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Ratsversammlung Schleswig : Beschlossen: Stadt kauft die „Heimat“ auf der Freiheit

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Ratsversammlung hat zugestimmt: Das Landestheater spielt ab 2017 auf der Freiheit.Die Verwaltung soll gemeinsam mit den Stadtwerken ein Betreiberkonzept erarbeiten.

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erstellt am 14.Dez.2015 | 19:30 Uhr

Drei Jahre lang wurde in der Ratsversammlung teilweise erbittert über das Thema Theater gestritten. Gestern nun segneten die Kommunalpolitiker in der letzten Sitzung des Jahres einstimmig den Deal ab, der allgemein als große und vielleicht auch letzte Chance für Schleswig gefeiert wird: der Kauf des ehemaligen Bundeswehr-Mannschaftsheimes durch die zum Stadtwerkeverbund gehörende Schleswiger Kommunalbetriebe GmbH. Dort auf der Freiheit soll ein multifunktionales Kulturhaus entstehen, in dem auch das Landestheater künftig seine Spielstätte haben wird. Am kommenden Donnerstag werden die Kommunalbetriebe und die Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi den Kaufvertrag unterschreiben. Team Vivendi streicht für das Gebäude, in dem seit 2012 das Varietétheater „Heimat“ von Mario Hoff seinen Sitz hat, eine Million Euro ein.

„Ein erschwinglicher Preis“, wie CDU-Fraktionschef Holger Ley befand. Er nannte den Kauf des Gebäudes „die einzig praktikable Lösung“. Zugleich räumte Ley ein, dass die Immobilie auf der Freiheit „nicht das Optimum“ sei. „Auch wir hätten uns lieber einen Neubau im Lollfuß gewünscht.“

Ähnlich äußerte sich die grüne Ratsfrau Babette Tewes. Allen Akteuren sei bewusst, dass das Mannschaftsheim nicht die ideale Lösung sein könne. „Eine Altbausanierung beinhaltet immer gewisse finanzielle Risiken.“ Gleichwohl habe man nun die reelle Chance, dem Landestheater eine Spielstätte bieten zu können.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Stephan Dose betonte, dass mit dem Kauf der „Heimat“ ein deutliches Signal Richtung Landestheater gesetzt werde, dass die Stadt über das im Gesellschaftervertrag festgelegte Jahr 2019 hinaus Bühnenstandort bleiben will. Zudem bekomme Schleswig nun endlich ein Kulturhaus, in dem ein sehr breites Angebot vorgehalten werde. Dose wies jedoch auch auf die Risiken hin, die mit dem jetzigen Modell verbunden seien. Es müssten innerhalb kürzester Zeit Umbauarbeiten erfolgen – und das bei laufendem Varieté-Betrieb. Die Stadt hat die Ausweichspielstätte Slesvighus nur noch bis 2017 angemietet. Auch gebe es keinen Bebauungsplan für den östlichen Teil der Freiheit, wie Dose hervorhob. Ein solcher ist nach Einschätzung von Experten erforderlich, wenn die „Heimat“ zum Beispiel mit einem Bühnenturm versehen werden soll.

Bürgermeister Arthur Christiansen lobte, dass nunmehr alle Fraktionen an einem Strang zögen. In stundenlangen Gesprächen hätten sich alle Beteiligten auf die jetzige Lösung geeinigt. „Mit größter Zufriedenheit“ habe er deshalb auch seine Vorlage zu einer Vertragsverlängerung mit dem dänischen Kulturverein SSF zurückgezogen. Der fertig ausgehandelte Vertrag sah vor, dass die Stadt das Slesvighus bis zu zwölf weitere Jahre pachtet. Zwar gab es eine Ausstiegsklausel, jedoch hätte Schleswig unabhängig von der Laufzeit einen „Baukostenzuschuss“ in Höhe von 1,2 Millionen Euro an den SSF zahlen müssen. Das wollten die Fraktionen nicht mittragen. Christiansen sagte nun: „Es ist klug, dass man die Mittel auf der Freiheit bündelt.“

Der Bürgermeister machte aber auch deutlich, dass es „nicht so einfach“ sei, schnell das notwendige Baurecht auf der Freiheit zu schaffen. Stephan Dose und Harry Heide (SSW) schlugen vor, gegebenenfalls beim SSF anzufragen, ob man das Slesvighus für zwei weitere Jahre als Übergangsspielstätte für das Landestheater nutzen könnte. Dafür waren dem dänischen Kulturverein vorsorglich 200  000 Euro Pacht pro Jahr angeboten worden. Man habe für den Notfall jedoch auch andere Alternativlösungen in petto, erklärte Christiansen, ohne Details zu verraten.

Unklar bleibt weiterhin, was der Umbau der „Heimat“ kosten wird. FDP-Ratsherr Jürgen Wenzel zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass der ursprünglich von der Ratsversammlung gefasste Beschluss, dass der städtische Anteil an einem Theaterbau fünf Millionen Euro nicht überschreiten darf, nunmehr eingehalten werden könne. Ebenso unklar ist auch die Organisation des künftigen Kulturhauses. Die Ratsversammlung beauftragte die Verwaltung, gemeinsam mit der Kommunalbetriebe GmbH ein Konzept für die Gründung und den Betrieb einer Betreibergesellschaft zu erarbeiten. Dazu soll eine Beratungssozietät hinzugezogen werden.

Unabhängig davon werteten mehrere Redner die geplante Investition auch als Signal für die weitere Entwicklung auf der Freiheit. Babette Tewes etwa sagte: „Wir bekennen uns zu dem Stadtteil.“

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