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Erntedank-Gottesdienst im Dom : Bauern wünschen sich mehr Vertrauen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Im Schleswiger Dom fand ein Expertengespräch zum Thema Landwirtschaft statt.

Fast 20 Jahre feiern der Kirchenkreis Schleswig-Flensburg, die Kreisbauernverbände, die Landfrauen-Kreisverbände und die Landjugend gemeinsam Erntedank – so auch gestern im Schleswiger Dom, den die Landfrauen wieder festlich geschmückt hatten. Und trotzdem war Vieles anders als in den Vorjahren: Zum Klang kamen unter der musikalischen Leitung von Christina Selle beispielsweise moderne Lieder des Posaunenchors und des Domchors – und statt einer Predigt hörten die zirka 350 Gottesdienstbesucher ein Expertengespräch mit Hanna Thomsen von der Landjugend, Klaus-Peter Dau (Kreisbauernverband), Anja Greggersen (Landfrauenkreisverband) und Pröpstin Johanna Lenz-Aude.

„Wir wollen mit der Landwirtschaft reden und nicht über sie“, sagte der Moderator des Expertengespräches, Pastor Michael Dübbers. Erntelust und Erntefrust lägen für die Landwirte in diesem Jahr dicht beisammen, führte er aus, insbesondere durch viel Regen und nasse Böden. Dübbers: „Neben den wirtschaftlichen Sorgen sehen sich die Landwirte aber auch einem erheblichen Druck unserer Gesellschaft ausgesetzt. Die heutige Landwirtschaft hat mit dem romantisch verklärten Bild eines Bauern aus den Kinderbüchern nichts mehr zu tun.“ Und: „Die Kombination aus hoher Arbeitsbelastung und mangelnder Anerkennung der Gesellschaft ist für die Landwirtsfamilien kräftezehrend.“ Immer wieder hagele es Kritik: Grundwasserverschmutzung, Geruchsbelästigung und Massentierhaltung seien nur einige Schlagworte.

Dass das Tierwohl für sie heilig sei und an erster Stelle stehe, beschrieb die Nachwuchs-Landwirtin Hanna Thomsen, die derzeit in Kiel Agrarwissenschaft studiert, eindrücklich. Bevor sie zur Uni geht, füttert sie zuhause die Kälber. „Wenn die satt und zufrieden sind, bin ich glücklich“, sagte sie. Auch Anja Greggersen, die mit ihrer Familie einen Milchviehbetrieb betreibt, ist mit Leib und Seele Landwirtin. Familie, Tiere und die Natur gäben ihr Kraft für ihren Beruf, so Greggersen. Und Klaus-Peter Dau bestätigte: „Die Arbeit machen wir Landwirte gerne. Kraft kosten die Bürokratie und dass uns nicht geglaubt wird, dass wir uns gut um die Tiere kümmern. Immer wieder werden uns unsere Fachkenntnisse abgesprochen.“ Auch in der Landwirtschaft gebe es – wie in allen anderen Berufszweigen – schwarze Schafe, räumte er ein, aber das grundsätzliche Misstrauen, das der Landwirtschaft entgegen käme, sei schmerzhaft.

Das hohe Interesse der Landwirtsfamilien an gesunden Tieren und der Erhaltung der Natur bestätigte Anja Greggersen: „Nur eine gesunde Kuh ist für uns betriebswirtschaftlich auch eine gute Kuh. Und auch wir brauchen sauberes Wasser zum Trinken und wollen gesund leben.“ Gutes Wirtschaften, um als Familie davon leben zu können und um die Bevölkerung mit Nahrung zu beliefern, und Tierwohl gehörten zusammen. Gemeinsam forderten die Diskutanten mehr Vertrauen und Wertschätzung.

Die Kirche sei ein Raum für Begegnung und Austausch, so Pröpstin Johanna Lenz-Aude. Sie sagte: „Es gilt, immer wieder hinzuschauen, wie wir miteinander umgehen, und sich konstruktiv und respektvoll auseinanderzusetzen.“ In ihrem Gebet dankte sie Gott für die Ernte und bat, den Menschen zu einem aufrichtigen Miteinander zu helfen.

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