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Schleswig : „Baltic Open Air“ 2015: Festival mit brisantem Line-Up

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Mit der Gruppe „Frei.Wild“ und „Böhse Onkelz“-Sänger Kevin Russell kommen im August umstrittene Musiker nach Schleswig.

Schleswig | Es ist ein heißes Eisen, das Daniel Spinler anfasst. Der Eventmanager hat den Headliner für das diesjährige „Baltic Open Air“ (BOA) präsentiert: Die Südtiroler Deutschrock-Band „Frei.Wild“ wird am letzten Augustwochenende beim Festival auf der Freiheit spielen – eine Gruppe, die zwar sehr erfolgreich, aber auch höchst umstritten ist.

Kritiker werfen den vier Musikern um Frontmann Philipp Burger eine Nähe zur rechten Szene vor. Doch damit nicht genug. Spinler hat auch Kevin Russell fürs BOA verpflichtet, der als Leadsänger der ebenfalls umstrittenen Rockband „Böhse Onkelz“ bekannt wurde und jetzt zusammen mit der Formation „Veritas Maximus“ nach Schleswig kommen wird. Russell sorgte im Jahr 2010 für Negativschlagzeilen, als er nach einem unter Drogen verursachten schweren Verkehrsunfall mit Fahrerflucht zu einer Haftstrafe von mehr als zwei Jahren verurteilt wurde.

BOA-Veranstalter Spinler weiß um die Vorbehalte gegen seine Auswahl, betont aber: „Keine dieser Bands steht auf dem Index.“ „Frei.Wild“ werde zu Unrecht in die rechte Ecke gedrängt, sagt er. „Die Südtiroler Jungs sind heimatverbunden. Aber sie distanzieren sich von jeglicher Art des Extremismus und Rassismus. Sie sind politisch neutral.“

Fakt ist, dass Sänger Philipp Burger früher der Skinhead-Band „Kaiserjäger“ angehörte. Auch verbreitet seine heutige Gruppe „Frei.Wild“ in ihren Liedern patriotisches bis nationalistisches Gedankengut. So heißt es beispielsweise im Stück „Südtirol“: „Südtirol, deinen Brüdern entrissen, schreit es hinaus, lasst es alle wissen. Südtirol, du bist noch nicht verloren. In der Hölle sollen deine Feinde schmoren“. Im Jahr 2013 kam es im Vorfeld der „Echo“-Verleihung zum Eklat. Nach Boykottandrohungen von politisch links orientierten Bands wie den „Ärzten“ wurde die Nominierung der Südtiroler zurückgenommen. Als „Frei.Wild“ ein Jahr später erneut für den Musikpreis nominiert wurde, boykottierte die Band ihrerseits die „Echo“-Veranstaltung.

Fakt ist auch, dass „Frei.Wild“ mehrere goldene Schallplatten eingeheimst hat und eine riesige Fangemeinde hinter sich weiß. Die Konzerte der Band sind meist ausverkauft. Am 23. April kommen die deutschsprachigen Italiener zum Beispiel nach Hamburg in die Arena „O2 World“. „Das ist eine Riesenband und eine Bereicherung für das ‚Baltic Open Air‘“, findet Daniel Spinler. „Die Leute wollen hier solche Bands sehen.“ Dass „Frei.Wild“ oder Kevin Russell womöglich ein rechts gesinntes Publikum anziehen könnte, glaubt er nicht. „Meine Frau und ich haben auch die ‚Böhsen Onkelz‘ gehört. Aber deswegen sind wir doch keine Nazis.“

Zwar sei das diesjährige BOA sehr Deutschrock-lastig, räumt Spinler ein. „Aber wir sind dennoch ein internationales Musikfestival, das alle Genres bedient“, verweist er auf ausländische Top-Acts wie „Uriah Heep“ oder „Mustasch“. Auch würden die Punkband „Extrabreit“ oder die Mittelalter-Folk-Rocker von „Schandmaul“ ganz eigene Akzente setzen. Spinler hofft, 15.000 Musikfans aufs Festivalgelände an der Schlei locken zu können.

Weniger glücklich mit dem diesjährigen BOA-Programm ist man beim Freien Kultur- und Kommunikationszentrum (FKKZ) auf der Freiheit. „Wir finden es toll, dass das Festival stattfindet, aber die Band-Auswahl finden wir problematisch“, sagt Geschäftsführer Jan Friedrich Dünne. Mit „Frei.Wild“ und Kevin Russell wolle man nicht in Verbindung gebracht werden. „Wir sehen das als Negativwerbung für Schleswig“, erklärt Dünne und kündigt eine friedliche Protestaktion gegen die Auftritte an. Anfang März werde er bei den Planungsgesprächen mit der Polizei dabei sein. Dabei werde er auch seine Bedenken äußern, die er hege. Dünne: „Kommen womöglich ungebetene Besucher zum ‚Baltic Open Air‘? Wir haben auf der Freiheit schließlich auch eine Unterkunft mit syrischen Flüchtlingen.“

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erstellt am 25.Feb.2015 | 07:17 Uhr

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