Neue Räume für Logopäden : Beeindruckende Hilfsbereitschaft nach Lkw-Unfall in Treia

Aufatmen in Treia – das Gebäude ist nicht einsturzgefährdet.
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Aufatmen in Treia – das Gebäude ist nicht einsturzgefährdet.

Ein Lkw krachte in die Wand einer Logopädie-Praxis. Neue Räume waren schnell gefunden. Und das beschädigte Gebäude wird wohl wieder aufgebaut.

shz.de von
29. Januar 2018, 20:43 Uhr

„Diese spontane Hilfsbereitschaft hat mich sehr beeindruckt“, erklärt René Kuniß, „ich bin ein Mensch, der ungern Hilfe annimmt, aber in diesem Fall bin ich dafür sehr dankbar.“

Schon wenige Stunden nachdem ein ins Schleudern geratener Lkw gegen die Hauswand des Wohn- und Geschäftshauses an der Treenestraße in Treia gerutscht war und ein riesiges Loch in der Wand zum Behandlungsraum des Logopäden gerissen hatte, konnte Kuniß wieder aufatmen – er hatte bereits ein Angebot für alternative Räumlichkeiten, sogar ganz in der Nähe.

Loch in der Wohnungswand: Die Möbel und Habseligkeiten von Anke und Harald Carstensen werden nun zwischengelagert.
Foto: Privat
Loch in der Wohnungswand: Die Möbel und Habseligkeiten von Anke und Harald Carstensen werden nun zwischengelagert.
 

In der Gemeinde liefen die Telefone heiß

Hilfesuchend hatte der Stimmtherapeut sich zuvor an das Amt Arensharde gewandt und um Unterstützung bei der Suche nach alternativen Räumlichkeiten gebeten. Da liefen in Treia bereits die Telefonleitungen heiß, und kurz darauf klingelte sein Mobiltelefon. Am anderen Ende machte ihm Thomas Staack, der gerade eine Messe in Frankfurt besuchte, ein Angebot. Seine Frau Gitta hatte ihn über den Unfall und darüber, dass der Logopäde dringend Räume suchte, informiert. „Für uns war es selbstverständlich, schnell zu helfen. Wir haben den Platz, und wenn wir helfen können, dann tun wir das natürlich“, sagt er. Gleich am Wochenende trafen sich die beiden Männer und sahen sich gemeinsam die Räume an. Es passte alles. „Wir haben es mit Handschlag besiegelt und einen provisorischen Mietvertrag unterzeichnet“, ergänzt er, „das gehört zu einem intakten Dorfleben dazu. Wir halten zusammen.“ Dieser Vertrag wird nun alle vier Wochen verlängert – so lange, wie es nötig ist.

Schon am Montag konnte die Logopädie-Praxis in den Räumen des Elektrotechnik-Betriebs eingerichtet werden. Allerdings fehlt eine Menge. „Viele Sachen waren einfach nicht mehr zu retten, sind zerstört oder zu stark beschädigt“, erzählt René Kuniß. Wie hoch der Verlust tatsächlich ist, kann er noch nicht genau beziffern. „Ich weiß gar nicht ganz genau, was ich alles hatte. Ich glaube, manche Dinge werde ich erst vermissen, wenn ich sie tatsächlich benötige.“

Durch den Bauschutt sind Bücher und Spiele zerstört worden. Auch Diagnostikmaterial und der Computer sind nicht mehr nutzbar. Er rechnet mit rund 5000 Euro Schaden. „Obwohl THW und Feuerwehr sich die größte Mühe gegeben haben, möglichst viel aus dem Raum zu schaffen“,, erinnert er sich. „Sie haben alle tolle Arbeit geleistet.“

Praxis im Elektro-Laden

René Kuniß ist mit seiner Praxis für Logopädie umgezogen.
Foto: Kleimann-Balke
René Kuniß ist mit seiner Praxis für Logopädie umgezogen.
 

Seine Logopädie-Praxis befindet sich nun im Büro von ETS-Elektrotechnik Thomas Staack an der Holmer Straße 1, nicht weit entfernt vom alten Standort. „Ich habe hier alles, was ich brauche: Einen Behandlungsraum, ein Wartezimmer und sogar eine Toilette – und ich darf die Küche mitbenutzen“, freut er sich. Lediglich auf den Umzug des Festnetzanschlusses wartet René Kuniß noch. „Das wird wohl ein paar Tage dauern. Bis dahin bin ich mobil unter 0157 /85903801 zu erreichen.“

Auch für seine Nachbarn hat sich die Situation etwas beruhigt. Die Mieter der Wohnung in der ersten Etage, Anke und Harald Carstensen, sind vorerst zu ihrer Tochter nach Wester-Ohrstedt gezogen. Ihnen steckt der Schreck noch tief in den Knochen. „Die ersten Nächte waren der Horror. Bei jedem Geräusch sind wir hochgeschreckt“, erzählt Harald Carstensen, „allmählich wird es besser.“

Auch das Ehepaar hat erhebliche Schäden zu verzeichnen: Die gesamte Wohnzimmereinrichtung ist kaputt, nebst Computer, Musikanlage und Fernseher. Alles andere ist durch Bauschutt und Staub verschmutzt. „Unsere restlichen Möbel und Sachen werden jetzt von einem Spediteur abgeholt, sorgfältig gereinigt und so lange eingelagert, bis sie wieder in eine Wohnung gebracht werden können“, ergänzt er. Das wollen sie aber ganz in Ruhe angehen.

Keine Einsturzgefahr

Indes haben sich die ersten Prognosen über die Einsturzgefahr des Gebäudes nicht bestätigt. „Bausachverständige und Statiker haben Entwarnung für das angeschlagene Gebäude gegeben“, erklärt Eigentümer Aksel Henken. Die beiden betroffenen Wände können neu aufgemauert werden. Familie Henken wird das Gebäude an der Treenestraße wahrscheinlich wieder aufbauen. Eine endgültige Entscheidung ist aber noch nicht getroffen. Neben dem Gebäude wurden auch Neuwagen beschädigt: sechs haben Totalschaden, zwei können repariert werden.


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