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Schleswiger Königswiesen : Ballett als Ersatz für Schlossfestspiele

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Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Kieler Verein plant ein vierwöchiges Spektakel auf den Königswiesen im kommenden Sommer. Beim Landestheater reagiert man zurückhaltend.

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erstellt am 29.Aug.2014 | 07:45 Uhr

Michael Schwarz spricht selbst von einer „Hassliebe“, die ihn mit dem Landestheater verbindet. Gemeinsam mit seinem Vater Günter zählt der Kieler zu den Gründern einer Online-Initiative zum Erhalt des Theaters. Auf Generalintendant Peter Grisebach ist er aber inzwischen nicht mehr nur gut zu sprechen. So ist nicht ganz klar, ob das große Spektakel, das er für das kommende Jahr auf den Königswiesen plant, ein Angriff auf das Landestheater in seiner derzeitigen Form ist oder ein Akt der Unterstützung.

Was Schwarz vorschwebt, ist nicht mehr und nicht weniger als ein Ersatz für die Schlossfestspiele, die in diesem Sommer im Gottorfer Innenhof wohl zum letzten Mal stattgefunden haben. Dazu gründet er jetzt einen Verein mit dem Namen „Schlei-Festspiele Schleswig“. Statt eines Schauspiels möchte Schwarz dem Publikum Ballett-Abende präsentieren. Auf eigene Faust, ohne Zusammenarbeit mit der Ballettsparte des Landestheaters. Eine Konkurrenz sei das nicht, betont er. Vielmehr könnten die Schlei-Festspiele Lust machen auf mehr Ballett. Landestheater-Intendant Peter Grisebach wusste bis gestern nichts von den Plänen. „Solange jemand etwas in unseren Theaterferien macht, sehe ich da kein Problem“, erklärte er auf SN-Nachfrage.

Doch das Open-Air-Ballett soll bereits drei Wochen vor dem Ende der Landestheater-Spielzeit beginnen. Geplant sind 16 Freiluft-Vorstellungen am Ufer der Schlei vom 25. Juni bis zum 19. Juli des kommenden Jahres. Schwarz kalkuliert mit Kosten von 200 000 Euro, die er mit dem Ticketverkauf (27 bis 35 Euro pro Karte) und über Sponsoren einspielen möchte. Er hofft sogar, einen Überschuss zu erwirtschaften, den sein Verein dann für den Erhalt des Theaterstandortes Schleswig spenden soll.

Aber ist Ballett massentauglich genug, um eine Tribüne mit 500 Plätzen über vier Wochen hinweg zu füllen? Schwarz meint, ja. Die Vorstellungen des Kieler Balletts seien schließlich oft in Windeseile ausverkauft. Das Programm – ein Potpourri aus bekannten Stücken von der Schneekönigin bis zum Nussknacker – soll dabei helfen, auch die Schleswiger auf den Geschmack zu bringen. Schwarz plant eine große Werbekampagne mit Plakaten und Handzetteln „an jeder Tankstelle in Schleswig-Holstein“ und scheut nicht den Vergleich zu den Segeberger Karl-May-Festspielen. Gerade auf dem Gebiet der Vermarktung sieht Schwarz große Defizite bei der Leitung des Landestheaters. „Die künstlerische Arbeit des Landestheaters ist hervorragend“, findet er, „aber mit dem Management habe ich inzwischen meine Probleme.“ Dabei verweist er auch auf die beiläufige Art und Weise, wie das Theater das Aus für die Schlosshofspiele bekanntgab. „Mein erster Gedanke war, auch das Ballett im Gottorfer Innenhof aufzuführen,“ sagt er. Allerdings schien ihm der Platz dort zu eng. So entschied er sich für die Königswiesen.

Weil er beruflich als Bühnenfotograf in vielen Tanztheatern zu Hause ist, hat Schwart Kontakte zu Tänzerinnen in ganz Europa. Die nutzt er nun für die Schlei-Festspiele. Als Choreographin hat er Ralitza Kavaldjieva gewonnen, eine gebürtige Bulgarin, die heute in Rom tätig ist. Erste Solistin wird Milica Jevic aus dem Nationaltheater in Belgrad (Schwarz: „Die ist in Serbien so bekannt wie bei uns Polina Semionowa“). Als regionales Gesicht hat er Alexandra Pascu verpflichtet, die bis vor vier Jahren Solistin am Landestheater war. Am Premieren-Abend soll Schleswigs ZDF-Kommissarin, Schauspielerin Natalia Wörner, durchs Programm führen.

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