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Grundschule Hollingstedt wird geschlossen : Beifall nach einer hitzigen Sitzung

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Amtsausschuss triff noch keine Entscheidung über andere Standorte und einen Neubau in Silberstedt.

Nach einer zweistündigen Sitzung in teilweise vergifteter Atmosphäre schaffte es der Arensharder Amtsausschuss mit seinem Beschluss eine Art Weihnachtsfrieden zu erreichen. Das Votum war einstimmig: Die Außenstelle Hollingstedt der Grundschule Schuby wird nach dem Schuljahresende geschlossen, den Eltern wird empfohlen, ihre Kinder in Treia anzumelden. Darüber hinaus sollen bis zum Ende des Schuljahres weitergehende Abwägungen unter externer Moderation besprochen werden. Ziel ist die Stärkung der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule in Silberstedt – und dafür werden die Grundschul-Standorte in Treia, Jübek und Schuby unter die Lupe genommen.

Damit rückte der Ausschuss zunächst deutlich von der Empfehlung des Schulausschusses ab, der für die Schule in Hollingstedt noch eine zweijährige Schonzeit, den Bau einer neuen Grundschule in Silberstedt und dann auch die Schließung der Grundschule Treia vorsah. Der Neubau ist mit dem Beschluss allerdings nicht vom Tisch – es wird jetzt wohl eher darum gehen, in welchen Dimensionen die neue Schule gebaut wird.

Das schnelle Aus für Hollingstedt war Ergebnis einer Zusammenkunft von Eltern, die sich mit großer Mehrheit dafür aussprachen, ihre Kinder sehr wohl nach Treia schicken zu wollen. Bürgermeisterin und Amtsausschuss-Vorsitzende Petra Bülow hatte drei Wochen zuvor noch behauptet, dass kein Hollingstedter Schüler nach Treia wechseln wolle. „Die Schule ist nicht zu halten“, bekannte sie jetzt. Und stellte klar, dass für sie kein Weg an einem Neubau in Silberstedt vorbeiführe. Man müsse aber auch überlegen, ob es eine Lösung sei, die Schule in Treia „aufzupeppen“.

Die Einwohnerfragestunde war geprägt vom Bestreben Treianer Gemeindevertreter und Eltern, ihre Grundschule zu retten. Neben Argumenten, Appellen und provokanten Fragen kam es dabei allerdings auch zu Misstönen. So fragte Gemeindevertreterin Annegret Marsch Petra Bülow direkt, ob sie als Amtsvorsteherin nicht zur Neutralität verpflichtet sei – ohne dies näher auszuführen. Die Angesprochene schien zunächst sprachlos und riet dann, dies an anderer Stelle zu besprechen, weil es sich ja wohl um einen persönlichen Vorwurf handle. Schließlich sprang der Jübeker Bürgermeister Herbert Will seiner Hollingstedter Kollegin zur Seite. Ziemlich genervt sprach er von „starkem Tobak“ und erklärte, dass Bülow sehr wohl für ihre eigene Gemeinde sprechen könne. Will geriet später noch gewaltig in die Schusslinie, als er sich in der Diskussion mächtig im Ton vergriff.

Um deutlich zu machen, dass alle Grundschulen in die weiteren Überlegungen einbezogen werden müssten und dass eine Zentralisierung kaum zu vermeiden sei, nahm er die eigene Schule in Jübek als Beispiel. „Vielleicht stehe ich in einigen Jahren hier und muss von sinkenden Schülerzahlen berichten. Dann heißt es auch für uns: „Heim ins Reich.“ Die Formulierung löste einen Aufschrei bei den Zuhörern aus. Es gab Äußerungen der Empörung. „Das ist nicht einmal AfD-Niveau“, rief jemand

Trotz der angespannten Stimmung gelang es dem Ausschuss, die Diskussion wieder auf eine eher sachliche Ebene zu lenken. Dazu trugen unter anderem Treias Bürgermeister Johann Nissen, sein Silberstedter Kollege Peter Johannsen und der stellvertretende Ellingstedter Bürgermeister Ove Sieh bei, die sich für eine intensive Betrachtung der gesamten Schulsituation im Amt aussprachen. Der Schritt weg vom Fokus allein auf die Grundschulen Hollingstedt und Treia kam letztlich auch bei den Treianern gut an.

Als es daran ging, aus den Gesprächen einen Antrag zu formulieren, zauberte der Leitende Verwaltungsbeamte Ralf Lausen innerhalb kürzester Zeit eine abstimmungsreife Version aus dem Hut, inklusive einer zeitlichen Beratungsfrist bis zum Ende des Schuljahres und einer Moderation des Analyseprozesses durch einen externen Berater – diese beiden Punkte waren zuvor in der Sitzung kein Thema gewesen. Ein Hinweis darauf, dass der Beschlussvorschlag nicht erst in der Sitzung entstanden war, sondern von vornherein Ziel des Ausschusses war?

Das Publikum nahm das einstimmige Votum positiv auf. Nach der Abstimmung gab es zum ersten Mal Beifall aus allen Ecken des Raumes. In die weiteren Diskussion sollen Ausschuss-Mitglieder, Gemeindevertreter und auch Elternvertreter eingebunden werden. Das Thema wird sie alle noch lange begleiten. „Jetzt beginnt die Arbeit erst richtig“, sagte ein Elternvertreter aus Treia nach der Veranstaltung.

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erstellt am 10.Dez.2016 | 07:40 Uhr

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