Schleswig : Bahnhof soll zum Event-Tempel werden

Die Bahnhofshalle könnte bei Veranstaltungen abends ab 18 Uhr für die Öffentlichkeit gesperrt werden.
Die Bahnhofshalle könnte bei Veranstaltungen abends ab 18 Uhr für die Öffentlichkeit gesperrt werden.

Der neue Eigentümer legt seine Pläne für das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude in Schleswig offen.

ove2.jpg von
28. Juni 2015, 14:15 Uhr

Der Unternehmensberater aus Freiburg im Breisgau möchte weiterhin anonym bleiben. Er erschien nicht persönlich im Rathaus. Stattdessen schickte er seinen Architekten Harald Matzen aus Selk vor, als die Zukunft des Bahnhofsgebäudes auf der Tagesordnung des Bauausschusses stand. Gut zwei Jahre ist es her, dass der 52-jährige Baden-Württemberger, der früher für die Deutsche Bank arbeitete, den Schleswiger Bahnhof für 182.000 Euro von der Bahn AG gekauft hat. Er bekam den Zuschlag bei einer Versteigerung in Berlin.

Was er mit der Immobilie plant, dazu hatte sich der neue Eigentümer bislang nur sehr ungefähr geäußert. „Etwas Seriöses aus dem kulturellen Bereich“, könne er sich vorstellen, sagte er einmal. Harald Matzen wurde vor dem Bauausschuss nun deutlich konkreter. Er kündigte eine „breit gestreute Eventgastronomie an“ und präsentierte Bilder, die eher nach Berlin-Mitte aussehen als nach Schleswig-Friedrichsberg. Schicke junge Menschen mit Cocktailgläsern auf Designer-Möbeln. So ungefähr könnte es bald zugehen im früheren Bahnhofsrestaurant, in der ehemaligen Gepäckabgabe, im einstigen Wartesaal dritter Klasse. All diese Räume stehen seit Jahrzehnten leer.

Marode sei das Gebäude keineswegs, versicherte Matzen. „Es wurde noch zur Kaiserzeit geplant und in den 20er Jahren gebaut.“ Alles grundsolide. Schon in Kürze würden die Fenster größtenteils „auf dem historischen Stand“ erneuert. Von außen soll es mit dem rumpeligen Eindruck, den der Bahnhof derzeit bei seinen Besuchern hinterlässt, schon bald vorbei sein. Die Pläne für das Gebäudeinnere möchte der Eigentümer bis Herbst des kommenden Jahres umsetzen.

In fünf verschiedenen Räumen sollen dann unterschiedliche Veranstaltungen parallel stattfinden können. Wer eine ganz große Party plant, kann aber auch den ganzen Bahnhof mieten. In solchen Fällen würde dann die Bahnhofshalle ab 18 Uhr für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Aufteilung der Räume steht noch nicht endgültig fest. Im Moment sind im Erdgeschoss eine Sports-Lounge, eine Musik-Lounge und ein After-Work-Bereich vorgesehen, im ersten Stock eventuell eine Kleinkunst-Bühne, eine Cocktail-Bar oder ein Restaurant.

Matzen war vorbereitet auf die Frage, ob das alles nicht eine Nummer zu groß, zu edel sei für Schleswig. Er gab die Antwort des Eigentümers wieder: „Keineswegs. Wo kein Bedarf ist, da muss man mit Qualität diesen Bedarf wecken.“ Zudem sei es nicht seine Absicht, ein Luxus-Lokal einzurichten, es gehe ihm vielmehr um ein „ansprechendes und gepflegtes Ambiente für jedermann“.

Übrigens sollen auch die Bahnreisenden von der Investition profitieren. Am Bahnsteig 1 sind zwei Pavillons geplant, einer für die Bahnhofsmission, einer für den Kiosk. Außerdem werden die von der Bahn AG zuletzt arg vernachlässigten Toiletten erneuert.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen