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Schleswiger Nachrichten

17. August 2017 | 22:05 Uhr

Glücksburg : Bauprojekt sorgt für Ärger

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Meierwik soll eine Anlage mit elf Wohnungen zwischen 66 und 182 Quadratmetern entstehen. Die Anwohner sind davon nicht begeistert.

Glücksburg | Für eine Straße, die direkt an der Flensburger Förde liegt, wirkt „Alter Weg“ in Glücksburg-Meierwik erstaunlich „normal geblieben“. Wenig Chrom, wenig Glas, keine überdimensionierten Dachterrassen. Vielmehr prägen Einfamilien-Häuser in herkömmlicher Backstein-Bauweise das Bild an der recht zerlöcherten Straße, die keine Bürgersteige und kaum Parkmöglichkeiten hat.

Doch jetzt plant ein Investor auf dem Grundstück mit der Hausnummer 6 eine Wohnanlage mit elf Wohnungen zwischen 66 und 182 Quadratmetern. Von „Luxus“ und „exklusiv“ ist die Rede im Werbeprospekt der Immobilienfirma John Witt. Die Vermarktung hat bereits begonnen. Die Preise sollen von Interessenten individuell erfragt werden, so John Witt.

Der Luxus ist es aber nicht, der einige Anwohner derzeit zornig in die Sitzungen des Glücksburger Bauausschusses treibt. Den sind sie durch das unweit gelegene Hotel Alter Meierhof schon gewohnt. Ihnen ist das neue Vorhaben schlicht zu groß. 32 Unterschriften haben sie dagegen gesammelt. Sie glauben, dass das Recht auf ihrer Seite ist „Nach Paragraf 34 Baugesetzbuch muss sich ein Neubau der vorhandenen Bebauung nach Art und Maß einfügen“, zitiert Udo Bohr, unmittelbarer Nachbar und seit über 70 Jahren Anwohner. Sein Urgroßvater hatte in Meierwik einst Wiesen mit Hütten gekauft. Vor allem das Maß sieht Bohr, von Beruf Bauingenieur, in dem Neubauvorhaben überschritten.

„Pro Familie haben wir im Alten Weg im Schnitt 1300 Quadratmeter Grundstücksfläche, in Nummer sechs soll es nur 360 Quadratmeter pro Wohneinheit geben. Das passt doch nicht zusammen“, rechnet Kim Harder vor. Der Arzt und Apotheker hat gerade selbst gebaut, drei Grundstücke weiter. Und Hartmut Petersen von gegenüber ergänzt, dass sein Haus neun mal zehn Meter groß sei, das neue aber Seitenlängen von über 30 Meter haben soll.

Das 3600 Quadratmeter große Grundstück, einst im Besitz der Familie Ullrich, Inhaber einer Flensburger Maschinenbau-Firma, gehört jetzt einem Flensburger Investor. Er lässt seinen Architekten Werner Schaffer sprechen: „Wir haben uns bei den Maßen an einem benachbarten Gebäude orientiert, in dem ein Gymnastik-Insitut untergebracht ist. Wie dieses Gebäude soll unseres etwa 11 Meter hoch werden und dreigeschossig. Die einzelnen Gebäudetrakte, die in der Gesamtheit ein einseitig verkürztes U bilden, werden nicht breiter als 10, 11 Meter.“

Auch Stellplätze, die sich zum Großteil in einer Tiefgarage befinden, gebe es genug, über zwei pro Wohneinheit, so Schaffer. Vorgeschrieben seien nur 0,85 Plätze pro Wohneinheit. Die kritischen Nachbarn vermuten, dass die Parkplätze nicht ausreichen werden. „Da werden Leute wohnen, die mehr als zwei Stellplätze brauchen“, sagen sie. „Wer solche Terrassen hat, wird viel Besuch haben.“ Vor dem Bauausschuss monierten sie auch nächtliche Baumstutz-Aktionen.

Und was sagt die Stadt? Bereits Anfang 2015 hatte sie dem Bauantrag ohne großes Aufsehen zugestimmt. Dann jedoch hatten das Amt für Küstenschutz und die Untere Naturschutzbehörde Bedenken. Laut Schaffer wollte man einen Nachweis, dass der Bau keine negativen Auswirkungen auf die Steilküste hat. Alternativ sollte das Gebäude sechs Meter weiter landeinwärts gebaut werden. Das kostete vier Parkplätze. Für diese Lösung entschieden sich Architekt und Bauherr. Am 16. Juni kam das OK der Naturschutzbehörden.

Wegen der veränderten Lage muss die Stadt nun entscheiden, ob sie ihr Einvernehmen neu erteilen muss. Dabei sieht sie sich, anders als im vergangenen Jahr, mit aufgebrachten Nachbarn konfrontiert. Die wussten nach eigenen Aussagen im vergangenen Jahr nicht, was gebaut werden sollte. Nun reagieren sie nach Meinung von Bauausschuss-Vorsitzendem Svend Colmorn sehr heftig. „In der Einwohnerfragestunde wird geschimpft, anstatt, wie es vorgesehen ist, sachdienliche Fragen zu stellen“, kritisierte er. Er empfinde das neue Bauvorhaben nicht als überdimensioniert. Auch sei er sich nicht sicher, ob der Bauherr wegen der bereits erteilten Erlaubnis nicht schon einen Rechtsanspruch habe. „Aber wie die Mehrheit nachher entscheidet, weiß man nie“, sagte er. Die Bauausschuss-Mitglieder wollen sich am Mittwoch noch einmal ein Bild vor Ort machen, um dann am Abend in der Sitzung zu entscheiden.


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erstellt am 25.Jun.2016 | 12:00 Uhr

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