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Bootsbauer in Haithabu : Bei den Wikingern in der Lehre

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nachwuchs-Bootsbauer aus ganz Deutschland auf Exkursion in Haithabu. Hier sollen sie lernen, mit alten Werkzeugen zu arbeiten.

shz.de von
erstellt am 19.Sep.2014 | 08:45 Uhr

Haddeby | Bootsbaulehrling Robin Pfordte kommt ganz schön ins Schwitzen, während er den Fichtenstamm mit dem Hobel bearbeitet, um die letzten Kanten zu beseitigen. In seiner heimischen Werft am bayerischen Ammersee würde eine Maschine diese Arbeit übernehmen – 700 Kilometer weiter nördlich im Wikingermuseum Haithabu muss er selbst Hand anlegen, damit aus einem sechs Meter langen Vierkant ein perfekter Mast entsteht. Es wird so lange gehobelt, bis die Kanten verschwinden und „die Fläche vor dem Auge verschwimmt“, erklärt er.

Gemeinsam mit 19 weiteren Auszubildenden aus ganz Deutschland – darunter eine Frau – besucht er die Landesberufsschule für Bootsbauer in Lübeck. „Die Ausbildung im dualen System dauert dreieinhalb Jahre, derzeit befinden sie sich am Beginn des zweiten Lehrjahres“, erklärt Klassenlehrer Matthias Krueger. Ihm haben es die Lehrlinge zu verdanken, dass sie im Wikingerdorf fünf Tage lang die historische Dimension des Bootsbaus kennen lernen können. Es ist ein Jahr her, dass Krueger bei Haithabus Bootsbau-Experten Kai Zausch auf dem Wikingerboot mitsegelte und danach den Kontakt zum Museum aufnahm.

„Ich war sofort Feuer und Flamme“, meint Museumsleiterin Ute Drews. Es sei schön, wenn man junge Leute so in die Arbeit einbinden und ihnen dabei den historischen Bootsbau vermitteln könne. Doch es bleibt nicht bei der Erforschung der Wikingerboote im Museum, sondern geht auch in die Praxis. Und die führt ins Freie: Direkt neben dem im Bau befindlichen neun Meter langen und zwei Meter breiten Wikingerboot, das sich unter einer Zeltplane befindet, fallen die Späne. Dabei kommen nur historische Werkzeuge wie Äxte zum Einsatz. „Es ist etwas ganz anderes, schöne alte Werkzeuge verwenden zu dürfen“, meint Robin Pfordte. Gehobelt werde in der Werft zwar auch, aber in einer weniger schönen Umgebung. Zudem gibt es einen wichtigen Unterschied: „Hier dürfen wir extrem viel Holzarbeit machen. In der Werft verwenden wir eher Metall oder Plastik.“

Während die jungen Männer an Mast und zehn Riemen arbeiten, hilft der einzige weibliche Lehrling, Ida Mortensen, beim Einbau der Spanken. Die gebürtige Dänin segelte schon als Kind auf einem Wikingerboot und half bei dessen Neubau, nachdem es gekentert war. „Danach wusste ich, das will ich machen.“ Ihre Ausbildung macht sie in Berlin, und danach würde sie am liebsten an die Küste und wie Kai Zausch Wikingerboote bauen.

Zur Praxis im Freien gehört übrigens auch die Erprobung von Booten, die „ihrem“ Wikingerboot entsprechen. Einmal hinaus auf das Haddebyer Noor – und prompt kam ein Boot mit einem gebrochenen Riemen zurück. „Den muss der Lehrling jetzt neu machen“, schmunzelt Matthias Krueger, der sich über den ganzheitlichen Ansatz der Lehrzeit in Haithabu freut. Zwar lernten die Lehrlinge den modernen Bootsbau, doch gehe dieser auf alte Techniken zurück. Daher sei es „grandios“, dass sie hier bei Experten lernen könnten.

Und dieser weiß die fachkundige Hilfe zu schätzen, schließlich helfen die Lehrlinge ihm dabei, den Zeitplan einzuhalten. Ende Oktober soll das Boot fertig sein – „ein Bretterumfang fehlt noch“, so Zausch. Dann kommt das Wikingerboot, dessen Bau unter anderem von der Europäischen Union, dem Amt Haddeby, der Aktivregion Schlei-Ostsee sowie der Nospa-Kulturstiftung gefördert wird, auf dem Noor zum Einsatz. „So bekommt der seeseitige Aspekt von Haithabu mehr Tiefgang“, ist Ute Drews überzeugt.

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