Lindaunis : „Bahn lässt die Brücke verkommen“

Alle Ampeln auf Rot: Die Brücke über die Schlei ist wieder einmal außer Betrieb
Alle Ampeln auf Rot: Die Brücke über die Schlei ist wieder einmal außer Betrieb

Anlieger Christian Ploppa erhebt Vorwürfe: Durchgerostete Träger und kaum Informationen über die Schleibrücke Lindaunis.

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30. Januar 2018, 07:10 Uhr

Dass die Bauexperten der Deutschen Bahn nicht vorausschauend wären, kann ihnen niemand vorwerfen. Auf der Internetseite des Konzerns ist festgehalten, dass das marode Bauwerk am 20. und 21. Oktober gesperrt werden muss – Vorbereitungen auf die Bauarbeiten an einer neuen Brücke, die im April nächsten Jahres beginnen sollen.

Die kurzfristigen Unpässlichkeiten des Bauwerks bereiten dem Besitzer offenbar wesentlich mehr Probleme. Am 20. Januar klappte wieder einmal nichts. Wegen defekter Bodenplatten, so hieß es auf Nachfrage, müsse die Brücke gesperrt werden. Die Arbeiten würden bis zum 25. Januar andauern, Fußgänger und Radfahrer könnten passieren.

„Stimmt alles nicht“, sagt Christian Ploppa aus Boren, der die Brücke mehrfach in der Woche nutzt – wenn es denn geht. „Die Informationspolitik der Bahn ist einfach unterirdisch“, beschwert er sich, „da wird mal nach Gutsherrenart etwas herausgelassen – oder auch nicht.“ Auch im Internet habe er keinerlei Informationen darüber gefunden, wann denn die Brücke wieder für die Bahn und Autos befahrbar sei.

Deshalb machte sich Christian Ploppa am vergangenen Mittwoch auf den Weg zur Brücke, um herauszufinden, ob diese zumindest wie angekündigt für Fußgänger passierbar ist. Er traf auf drei Arbeiter, die ihm erklärten, dass auch Fußgänger nicht durch dürften – sie hatten die Bodenplatten entfernt. „Daneben lagen nur Holzbretter, die vom Regen glitschig geworden waren – es gab wirklich kein Durchkommen“, berichtet Ploppa.

Von den Arbeitern erfuhr er nach eigenen Angaben dann auch den Grund für die Brückensperrung – und der brachte ihn endgültig in Rage. Während in der offiziellen Begründung der Bahn zunächst von „defekten Laschen“ und später von einer „großen Störung“ die Rede waren, hätten die Arbeiter davon berichtet, dass sich das Bahngleis wegen durchgerosteter Träger gesenkt hatte. Und die bekam Ploppa auch zu Gesicht. „Für mich ist das Beleg dafür, dass die Bahn ihrer Pflicht zur regelmäßigen Kontrolle nicht nachkommt“, erklärte er. „Breitflanschträger dieser Dimension rosten nicht nach drei und auch nicht nach sechs Jahren durch.“ Es sei schon ein Wunder, dass der Zug bei einem derartigen Verlust an Tragkraft nicht wesentlich tiefer eingebrochen ist. Ploppas Fazit: „Die Bahn lässt die Brücke Lindaunis verkommen.“

Der verärgerte Anwohner belässt es allerdings nicht dabei, sich zu ärgern, er hat Beschwerdemails an die Bahn und das Kieler Verkehrsministerium geschickt. Eine Antwort bekam er nicht. „Die Menschen werden mit ihren Sorgen und Nöten allein gelassen“, sagt er.

Die Bahn hat unterdessen ihre Sperrungs-Meldung für die Brücke Lindaunis aktualisiert. Nachdem die Reparaturarbeiten nicht wie zunächst geplant am vergangenen Freitag beendet werden konnten, nennt das Unternehmen nun einen neuen Termin. „Leider wird die Störung voraussichtlich bis Mittwoch, 31. Januar, andauern. Wir bitten darum, die notwendigen Beeinträchtigungen zu entschuldigen.“ Christian Ploppa: „Ich glaube denen kein Wort mehr.“

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