaftliche Schlüsselstellung für die Interpretation und das Verständnis des historischen Wandels in der Wikingerzeit. Die Vielfalt und die Qualität der archäologischen Zeugnisse von Haithabu und Danewerk weisen auf die einzigartige Rolle dieser Landschaft als Mitte eines Grenzraums zwischen dem christlichen Kontinent und den skandinavischen Gesellschaften hin, was sie zum einzigartigen Zeugnis der Geschichte Nordeuropas erhebt.

Der jetzige Antrag unterscheidet sich vom vorherigen vor allem in seiner Reduktion auf Haithabu und Danewerk, die vorher nur eine Komponente unter mehreren waren.

Matthias Maluck vom Archäologischen Landesamt war als Projektleiter schon für den ersten Antrag zuständig. Die neue Version beschreibt er als räumliche Einschränkung und inhaltliche Ausweitung. „Das Danewerk und Haithabu sind ohne die besondere Landschaft nicht denkbar. Dem tragen wir nun Rechnung.“ An Stelle einer eher abstrakten Darstellung der Wikinger-Kultur werde es nun konkreter. „Das entspricht eher den klassischen Anträgen, die schon häufig zum Erfolg geführt haben.“ Der Hinweis auf die Bewerbung als Weltkulturerbe habe schon in der Vergangenheit geholfen, wenn es um Fördermittel ging. Von einer Anerkennung verspricht sich Maluck einen weiteren Schub für die Regionalentwicklung und den Tourismus: „Es geht unter anderem darum, die Waldemarsmauer zu erhalten und mehr Touristen anzusprechen, ohne dass die archäologischen Denkmale gefährdet werden.“

„Wir haben schon sehr bald nach dem Desaster der Ablehnung wieder mit der Arbeit begonnen“, erläutert Nis Hardt, der Leiter des Danewerk-Museums. Er ist sich sicher, dass es diesmal klappt und Danewerk und Haithabu noch mehr Aufmerksamkeit bekommen: „Ich bin zuversichtlich“, sagte er.

Der weitere Zeitplan ist eng getaktet: Bis morgen muss das Ministerium die Bewerbung im Sekretariat der Kultusministerkonferenz eingereicht haben, am 1. Februar muss der vollständige Antrag im Unesco-Welterbezentrum in Paris vorliegen. Die anschließende Prüfung soll im Mai 2018 abgeschlossen sein. Zuständig dafür ist der Internationale Rat für Denkmalpflege in Abstimmung mit der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen. Das Ergebnis wird spätestens im Mai 2018 verkündet.








zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen