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VR Banken Flensburg-Schleswig und Niebüll : Bankenhochzeit im zweiten Anlauf

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Fusionsgespräche zwischen den VR-Banken Flensburg-Schleswig und Niebüll stehen kurz vor dem Abschluss.

von
erstellt am 27.Okt.2017 | 13:30 Uhr

Die beiden größten Genossenschaftsbanken im Landesteil Schleswig wollen fusionieren. Die Gespräche zwischen der VR Bank Flensburg-Schleswig und der VR Bank Niebüll sind bereits weit fortgeschritten. Das bestätigte Michael Möller, Vorstand der VR Bank Flensburg-Schleswig jetzt auf SN-Nachfrage. Details zu dem Vorhaben möchte er aber erst Anfang Dezember preisgeben, nachdem die Vertreterversammlungen informiert worden sind. Wie wichtig das Wort der gewählten Mitgliedervertreter ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: 2009 standen beide Banken schon einmal unmittelbar vor einem Zusammenschluss. Er scheiterte am Veto der Mitgliedervertreter aus Niebüll. Die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit war nicht zustande gekommen. Klaus Sievers, Vorstand der VR Bank in Niebüll, glaubt daran, dass seine Mitglieder der Fusion diesmal zustimmen werden. „Damals hatten wir in der Bankenbranche grundsätzlich andere Zeiten“, sagt er. „Die Niedrigzinsen und die fortschreitende Digitalisierung stellen uns heute vor ganz andere Herausforderungen.“ Außerdem habe bei der Ablehnung auch das Engagement der VR Bank Niebüll im Agrarhandel eine Rolle gespielt. „Das haben wir inzwischen nicht mehr“, sagt Sievers.

Auch Michael Möller betont: „Seit 2009 ist viel Zeit ins Land gegangen.“ Er gehörte dem Schleswiger Vorstand bereits 2009 an und musste sich den kritischen Fragen der Fusionsgegner aus Nordfriesland stellen. „Würden Sie selbst zustimmen, wenn Niebüll die übernehmende Bank wäre?“, wurde er da zum Beispiel gefragt.

Michael Möller, Vorstand der VR Bank Flensburg-Schleswig.
Michael Möller, Vorstand der VR Bank Flensburg-Schleswig.
 

Die Frage, wer hier wen schluckt oder ob es eine Fusion auf Augenhöhe ist, steht weiterhin im Raum. Möller spricht von zwei ungefähr gleich großen Partnern. „Das neue Institut wird eine große und starke Bank werden“, betont er. Ein Blick auf die Geschäftszahlen zeigt indes, dass die Niebüller etwas mehr Gewicht in die Ehe bringen. Ihre Bilanzsumme ist größer, ebenso die Summe ihrer Einlagen und Kundenkredite sowie die Zahl der Mitarbeiter. Bei der Zahl der Mitglieder allerdings liegen die Schleswiger knapp vorn.

Wie die neue Genossenschaftsbank heißen wird und wo ihr Hauptsitz sein wird, dazu wollen sich die Bankvorstände erst äußern, nachdem die Vertreterversammlungen im Dezember über das Thema beraten haben. Endgültig abgesegnet und von der Bankenaufsicht genehmigt wird die Fusion dann wohl erst im nächsten Frühjahr oder Sommer. Sie könnte dann aber rückwirkend zum 1.  Januar 2018 in Kraft treten.

Nicht auszuschließen ist, dass am Ende sowohl Schleswig als auch Niebüll den Banken-Hauptsitz verlieren – und Flensburg der lachende Dritte ist. Die VR Bank Flensburg-Schleswig jedenfalls ist schon seit einiger Zeit dabei, ihren Schwerpunkt an die Förde zu verschieben. Möller hat dort kürzlich sein neues Büro bezogen. In der Schleswiger Königstraße hält noch sein Vorstandskollege Ralf Pschibull die Stellung. Dabei liegen die Ursprünge der VR Bank Flensburg-Schleswig im ländlichen Raum. Als Keimzelle gilt die 1901 gegründete „Spar- und Darlehenskasse“ aus Jübek. Nach mehreren Fusionen entstand daraus später erst die Raiffeisenbank Jübek-Tarp und dann die heutige VR Bank Flensburg-Schleswig, in der unter anderem auch die Raiffeisenbank Flensburg aufgegangen ist. Sie ist die größte der drei noch verbliebenen eigenständigen Genossenschaftsbanken im Kreis Schleswig-Flensburg – vor der Schleswiger Volksbank und der Raiffeisenbank Handewitt.

Nach der Fusion wird der Abstand zu den genossenschaftlichen Mitbewerbern weiter wachsen. Bei den Fusionsgesprächen von 2009 war auch die Rede davon, ein „Gegengewicht zur Nospa“ zu bilden. Die Sparkasse wird jedoch auch nach dem Zusammenschluss noch mehr als doppelt so groß sein wie die neue Riesen-VR-Bank.

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