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SEPA-Zahlungsverkehr : Banken verhängen Urlaubssperre

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Umstellung aufs neue SEPA-Zahlungsverfahren zum 1. Februar betrifft praktisch jeden Bürger. Schleswigs Geldinstitute stellen sich auf viele Nachfragen ein.

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erstellt am 29.Dez.2013 | 07:45 Uhr

Schleswig | Wer eine Bankfiliale betritt, dem fallen schnell große Plakate ins Auge, die auf die baldige Umstellung auf das so genannte SEPA-Verfahren hinweisen. Schicke Broschüren liegen aus, mit Titeln wie: „SEPA – Herausforderung und Chance“. Aber obwohl die Banken schon seit Monaten bemüht sind, ihre Kunden auf die Änderungen vorzubereiten, schwirrt SEPA in vielen Hinterköpfen nur als die große Unbekannte herum, mit der man allenfalls unverständliche Abkürzungen in Verbindung bringt wie BIC oder IBAN.

„Die bei der Bank ändern was“, heißt es dann. „Da mach’ ich nicht mit“, und so landet auch mal ein Kündigungsschreiben bei der Bank, in dem der Kunde verkündet, er verzichte auf SEPA. „Das ist keine Lösung, die man sich aussuchen kann“, stellt Hans-Günter Hass deshalb klar. Er ist Leiter der Projektgruppe SEPA bei der Schleswiger Volksbank und betont, dass es sich um eine von der EU beschlossene Rechtsnorm handle. Pflicht für jeden – nicht Kür für manche.

Trotzdem bringt SEPA (Single Euro Payments Area) für einige mehr Aufwand mit sich als für andere. Privatkunden müssen sich quasi nur auf neue Nummern einstellen. Da das SEPA-Verfahren europaweit den Zahlungsverkehr vereinheitlichen soll, muss hier ein internationaler Standard geschaffen werden. Mit der deutschen Kontonummer können die dänischen Nachbarn schließlich wenig anfangen. Dafür gibt es schon seit mehreren Jahren die bereits erwähnte IBAN, die „International Bank Account Number“, die in zwei Monaten zur Pflicht wird. Eine deutsche IBAN ist 22-stellig und damit länger als die bisherigen Kontonummern – im internationalen Vergleich aber noch recht kurz. In anderen Ländern hat sie bis zu 32 Ziffern.

Während die IBAN als persönliche Kennziffer eines jeden Kunden individuell ist, hat auch jede Bank eine Nummer, den „Business Identifier Code“, abgekürzt BIC und salopp gesagt: die neue Bankleitzahl. Wer seine IBAN oder BIC erfahren möchte, kann sie telefonisch bei seiner Bank erfragen, über das Portal zum Online-Banking herausfinden oder auf den Kontoauszügen (und manchmal bereits auf der EC-Karte) nachlesen.

Privatkunden müssen sich also an neue und längere Nummern gewöhnen, bekommen dafür aber einen schnelleren und internationalen Zahlungsverkehr. Deutlich mehr Arbeit haben jedoch Geschäftskunden vor der SEPA-Einführung. „Firmenkunden müssen kurzfristig aktiv werden“, warnt Hans-Günter Hass. „Einige EDV-Programme können nicht leisten, was für SEPA notwendig ist“, ergänzt seine Kollegin Christina Nissen aus der Abteilung für elektronische Bankdienstleistungen. „Und wenn das Programm das nicht leistet, dann gibt es kein Geld und das könnte für manche Liquiditätsprobleme bedeuten.“ Hass: „Zum Beispiel bei Energieversorgern oder Fitnessstudios läuft viel über Lastschrift, da sind intensive Schritte notwendig.“ Unternehmen, die von ihren Kunden eine Lastschrift ziehen wollen, müssen nämlich zunächst eine Gläubiger-Identifikationsnummer von der Deutschen Bundesbank anfordern. Dass sei nur online möglich und gehe momentan recht schnell, erklärt Hass, sei aber ein zwingend notwendiger Schritt.

Der Stichtag für die Umstellung steht: Sonnabend, 1. Februar 2014. Laut Christina Nissen sind die meisten kleinen Unternehmen und Vereine in den Vorbereitungen sehr aktiv. Besonders Ortsvereine mit älteren Menschen als Kassenwart, die teilweise nicht einmal einen Computer haben, hätten ein hohes Engagement bewiesen, um auf die Änderungen eingestellt zu sein. Große Firmen hingegen seien oftmals noch nicht so weit. „Daran merken wir, dass es noch nicht in der Masse angekommen ist“, so Nissen. Deshalb wurden alle Volksbanken im letzten Vierteljahr bereits zwei Mal von der Bankenaufsicht aufgefordert, den aktuellen Stand bei der Umsetzung durchzugeben. Dieser sei hier „verbesserungsfähig, aber so, dass es am 1. Februar nur in Einzelfällen zu Problemen kommen könnte“, sagt Hass. Er freut sich über immer mehr Rückmeldungen von Kundenseite, je näher der Stichtag rückt, er wird aber auch ganz konkret: „Das Thema wurde bisher nicht so fürchterlich ernst genommen. Ich kann nur an jeden einzelnen appellieren, das zeitnah anzupacken.“

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