zur Navigation springen

Verbandspräsident Rukwied redet Tacheles : Bauern wettern gegen „Demagogen“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Beim gemeinsamen Bauerntag der Kreisverbände Flensburg und Schleswig ruft Bundes-Chef Joachim Rukwied zu Geschlossenheit auf und spricht von gezielter Desinformation der Bevölkerung.

Der gemeinsame Bauerntag der Kreisverbände Flensburg und Schleswig gestern Vormittag in Eggebek war eine Demonstration von Selbstbewusstsein und Stärke – mit deutlichen Forderungen an die Politik und Verwaltung, Appellen zur Geschlossenheit und vehementen Angriffen auf einige Kritiker des Berufsstandes. „Das sind Demagogen, die die Öffentlichkeit mit gezielten Desinformationen in die Irre führen, um Gülle über uns Bauern zu schütten“, wetterte Joachim Rukwied, seit einem Jahr Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Regelmäßig kurz vor Beginn der Grünen Woche gebe es solche Angriffe. „Wir lassen uns das nicht gefallen“, sagte Rukwied, „wir sind nicht mehr bereit, mit Menschen zu reden, die die Landwirtschaft in den Dreck ziehen wollen.“

Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, als die Kreisvorsitzenden Karen Franzen (Flensburg) und Klaus-Peter Dau (Schleswig) die Jahresversammlung eröffneten. Nachdem Franzen die Mitglieder und die Prominenz aus Kreis, Landtag und Bundestag begrüßt hatte, gab sie dem Bauernpräsidenten, der aus Baden-Württemberg stammt, eine kurze Einweisung in die Landwirtschaft im nördlichsten Zipfel der Republik. Dabei betonte sie vor allen die Tatsache, dass die Landwirtschaft hier zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren zählt.

Joachim Rukwied beendete in Eggebek eine kurze Norddeutschland-Stippvisite, die über Cuxhaven und Kiel nach Eggebek führte. „Auf der Fahrt hierher habe ich neue Ställe und Biogasanlagen gesehen – hier wird investiert, die Familien glauben an eine Zukunft in der Landwirtschaft.“

Der Präsident stärkte den Bauern zum Beginn seiner Rede den Rücken. Er kritisierte „Besserwisser“ die den Menschen vorschreiben wollten, was sie essen sollen, lobte die landwirtschaftlichen Qualitätsprodukte „Made in Germany“ und sagte den Bauern gute Absatz-Perspektiven voraus, weil die Weltbevölkerung größer werde – um allzu große Erwartungen gleich wieder zu dämpfen: Dieser Trend führe natürlich nicht automatisch zu höheren Preisen.

„Unsere Landwirtschaft ist zweifellos wettbewerbsfähig“, sagte Rukwied, „ob sie es bleibt, hängt allerdings maßgeblich von der Gestaltung der gemeinsamen Agrarpolitik ab, die in Brüssel verhandelt wird.“ Dort mische sich der Bauernverband zwar erfolgreich ein, dennoch müssten die Bauern im Lande ab 2020 damit rechnen, dass die Direktzahlungen um 40 Euro pro Hektar gekürzt werden. „Das sind massive Einschnitte“, gab der Bauernpräsident zu.

Zähe Verhandlungen gibt es auch beim Thema Flächenschutz. Der Bauernverband fordert, bei der Planung von Stromtrassen stärker Rücksicht auf den Erhalt landwirtschaftlicher Flächen und Betriebsstrukturen zu nehmen. Das gelte auch für die Ausgleichsflächen: „Landwirtschaftliche Flächen sind ein hohes Gut. Außerdem sind wir schon die größten Naturschützer. Wir schützen sie, indem wir sie nutzen.“

Kritisch äußerte sich Rukwied auch zu den Forderungen nach Veränderungen in der Tierhaltung. In dieser Beziehung seien die Bauern schon freiwillig tätig geworden – und die wollten nun auch etwas davon haben. Jetzt seien die Lebensmittel-Einzelhändler und Schlachtbetriebe gefordert, mehr zu zahlen.

Fragen aus dem Publikum blieben nach dem ausführlichen Vortrag Mangelware. Angesprochen wurde aber mehrfach die überbordende Bürokratie, die neben der eigentlichen Arbeit kaum noch zu bewältigen sei. Notfalls würde man sogar auf Zahlungen verzichten, wenn der Papierkram im Gegenzug drastisch reduziert würde. Der Bauernpräsident riet von solch einem Vorschlag ab: „Das Geld wird sicher dankend einbehalten – aber der bürokratische Aufwand auf den Höfen wird ganz sicher nicht weniger. Der wird eher noch zunehmen.“

zur Startseite

von
erstellt am 11.Jan.2014 | 07:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen