Preissteigerung für Acker- und Grünflächen : Bauern müssen tief in die Tasche greifen

Die Preise für Ackerflächen und Grünland im Kreis Schleswig-Flensburg steigen seit Jahren. Das treibt auch die Pachten in die Höhe.

von
23. Juli 2015, 08:10 Uhr

Schleswig/Flensburg | Die Preise für Acker- und Grünland sind im Kreisgebiet in den vergangenen Jahren erneut gestiegen. Hatte der letzte Grundstücksmarktbericht des Kreises (2013) bereits bis 2012 einen erheblichen Preisanstieg diagnostiziert, so zeigt sich nun, dass sich die Spirale seitdem schnell weitergedreht hat. Und weil die Pachten erfahrungsgemäß in ähnlichem Maße anziehen, wird es für viele Landwirte zunehmend schwer, ihre Fixkosten zu decken. Beim Landesbauernverband geht man allerdings davon aus, dass die Entwicklung ihren Höhepunkt erreicht hat.

„Wenn ich als Landwirt eine Fläche pachten will, muss ich mir das in manchen Regionen schon sehr genau überlegen“, sagt Klaus Dahmke, Sprecher des Landesbauernverbandes. Insbesondere für Milchbauern, die in den vergangenen zwei Jahren recht hohe Preise für ihre Milch erzielten, inzwischen aber mit sinkenden Erlösen konfrontiert seien, könnten die hohen Pachtpreise zum Problem werden, so der Fachmann. Immerhin liege der durchschnittliche Pachtanteil bei den Landwirten in Schleswig-Holstein bei 50 bis 60 Prozent. Entsprechend hoch seien die Fixkosten für die Betriebe.

Die guten Milchpreise, aber vor allem die große Flächenkonkurrenz unter den Landwirten – nicht zuletzt aufgrund des zurückliegenden Biogasanlagen-Booms – haben sich in den vergangenen Jahren als Preistreiber erwiesen. Letzteres insbesondere im Kreis Schleswig-Flensburg, wo es landesweit die größte Anlagendichte gibt. Biogasanlagen-Betreiber seien bereit, fast jeden Preis für Ackerland zu bezahlen, hatte der Vorsitzende des Gutachterausschusses im Kreis, Jasper Thiesen, bereits vor zwei Jahren konstatiert. Eine Aussage, die nach Ansicht Dahmkes nicht an Aktualität verloren hat. Pachten von bis zu 1000 Euro je Hektar, das sei nicht zu erwirtschaften, sagte Thiesen. Und tatsächlich gerieten nicht wenige Anlagenbetreiber trotz staatlich garantierter Abnahmepreise für erzeugten Strom durch unkalkuliert steigende Kosten in den vergangenen Jahren in wirtschaftliche Bedrängnis.

Nachdem der Umsatz im Bereich von Ackerland im Kreis 2013 mit rund 19 Millionen Euro (111 geschlossene Kaufverträge) seinen Höhepunkt erreicht hatte, pendelte er sich im vergangenen Jahr auf dem Stand von 2009 bei rund 9,4 Millionen Euro ein. Allerdings wurden damals 508 Hektar Ackerland veräußert, 2014 waren es nur noch 351 Hektar. Das verdeutlicht, in welchen Maße die Preise inzwischen gestiegen sind. Tatsächlich lag der durchschnittliche Hektarpreis 2009 in Südangeln bei 21  500 Euro, 2014 hingegen wurden im Schnitt 25.000 Euro gezahlt. Noch eklatanter ist die Spanne in Nordangeln, wo die Durchschnitts-Summen von 17.000 auf 28.900 Euro je Hektar stiegen. Auf der Geest ist das Bild ähnlich: Im südlichen Bereich musste ein Landwirt 2009 16.500 Euro zahlen, inzwischen kostet der Hektar durchschnittlich 28.300 Euro.

grafik sln ackerland-preise 7-2015 2

In Abhängigkeit von der Qualität des Bodens und dem individuellen Bedarf der Landwirte sind die Preisspannen allerdings erheblich. Kreisweit lag beispielsweise der niedrigste im vergangenen Jahr beurkundete Kaufpreis für Ackerland bei 6500 Euro, der höchste hingegen bei 45.800 Euro, gezahlt im Amt Oeversee.

Auch Grünland wird hoch gehandelt. Nach zwei Boomjahren 2010 und 2011 war zuletzt ein Rückgang zu verzeichnen, 2014 jedoch zog der Flächenumsatz rapide an – um 150 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kaufpreise hingegen sind in den vergangenen Jahren kreisweit in jedem Jahr durchschnittlich um sieben Prozent auf inzwischen 20.000 Euro gestiegen. Die höchsten Durchschnittspreise wurden 2014 auf der südlichen Geest erzielt (21.900 Euro), die niedrigsten in Nordangeln (13.600 Euro).

Klaus Dahmke weist jedoch auch darauf hin, dass die Belastungen mancher Landwirte durch die hohen Kauf- und Pachtpreise nur eine Seite der Medaille sind, denn auf der anderen Seite stehen Verkäufer und Verpächter, die sich sagen: „Der Markt ist auf meiner Seite.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen