Einzelhandel am Gallberg : Baustelle in Schleswig verschreckt Kunden

Lieselotte Wittek und Marc Gerlach vom Kaufhaus 'Ahrens' leiden sehr unter der Baustelle und hoffen, dass die Stadt das Parkleitsystem zügig überarbeitet. Foto: Jennert
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Lieselotte Wittek und Marc Gerlach vom Kaufhaus "Ahrens" leiden sehr unter der Baustelle und hoffen, dass die Stadt das Parkleitsystem zügig überarbeitet. Foto: Jennert

Eine Baustelle am Gallberg in Schleswig sorgt für Ärger. Die Kaufleute klagen über irreführende Beschilderung.

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25. April 2013, 08:41 Uhr

Schleswig | Im Geschäft von Lieselotte Wittek ist seit einer Woche wenig los. "Manchmal haben wir eine halbe Stunde lang keinen einzigen Kunden", sagt die Chefin des Kaufhauses "Ahrens". Der Grund für die Misere befindet sich keine 20 Meter vom Eingang ihres Schleswiger Traditionsunternehmens entfernt. Eine neue Baustelle macht den unteren Gallberg für Fahrzeuge unpassierbar. Die Arbeiten an der Kanalisation sollen drei Monate dauern.

Für das Kaufhaus Ahrens ist das eine schwierige Situation. Denn zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres müssen Lieselotte Wittek und ihr Prokurist Marc Gerlach einen spürbaren Umsatzrückgang verkraften. Die erste Baustelle am Gallberg vor der dortigen Schule kostete sie in der Weihnachtszeit 20 Prozent ihres Umsatzes. Wie hoch der Verlust diesmal sein wird, sei nicht absehbar. Nicht nur Ahrens ist betroffen. Harry Ober vom "Wein & Whisky-Depot" spürt ebenfalls, dass die Kunden den Gallberg nicht mehr mit dem Auto ansteuern. "Es ist seit der vergangenen Woche deutlich ruhiger geworden."

Parkplätze trotz Vollsperrung

Das Vertrackte: Die Kunden könnten die Geschäfte sehr wohl mit dem Auto erreichen, aber sie scheinen es nicht zu wissen. "Die Beschilderung schreckt ab", hat Gerlach festgestellt. In der Tat: Um ein Verkehrschaos zu vermeiden, weist die Stadt weiträumig auf die Gallberg-Baustelle hin - und hat dabei offenbar des Guten zu viel getan. Beispiel Königstraße: Kurz vor der ZOB-Kreuzung befindet sich ein Schild mit der Aufschrift "Vollsperrung Gallberg ab 17.04.13", darunter ist ein gelb unterlegter Umleitungshinweis zu sehen, der die Autofahrer durch die Plessenstraße leitet.

Es fehlt jedoch der Tipp, dass man den Gallberg und somit auch die zahlreichen Parkplätze am Kleinen Baumhofsgang durch die Lange Straße erreichen und wieder verlassen kann. Denn um die Geschäfte rund um die Baustelle eben nicht von den Kundenströmen abzukoppeln, hat die Stadt die Einbahnstraßenregelung in der Langen Straße aufgehoben, sie darf während der dreimonatigen Bauarbeiten in beide Richtungen befahren werden. In ihren Pressemitteilungen zur Baustelle hat die Verwaltung diesen Sachverhalt verdeutlicht, einen Hinweis auf den Schildern jedoch vergessen.

Der Teufel steckt im Detail

Dies müsste nach Ansicht der Kaufleute ergänzt werden. Marc Gerlach hält ein "besseres Leitsystem" für dringend erforderlich. Auch Lars Reiprich vom benachbarten "Eishörnchen" hat Verbesserungsmöglichkeiten ausgemacht. Zwei oder drei Parkplätze am Rondell vor dem Bauamt könnten die Situation bereits verbessern. Derzeit herrscht dort ein absolutes Halteverbot. Dass der Teufel bisweilen im Detail steckt, macht sein zweiter Hinweis deutlich: Die Ampelschaltung an der ZOB-Kreuzung wurde im Zuge der neuen Verkehrsregelung in der Altstadt nicht justiert. Wer von der Langen Straße aus die ZOB-Kreuzung passieren wolle, werde sich über die kurze Grünphase ärgern. Reiprich: "Da kommen höchstens drei Autos rüber."

Monika Krause, die in der Langen Straße ein Blumengeschäft betreibt, betrachtet die Situation mit Gelassenheit. "Ich habe mir das alles schlimmer vorgestellt", sagt sie und fügt hinzu: "Ich habe im Moment sogar mehr Kunden als vorher."Was ihr nicht gefällt, sei die Tatsache, dass in der Langen Straße zu schnell gefahren werde: "Und man müsste vielleicht noch ein Schild aufstellen, dass man in unserem Bereich gut parken kann."

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