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Schleswig : Bescherung auf der Freiheit: "Heimat"-Vertrag ist unterschrieben

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Der Kauf der „Heimat“ ist besiegelt – und alle Beteiligten sind zufrieden / Hoffen auf Schub für weitere Entwicklung des neuen Stadtteils

von
erstellt am 17.Dez.2015 | 17:32 Uhr

Diese Geschwindigkeit hat Peter Grisebach überrascht. Positiv überrascht. „Wenn das Tempo so bleibt, mache ich mir keine Sorgen, dass wir zur Spielzeit 2017/2018 auf die Freiheit ziehen“, meinte der Geschäftsführer und Generalintendant des Landestheaters. Kurz zuvor hatten Stadtwerke-Chef Wolfgang Schoofs und Thorsten Rupp, Generalbevollmächtigter der Entwicklungsgesellschaft Team Vivendi, ihre Unterschriften unter den Kaufvertrag zum ehemaligen Bundeswehr-Mannschaftsheim gesetzt. Erst am Montag hatte die Ratsversammlung einstimmig den Weg frei gemacht hin zu einem Kulturzentrum auf der Freiheit.

Es hatte etwas von einem vorgezogenen Weihnachtsfest, als die Protagonisten des Deals gestern Mittag in der Stadtwerke-Zentrale einträchtig beisammen saßen. Irgendwie fühlten sich eine Woche vor Heiligabend alle reichlich beschenkt – und sparten dementsprechend nicht mit warmen Worten. „Wir haben heute sehr faire Verhandlungen zu Ende gebracht“, befand Thorsten Rupp. „Dieser Vertrag kommt vielen zugute, vor allem der Stadt Schleswig.“ Team Vivendi habe mit dem Verkauf des Gebäudes „einen wesentlichen Beitrag“ geleistet, dass das Landestheater eine Zukunft an der Schlei habe. Und für die weitere Entwicklung der Freiheit sei die öffentliche Investition ein „Riesenschritt“. Eine Million Euro bekommt Team Vivendi von der zum Stadtwerke-Verbund gehörenden Schleswiger Kommunalbetriebe GmbH überwiesen.

Bürgermeister Arthur Christiansen lobte derweil Stadtwerke-Chef Schoofs – und auch seine eigene Arbeit: „Ich finde, wir haben eine sehr gute Arbeitsteilung hinbekommen“, betonte er und verwies darauf, dass er seit dem Sommer guter Hoffnung gewesen sei, die Theaterfrage endlich zu einem positiven Ende zu bringen. „Wir haben eine Riesenbaustelle geschlossen“, jubilierte Christiansen.

Investorin Susanne Schöning wiederum, die seit zehn Jahren viel Geld und Herzblut in die Entwicklung des Stadtteils auf der Freiheit steckt, würdigte das „sehr professionelle“ Handeln von Schoofs. „Sie haben die Chance unternehmerisch beim Schopfe gepackt“, sagte sie an seine Adresse gewandt.

Schoofs stellte einige Details zum Kaufvertrag vor. Demnach übernehmen die Kommunalbetriebe nicht nur den Gebäudekomplex, in dem das Varietétheater „Heimat“ sein Zuhause hat, sondern auch ein östlich angrenzendes 4700 Quadratmeter großes Wald-Grundstück. Dort soll ein Parkplatz entstehen, bereits Anfang kommenden Jahres werde man mit den Arbeiten beginnen, kündigte der Stadtwerke-Chef an. Um eine Zufahrt zum Gebäude auch während möglicher Bauarbeiten auf der Freiheit jederzeit sicherzustellen, wird von Norden kommend eine zusätzliche Straße errichtet. Die entsprechenden Flächen haben sich die Kommunalbetriebe von Team Vivendi gesichert. „Der Kaufpreis hat sich dadurch nicht geändert“, versicherte Schoofs.

Um das Tempo hochzuhalten, begannen bereits am Nachmittag die Gespräche über den Zeitplan für den Umbau des Gebäudekomplexes. Ob am Ende tatsächlich auch Opern und Operetten und nicht nur Schauspiel im Mannschaftsheim geboten werden können, ist derweil noch ebenso unklar wie das künftige Arrangement zwischen „Heimat“ und Landestheater. Denn es gilt, einen Kompromiss zu finden zwischen privatwirtschaftlich finanzierter Unterhaltung und öffentlich subventionierter Hochkultur.

Fest steht nach den Worten von Schoofs, dass die Kommunalbetriebe nicht selbst zum Betreiber des Kulturzentrums werden und somit auch nicht etwaige Defizite ausgleichen werden. Für den Betrieb soll eine eigene Kultur-Gesellschaft gegründet werden. Diese wird das Gebäude von den Kommunalbetrieben mieten.

Ungewiss bleibt unterdessen auch, ob die Entwicklung des östlichen Teils der Freiheit mit der Investition ins Mannschaftsheim tatsächlich schon bald wieder Fahrt aufnimmt. Sowohl der Bau der geplanten Seniorenresidenz als auch des Binnenhafens hänge vom Planungsrecht ab, machte Thorsten Rupp deutlich. Ein Bebauungsplan fehlt auch deshalb, weil die benachbarte A.P.-Møller-Schule Bedenken gegen die Vorhaben geltend gemacht hat. Der Investor für die Seniorenresidenz habe sein Interesse an dem 30-Millionen-Euro-Projekt zwar noch nicht verloren, so Rupp. Allzu lange werde man ihn aber nicht mehr hinhalten können.

Bekannt wurde gestern immerhin, dass Susanne Schöning von der Stadt die Genehmigung für den Bau ihres geplanten Zen-Klosters am äußersten Rand des ehemaligen Kasernenareals erteilt bekommen hat. Die Unternehmerin („Zwergenwiese“) wollte sich jedoch noch nicht zu Details des Projektes äußern. Ebenso ließ sie offen, wann die Sanierung des ehemaligen Offizierskasino im vorderen Teil der Freiheit beginnt. Schöning hatte das Gebäude vor wenigen Monaten gekauft. Dort soll wieder ein Restaurant einziehen.

Siehe auch Seite 8

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