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Danfoss-Werk in St. Jürgen : Bauhandel statt Hightech-Schmiede

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Schleswiger Firma HWH übernimmt das Danfoss-Werksgebäude . Die millionenteure Technik für Mikrochip-Produktion wird entsorgt.

Drei Jahre ist es her, dass die Firma Danfoss Silicon Power aus dem Gewerbegebiet St. Jürgen umzog ins einstige Motorola-Werk in Flensburg. Schleswig verlor 200 Arbeitsplätze, und die Danfoss-Immobilie an der Heinrich-Hertz-Straße stand seitdem leer.

In spätestens einem Jahr soll hier wieder Leben einkehren. Der neue Eigentümer kommt aus der direkten Nachbarschaft: Es ist der Baustoffhandel HWH. Das bestätigte Geschäftsführer und Mitinhaber Jan Peter Hansen jetzt auf SN-Nachfrage. Bisher liegt sein Unternehmen versteckt in einer kleinen Seitenstraße der Heinrich-Hertz-Straße neben der Holm-Segelmacherei. „Auf dem Danfoss-Gelände haben wir nicht nur deutlich mehr Platz, sondern können auch unsere Bekanntheit erhöhen“, sagt Hansen.

Der international operierende Immobilienvermittler Cushman & Wakefield hatte jahrelang vergeblich nach einem Käufer gesucht. Herzstück der Werksanlagen war ein 2100 Quadratmeter großer Reinraum. In diesen nahezu vollständig staubfreien Raum für die Hightech-Produktion hatte Danfoss Millionen investiert. Entsprechend hoch war anfangs die Summe, die Cushman & Wakefield für einen Verkauf der Immobilie aufgerufen hatte.

„Als dann vor einigen Monaten mit Densch & Schmidt ein regionaler Makler mit ins Boot geholt wurde, war klar, dass sich auch beim Preis etwas tun würde“, sagt Hansen. Zum tatsächlichen Kaufpreis macht er keine Angaben. Die Reinraum-Technik mitsamt einer Lüftungsanlage und das Blockheizkraftwerk werden einem Entsorgungsunternehmen überlassen. „Wir brauchen die Halle als reinen Lagerraum.“ Damit ist auch klar: So viele Menschen wie zu Danfoss-Zeiten werden hier nicht mehr arbeiten. HWH hat derzeit 25 Mitarbeiter, die sich zu nahezu gleichen Teilen auf den Hauptstandort in Schleswig und eine Niederlassung in Henstedt-Ulzburg aufteilen. „Mittelfristig werden sicherlich ein paar Mitarbeiter dazukommen“, kündigt Hansen an.

Den grauen Bürotrakt am Eingang der Werkshalle will er abreißen und neu aufbauen lassen. Hier möchte er Platz schaffen für einen Fachmarkt, der deutlich größer ist als im bisherigen Gebäude. „Unsere Hoffnung ist, dass wir durch die attraktivere Lage auch mehr Laufkundschaft bekommen“, sagt Hansen. „Jemand, der beim ersten Besuch nur eine Dose Farbe kauft, baut vielleicht im nächsten Jahr schon ein Haus – und spielt als Kunde dann eine viel größere Rolle.“ Bislang hat HWH überwiegend gewerbliche Kunden. Es sind Hochbau-Firmen aus Schleswig und dem unmittelbaren Umland; im Tiefbau-Bereich reicht das Einzugsgebiet bis weit nach Nordfriesland.

Der 48-jährige Jan Peter Hansen führt das Unternehmen gemeinsam mit seinem fünf Jahre jüngeren Bruder Jens. Gegründet wurde es 1987 von ihrem Vater Hans Wilhelm Hansen an der Flensburger Straße. 1997 zog man um nach St. Jürgen. Das bisherige HWH-Gelände hat mit rund 12  000 Quadratmetern weniger als ein Drittel der Fläche, die auf dem Danfoss-Grundstück zur Verfügung steht. „Natürlich ist die Expansion mit einem gewissen Risiko verbunden“, sagt Jan Peter Hansen. „Aber wir sind schon in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und haben einen soliden Kundenstamm.“ Zudem ergebe sich nicht oft die Möglichkeit, ein so attraktives Grundstück zu erwerben. „Diese Chance wollten wir nutzen.“ Die Bauarbeiten auf dem Danfoss-Gelände sollen beginnen, sobald die Baugenehmigung vorliegt. Hansen rechnet damit, dass das noch in diesem Winter geschehen wird. „Die Zusammenarbeit mit dem Bauamt klappt hervorragend.“

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erstellt am 10.Nov.2015 | 12:32 Uhr

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