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Bahnhof Süderbrarup : Bahn schickt Reisende in die Irre

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

30 Bahn-Kunden wurden im Süderbraruper Bahnhof erst auf den falschen Bahnsteig gelotst – und dann nicht mitgenommen.

von
erstellt am 17.Okt.2017 | 10:51 Uhr

Es macht schlechte Laune, die Rücklichter eines Zuges zu sehen, in dem man eigentlich sitzen sollte. Auf Bahnsteig 1 des Süderbraruper Bahnhofs standen gestern 30 schlecht gelaunte Fahrgäste. Sie blieben zurück, obwohl sie pünktlich zur Stelle waren und allen Anweisungen der Bahn gefolgt waren. Genauer gesagt – sie wurden nicht mitgenommen, weil sie sich an die Informationen aus dem Internet, die mündliche Durchsage und die Laufschrift gehalten hatten.

Bei den Fahrgästen handelte es sich überwiegend um Pendler, die die Regionalbahn zwischen Flensburg und Kiel nutzen, um zur Arbeit zu kommen. Einer von ihnen ist Lutz Tschense aus Norderbrarup. „Ich fahre die Strecke nach Kiel regelmäßig mit dem Zug, um mir den Stress auf den Straßen zu ersparen. Aber ich habe auch mit der Bahn schon vieles erlebt. Das aber geht zu weit.“

Die 30 Fahrgäste in Süderbrarup waren bestens informiert. Für ihren Zug um 7.28 Uhr nach Kiel waren fünf Minuten Verspätung angesagt – aber das regt einen Bahnfahrer nicht auf. Gestern aber war etwas anders. Und das schien ganz wichtig zu sein: Der Zug sollte laut Durchsage nicht wie üblich und auf dem Fahrplan angekündigt auf Gleis 2 einfahren, sondern auf Gleis 1. Es blieb Zeit genug, die Gäste wechselten brav den Bahnsteig. Dann fuhr der Zug ein. Auf Gleis 2. Alle standen auf der falschen Seite. Hektik brach aus. „Es kam zu tumultartigen Szenen. Meine Mitfahrer mussten zur Arbeit, hatten Termine – und nun drohte der Zug, ohne uns abzufahren“, erklärte Lutz Tschense. Einfach den Bahnsteig wechseln? Verboten – der Weg war aus Sicherheitsgründen durch eine Fußgängerschranke versperrt. „Einige haben gerufen, geschrien, um den Zugführer davon zu überzeugen, ein wenig zu warten. Andere liefen sogar auf die Gleise, um sich bemerkbar zu machen. Der Mann aber winkte nur unwillig ab, drückte einmal auf die Hupe und fuhr los“, erzählt Lutz Tschense. Der Stopp in Süderbrarup habe nur eine halbe Minute gedauert – einige Schüler konnten aussteigen, dann ging die Reise weiter nach Kiel.

Die zurückgebliebenen Fahrgäste mussten sich erst einmal sammeln. So schnell legten sich Enttäuschung und Wut nicht. Einer sammelte Visitenkarten ein, um eine Sammelbeschwerde auf den Weg zu bringen, andere bestellten ein Sammeltaxi, wieder andere gingen nach Hause, um die Fahrt mit dem eigenen Wagen fortzusetzen. „Ich habe erst einmal einen Kaffee getrunken und bin eine Stunde später gefahren.“ Und er setzt noch gestern einen geharnischten Brief an das „Servicecenter Fahrgastrechte“ auf. „Ich bin als Dauerfahrer ja einiges Leid gewohnt“, schreibt er darin, „aber das setzt allem (!) die Krone auf. Eine über die Rechte der üblichen Fahrgastrechte hinausgehende Entschädigung halte ich für mehr als angemessen.“

Die Bahn konnte gestern noch keine Erklärung für das Malheur liefern. „Es tut uns natürlich leid, dass die Fahrgäste nicht mitgenommen wurden“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Sie versprach jedoch, der Sache weiter nachzugehen und verwies zum Thema Entschädigungen auf die Fahrgastrechte.

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