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Mangelhafte Instandhaltung : Bahnhof Schleswig: Verkauft und vergessen

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Defekte Anzeigetafeln, unzumutbare Toiletten – der Schleswiger Bahnhof befindet sich in einem trostlosen Zustand.

Günter Pauly aus Bollingstedt ist noch einen Tag später völlig fassungslos. „Ich kann gar nicht beschreiben, was ich gesehen habe, dann müsste ich Fäkalausdrücke benutzen.“ Auf der Rückreise aus Hamburg hatte er am Donnerstag 13 Minuten Aufenthalt auf dem Schleswiger Bahnhof, bevor er umstieg in die Regionalbahn nach Jübek. Und er musste einem dringenden Bedürfnis nachgehen. Er warf 20 Cent in den Münzschlitz zur Herrentoilette, öffnete die schwere Metalltür – und kehrte schnell wieder um. Zu seiner Frau sagte er nur: „Inge, das glaubst du nicht.“

Die Bahn AG hat das Bahnhofsgebäude vor zwei Jahren an einen Unternehmensberater aus Freiburg verkauft. Die Sanierung, die der neue Eigentümer damals ankündigte, geht seither nur sehr langsam voran. Was für Reisende in Schleswiger jedoch besonders lästig ist, das sind die Dinge, die nach wie vor in der Zuständigkeit der Bahn AG liegen. Das betrifft nicht nur die Toiletten, um die viele erfahrene Bahnkunden ohnehin einen Bogen machen. Am Bahnsteig funktioniert die Anzeigetafel nicht, die über ankommende Züge und mögliche Verspätungen informiert. Dort sind nur die Wörter zu lesen: „Bitte Ansagen beachten.“ Lautsprecheransagen gibt es jedoch nur unregelmäßig. Für sie ist im Bahnhof niemand zuständig. Die Mitarbeiter im Stellwerk helfen hier aus, aber nur solange ihre eigentliche Arbeit dem nicht im Wege steht.

Fahrgäste und auch die ehrenamtlichen Helfer aus der Bahnhofsmission berichten, dass die Anzeigentafel seit vielen Wochen, wenn nicht gar Monaten ausgefallen ist. Bei der Bahn AG sieht man das anders: „Die Fahrgastinformationsanzeige ist seit Anfang dieser Woche defekt“, teilte ein Unternehmenssprecher aus Hamburg gestern auf sh:z-Nachfrage mit. „Unsere Techniker werden die Störung schnellstmöglich beheben“, kündigte er an. Auch das Klo solle nun in Ordnung gebracht werden. „Das WC ist tatsächlich in einem beklagenswerten Zustand“, sagte der Sprecher. Aktuell sei die Anlage seit dem 16. März geschlossen. Für 20 Cent kommt man trotzdem rein. Es klebt zwar ein „Defekt“-Schild an der Tür, aber Günter Pauly ist nicht der einzige, der das übersehen hat. „Heute morgen war schon wieder jemand bei uns, der sich über das Klo beschwert hat“, sagte Georg Niedziella von der Bahnhofsmission gestern. „Wir empfehlen den Männern inzwischen, auf die Damentoilette zu gehen.“

Der Bahnsprecher aus Hamburg erklärte: „Die Toiletten werden regelmäßig missbräuchlich genutzt.“ Es komme immer wieder zu Verstopfungen. Eine Spezialfirma werde schnellstmöglich die Reparaturarbeiten umsetzen. „Wir hoffen, dass die geschätzt 3000 Euro für die erneute Instandsetzung diesmal etwas länger von Nutzen sind.“

Es gibt unterdessen auch gute Nachrichten. „Die Uhren am Bahnsteig funktionieren wieder“, freute sich Niedziella am Freitag. Auch sie waren zuvor wochenlang ausgefallen.

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erstellt am 11.Apr.2015 | 07:45 Uhr

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