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Flucht auf Schleswiger Forensik : Behörden schweigen weiter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Polizei, Staatsanwaltschaft und Sozialministerium machen keine konkreten Angaben zum Fall des am Freitag geflüchteten Insassen.

von
erstellt am 22.Feb.2017 | 07:22 Uhr

Wenn nicht am Montagnachmittag ein anonymer Anruf in der SN-Redaktion eingegangen wäre, wüsste die Öffentlichkeit noch immer nicht Bescheid. Nun jedoch hat die Polizei gestern zumindest bestätigt, dass ein Insasse der Forensischen Psychiatrie – wie berichtet – entfliehen konnte. Viel mehr war aber noch immer nicht zu erfahren. Nur, dass der Flüchtige männlich ist und in Itzehoe verurteilt wurde. Warum und seit wann er in der Einrichtung am Neufelder Weg einsaß, dazu gab es keine Angaben. Ebenso wenig wollten sich die Behörden trotz mehrfacher Nachfrage zu den Umständen der Flucht oder zu Einzelheiten zur Person äußern. Nach SN-Informationen gelang dem Insassen offenbar während eines begleiteten Freigangs die Flucht.

Das jedoch wollte Christian Kartheus, Sprecher der Polizeidirektion Flensburg, nicht bestätigen. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft hätten sich gemeinsam gegen eine öffentliche Fahndung entschieden, von weiteren Angaben wolle man deshalb Abstand nehmen. Auch Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe (sie ist zuständig, weil der Flüchtige dort verurteilt wurde), wollte sich nicht zu Details äußern. Auch auf die Frage, warum man die Öffentlichkeit in dem Fall nicht informiere, wollte er nicht konkret eingehen. „Wenn ich die Kriterien dazu erläutern würde, wäre das schon ein Teil einer Öffentlichkeitsfahndung“, sagte er. Man müsse sicherstellen, dass die Maßnahmen der Polizei ohne Hindernisse liefen. Und das passiere zurzeit. Sollte es sich aber erweisen, dass es Sinn mache, die Öffentlichkeit zu informieren und um Mithilfe zu bitten, dann werde man das machen.

Dass sich weiterhin auch Frank Lindscheid, Sprecher des für die Forensik zuständigen Sozialministeriums, nicht zu dem Fall äußern wollte, überrascht in diesem Zusammenhang nicht. Er betonte auf Nachfrage jedoch, dass es sich bei der Forensik nicht um ein Gefängnis handele und dass Freigänge für die Insassen – unter bestimmten Voraussetzungen – normal seien und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben stattfinden. Dazu erklärte bereits im vergangenen November, als öffentlich nach dem noch immer flüchtigen Forensik-Insassen Idris Musa gefahndet wurde, Lindscheids Sprecher-Kollege Frank Strutz-Pindor gegenüber unserer Zeitung: „Der Freigang ist Teil der sogenannten Vollzugslockerungen, die den Patienten der Forensik je nach Erfolg der Behandlung zustehen. Die generelle Möglichkeit einer Lockerung (...) setzt die ärztliche Einschätzung voraus, dass der Patient die Lockerung nicht zu einer Entweichung oder der Begehung von Straftaten missbrauchen werde.“

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